Full text : Gesetz-Sammlung für die Königlich Preußischen Staaten. 1876. (67)

—  283  —

Hier  lese  er  über  sie  die  vorgeschriebenen  biblischen  Lectionen  und  lasse,
wo  es  Brauch  ist,  die  Eheleute  dazu  oder  zum  Gebete  niederknieen.

(Siehe  die  biblischen  Lectionen,  wie  sie  sich  finden  in  der  Calenbergischen
Kirchenordnung  S.  161—163.)  in  der  Lüneburgischen  Kirchenordnung  S.  201—
204.,  in  der  Lauenburgischen  Kirchenordnung  S.  377.  und  378.,  in  der  Ostfürit
  Kirchenordnung  S.  181—184.,  in  verschiedenen  städtischen  Agenden,
wie  der  Agenda  der  Stadt  Hannover  von  1717.  S.  4—7.,  der  Stadt  Geelat
von  1762.  S.  5—8.  u.  a.  Es  ist  jedoch  den  Predigern  gestattet,  diese  Form
der  Lectionen  mit  der  nachstehenden  zu  vertauschen.)

Gott  der  Herr  sprach:  Es  ist  nicht  gut,  daß  der  Mensch  allein
5  8  will  ihm  eine  Gehülfin  geben,  die  um  ihn  sei:  Und  Gott  schuf

8  Weib  und  brachte  sie  zu  ihm:  Als  auch  der  Herr  Christus  sagte:
Habt  ihr  nicht  gelesen,  daß  der  im  Anfange  den  Menschen  gemacht
het—  der  machte,  daß  ein  Mann  und  ein  Weib  sein  sollte  und  sprach:

arum  wird  ein  Mensch  Vater  und  Mutter  verlassen  und  an  seinem
Weibe  hangen  und  werden  die  zwei  ein  Fleisch  sein?  So  sind  sie  nun
nicht  zwei,  sondern  ein  Fleisch.  Was  nun  Gott  zusammengefügt  hat,
das  soll  der  Mensch  nicht  scheiden.

Weil  Ihr  Euch  beide  in  den  Ehestand  begeben  habt  in  Gottes
Namen,  so  höret  das  Gebot  Gottes  über  diesen  Stand:

So  spricht  St.  Paulus:  die  Weiber  seien  unterthan  ihren  Männern
als  dem  Herrn:  denn  der  Mann  ist  des  Weibes  Haupt,  gleichwie
auch  Christus  ist  das  Haupt  der  Gemeine  und  Er  ist  seines  Leibes
Heiland.  Aber  wie  nun  die  Gemeine  Christo  ist  unterthan,  also  auch
die  Weiber  ihren  Männern.  Ihr  Männer,  liebet  eure  Weiber,  glech
wie  Christus  geliebet  hat  die  Gemeine  und  hat  sich  selbst  für  sie
egeben,  auf  daß  er  fie  heiligte,  also  sollen  auch  die  Männer  ihre

eiber  lieben  als  ihre  eigenen  Leiber,  denn  niemand  hat  jemals  sein
eigen  Fleisch  gehafset,  sondern  er  naͤstet  es  und  pfleget  sein,  gleichwie
auch  der  Herr  die  Gemeine.  Unter  allem  Kreuz  aber,  so  Gott  nach  dem
Sündenfall  auf  den  Ehestand  gelegt,  sei  das  euer  Trost,  daß  ihr

,wisset  und  glaubet,  daß  euer  Stand  vor  Gott  angenehm  und  gesegnet
ist.  Denn  es  stehet  geschrieben:  Gott  schuf  den  Menschen  Ihm  zum
Bilde,  zum  Bilde  Gottes  schuf  er  ihn;  und  er  schuf  sie  ein  Männlein
und  Fräulein.  Und  Gott  segnete  sie  und  sprach  zu  ihnen:  Seid
fruchtbar  und  mehret  euch  und  füllet  die  Erden  und  machet  sie  euch
unterthan.  Und  Gott  sahe  an  alles  was  er  gemacht  hatte  und  siehe
da,  es  war  sehr  gut.

Hier  lege  er  die  Hand  auf  sie  und  spreche:

Lasset  uns  beten:

Herr  Gott,  der  Du  Mann  und  Weib  geschaffen  und  zum  Ehestand
  verordnet  hast,  dazu  mit  Früchten  des  Leibes  gesegnet  und  das
Geheimniß  Deines  lieben  Sohnes  Jesu  Christi  und  der  Kirche,  seiner
Braut,  darin  bezeichnet,  wir  bitten  Deine  grundlose  Güte,  Du  wollest
solch  Dein  Geschoͤpf,  Ordnung  und  Segen  nicht  lassen  verrücken,  noch

r.  8439.)  ver-