Full text : Sächsisches Realienbuch enthaltend Geschichte, Erdkunde, Naturgeschichte, Physik, Chemie und Mineralogie.

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auf  dem  Kurfürstentage  zu  Regensburg  mit  Ungestüm  die  Entlassung  Wallensteins.

1630  Mit  schwerem  Herzen  fügte  sich  der  Kaiser  und  willigte  1630  in  Wallensteins  Absetzung.
  Scheinbar  ruhig  empfing  Wallenstein  die  Gesandten,  die  ihm  seine  Entlassung
  mitteilten,  und  zog  sich  auf  seine  böhmischen  Güter  zurück,  wo  er  mit  königlicher
  Pracht  Hof  hielt.  Er  wußte,  daß  ein  Krieg  mit  Schweden  bevorstand  und
der  Kaiser  seiner  bald  wieder  bedürfen  werde.

9.  Gustav  Adolf.  Als  die  Not  der  Evangelischen  durch  den  „Wiedererstattungsbefehl“
  des  Kaisers  aufs  höchste  gestiegen  war,  da  nahte  sich  ihnen  auch  der  Retter.
Es  war  der  Schwedenkönig  Gustav  Adolf.  Mancherlei  Gründe  bewogen
ihn  zu  diesem  Kriegszuge.  Das  Streben  Wallensteins  nach  Beherrschung  der  Ostsee
war  für  den  schwedischen  Handel  sehr  gefährlich.  Gustav  Adolf  hatte  selbst  die  Absicht,
  sich  zum  Herrn  der  Ostsee  zu  machen.  Dazu  kam  noch,  daß  die  vertriebenen
Herzöge  von  Mecklenburg  und  Pommern  seine  Verwandten  waren.  Vor  allen
Dingen  aber  wollte  Gustav  Adolf  seinen  bedrängten  Glaubensbrüdern  in  Deutschland
zu  Hilfe  kommen.  Ihm  war  es  Ernst  mit  seinem  evangelischen  Christentum.  Das
bezeugen  sein  vorbildlicher  Lebenswandel  und  die  Haltung  seiner  Soldaten.  Während
andere  Heere  wüste  Haufen  waren,  nur  auf  Sold  und  Beute  bedacht,  herrschte  bei
Gustav  Adolfs  Kriegern  religiöse  Begeisterung  und  Manneszucht.  Fluchen,  Spielen,
Rauben,  Morden  wurde  streng  bestraft.  Der  Kaiser  spöttelte,  wie  man  erzeählt,
bei  seiner  Kriegserklärung:  „Wir  haben  ein  neues  Feindel  bekommen!“  Aber  Tilly
sagte  ernst:  „Majestät,  kein  Feindel,  einen  rechten  Feind.“  Mit  nur  15000  Mann

1620  Fußvolk  und  3000  Reitern  landete  er  1630  in  Pommern.

Er  selbst  war  der  erste,  der  in  Usedom  ans  Land  stieg.  Hier  warf  er  sich  im  Angesicht
seines  Heeres  auf  die  Knie  nieder  und  betete.  Als  er  sah,  daß  sich  die  Augen  seiner  Offiziere
und  Soldaten  mit  Tränen  füllten,  sprach  er:  „Weinet  nicht,  sondern  betet.  Je  mehr  Betens,
desto  mehr  Sieg.  Fleißig  gebetet  ist  halb  gefochten.“

Zuerst  vertrieb  er  die  Kaiserlichen  aus  Pommern,  Mecklenburg  und  Brandenburg.
  Da  hörte  er,  daß  Magdeburg  von  Tilly  belagert  werde,  und  sofort  beschloß
er,  der  Stadt  zu  Hilfe  zu  kommen.  Aber  der  Kurfürst  von  Brandenburg  mißtraute
ihm  und  wollte  ihm  den  Durchgang  durch  sein  Land  nicht  gestatten.  Endlich  jedoch
willigte  er  ein,  und  Gustav  Adolf  rückte  nun  auf  Magdeburg  los.

10.  Zerstörung  Magdeburgs.  1631.  Schon  mehrere  Wochen  war  Magdeburg
von  Tilly  belagert  und  mit  Kanon#t  beschossen  worden.  Gustav  Adolf  hatte  der
Stadt  zwar  einen  trefflichen  Kommandanten  gegeben,  den  Obersten  Falkenberg;
  aber  dieser  besaß  nur  eine  geringe  Truppenzahl  und