Metadata : Meyers Großes Konversations-Lexikon. Dritter Teil. (3)

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wird  in  erster  Linie  aus  der  zur  Gefechtsbatterie  gehörigen
  Staffel,  demnächst  aus  der  zu  jeder  Abteilung
gehörigen  leichten  Munitionskolonne  gedeckt.  Dabei
werden  leere  Munitionswagen  der  Gefechtsbatterie
gegen  volle  der  leichten  Munitionskolonne  ausgetauscht.
  Ist  ihr  Heranführen  an  die  Feuerlinie  nicht
möglich,  so  wird  die  Munition  an  die  Geschütze  herangetragen.
  Unter  dringenden  Umständen  fahren  bespannte
  Munitionswagen  auch  im  feindlichen  Feuer
bis  in  die  Feuerlinie  vor.  Die  leeren  leichten  Munitionskolonnen
  werden  aus  den  Artillerie-Munitions-=kolonnen
  gefüllt,  und  zwar  soweit  angängig  auf  dem
Gefechtsfeld.  In  eiligen  Fällen  werden  Artillerie-Munitionskolonnen
  oder  Teile  von  ihnen  an  die  Feuerlinie
  herangezogen.  Nach  dem  Gefecht  wird  der  Ersatzbedarf
  der  Batterien  und  leichten  Munitionskolonnen
aus  den  Artillerie-Munitionskolonnen  gedeckt.

Auch  bei  der  schweren  Artillerie  haben  einzelne
Kaliber  den  Munitionswagen  in  der  Feuerstellung
stehen;  sonst  ist  die  Munition  bei  den  Geschützen  nieder-II.

  Technik  und  Kriegführung

gelegt.  Der  Ersatz  erfolgt  aus  der  Stassel  und  den
leichten  Munitionskolonnen,  deren  Ergänzung  aus
den  schweren  Artillerie-Munitionskolonnen  vorgenommen
  wird,  sofern  diese  nicht  die  Munition  unmittelbar
  in  die  Feuerstellung  bringen.  Der  Munitionsnachschub
  bei  der  schweren  Artillerie  ist  nicht  einfach,
  denn  die  Granaten  ihrer  Geschütze  sind  so’schwer,
daß  nur  ganz  wenige  in  einem  Munitionswagen
Platz  finden.  Es  wird  daher  von  Munitions-Kraft.
wagen  ausgedehnter  Gebrauch  gemacht.

In  Stellungskrieg  ist  durch  Anlage  ständiger
Munitionsdepots  im  Kampfgebiet  in  nächster  Nähe
der  Feuerstellungen  der  Munitionsersatz  wesentlich
erleichtert.  Im  Gebirgskrieg  erfolgt  der  Munitionsnachschub
  auf  den  oft  recht  schwierigen  Bergpfaden
  durch  Tragetiere  und  das  Vortragen  der
Munition  an  die  Geschütze  durch  die  Mannschaften
selbst.  Bei  Stellungskämpfen  im  Gebirge  wird  der
Munitionstransport  vielfach  auch  durch  Drahtseilbahnen
  und  Aufzlige  bewirkt.

Der  Luftkrieg
von  Reg.-Rat  Dipl.-Ing.  Paul  Neiniger  in  Friedrichshagen
Hlerzu  Tafeln  Lustkrieg  1  und  lle.

Um  den  Luftkrieg  als  Sondergebiet  des  Weltkrieges
richtig  zu  würdigen,  muß  man  8  die  vielfachen  Verwendungszwecke
  der  Luftfahrzeuge  vor  Augen  halten.
Diese  dienen  der  Erkundung,  der  Nachrichtenübermittlung,
  dem  Transport,  dem  Angriff,  der  Abwehr.
Hauptaufgabe  ist  der  Erkundungsdienst;  hier  hat
das  Luftfahrzeug  die  Kavallerie,  die  Infanterie-,  Radfahrer=
  und  Kraftfahrerpatrouillen  zum  großen  Teil
ausgeschaltet.  Zur  Nahaufklärung  gehören  die
Zielermittlung  sowie  die  Beobachtung  der  artilleristischen
  Feuerwirkung.  Hierzu  wird  vornehmlich  der
Fesselballon  und  das  schnelle,  nicht  oder  leicht  bewaffnete,
  mit  wenig  Betriebsstoff  versehene  Flugzeug
verwendet.  Die  Beobachtungsergebnisse  werden  vom
Fesselballon  durch  Fernsprecher  übermittelt,  vom
Flugzeug  durch  Abwurf  oder  besondere  Signalmittel
(Meldewimpel,  Nauchbombe,  Leuchtpistole.  Rußapparat,
  Auspufspfeife,  Spiegelsignale,  drahtlose  Telegraphie).
  Die  Fernaufklärung,  früher  Sache  der
Kavallerie  in  größeren  Verbänden,  liegt  jetzt  fast  ausschließlich
  den  schwereren  Flugzeugen  mit  großem
Aktionsradius  und  stärkerer  Bewaffnung  sowie  den
Luftschiffen  ob.  Sie  wird  häufig  mit  dem  Bombenangriff
  auf  feste  Ziele,  wie  Städte,  Truppen=  und
Munitionslager,  verbunden.  Die  Meldung  erfolgt
durch  drahtlose  Telegraphie  oder  persönlichen  Bericht
des  Beobachters.  Auch  die  photographische  Aufnahme
des  zu  erkundenden  Gebietes  vom  Luftfahrzeug  aus
mittels  besonderer  Kameras  spielt  für  die  Aufklärun
eine  bedeutende  Rolle.  Zur  Erkundung  gehört  auch
die  Aufspürung  von  Unterseebooten  durch  Wasserflugzeuge.
  —  Far#  reinen  Nachrichtenübermittlung
  dienen  schnelle  Flugzeuge  nur  dann,  wenn
Fernsprechkabel  und  drahtlose  Anlagen  zerstört  sind.
Zu  reinen  Transportzwecken  wird  das  Flugzeug
nicht  viel  verwendet,  nur  zum  Heranschaffen  höherer
Führer  an  wichtige  Punkte,  von  Ärzten,  Verbandsmaterial,
  Infanteriemunition  und  Proviant,  zum
Fortschaffen  Verwundeter,  Aussetzen  und  Wiederholen
  von  Spionen  und  mit  besonderen  Aufgaben
betrauten  Personen  hinter  den  feindlichen  Linien.

Die  Verwendung  als  reines  Kampfmittel  ist
neben  der  Erkundung  das  wichtigste  Anwendungsebiet
  der  Luftfahrzeuge.  Zum  Angriff  auf  größere
Hieie  am  Erdboden  und  auf  Schiffe  dienen  Abwurf.
geschoss  und  zwar  vornehmlich  Spreng-und  Brandomben.
  Ihre  Größe  und  Zahl  richtet  sich  nach  dem
Angriffsobjekt  und  der  Tragfähigkeit  des  Luftfahrzeuges.
  Im  allgemeinen  haben  die  größten  Sprengbomben
  ein  Gewicht  von  6-—  10  Zentnern  (s.  Taf.  I,
Fig.  2),  doch  sind  vereinzelt  bereits  20-Zir.-Bomben
verwendet  worden.  Da  für  das  sichere  Treffen  des
Zieles  Eigengeschwindigkeit  und  Flughöhe  des  Luftfahrzeuges
  sowie  Windstärke  und  Windrichtung  zu
verücksihtigen  find,  haben  die  Luftschiffe  und  Bombenflugzeuge
  besondere  Ziel-  und  Abwurfeinrichtungen.
Zum  Angriff  auf  Truppenkörper  hat  man  auch  (ohne
besondere  Erfolge)  Fliegerpfeile  verwendet,  unten
Peige  oben  mit  Luftführungsrillen  versehene  Stahl.
stäbe  von  Bleistiftstärke,  die  lediglich  durch  ihr  Fallgewicht
  geschoßartig  wirken  und  in  großer  Zahl  abgeworfen
  werden  (vgl.  Fig.  8  auf  Tafel-Kriegs-Chirurgie
  II4  in  Bd.  II,  S.  301).  Für  den  Kampf  gegen
feindliche  Luftfahrzeuge  dient  vornehmlich  das  Maschinengewehr,
  bisweilen  auch  Revolverkanonen  und
leichte  Schnellfeuergeschütze.  Vorbedingung  für  ein
wirksames  Maschinengewehrfeuer  ist  freies  Schußfeld.
Bei  Flugzeugen  mit  einer  weit  vorn  liegenden  Zunschraube,
  der  häußigsten  Anordnung  bei  den  Spezialflugzeugen
  für  den  Luftkampf,  den  Jagdflugzeugen,
muß  das  Maschinengewehr  durch  den  Propellerkreis
hindurchfeuern.  Um  ein  Zerschießen  der  Propellerflügel
  zu  vermeiden,  hat  man  diese  in  Frankreich  anfänglich
  mit  keilförmiger  Lanzerung  versehen,  so  daß
den  Propellerflügel  treffende  Geschosse  seitlich  abgleiten.
  Später  wurß=  das  Maschinengewehr  vom  Motor
derart  zwangläufig  gesteuert,  daß  ein  Geschoß  nur
dann  die  Gewehrmündung  verlassen  kann,  wenn  sich
kein  Propellerflügel  vor  ihr  befindet.  Während  man
die  vom  Beobachter  zu  bedienenden  Abwehrmaschinen.
ewehre  der  Bombenflugzeuge  möglichst  allseitig
chwenkbar  anordnet,  hat  man  in  letzter  Zeit  bei  Einsitzerjagdflugzeugen,
  um  den  Führer  von  der  doppelten
Tätigkeit  des  Steuerns  und  Zielens  zu  entlasten,  das
Maschinengewehr  festeingebaut,  so  daß  das  Zielen  nur
durch  Steuern  des  Flugzeuges  erfolgt.  Diese  Kampf-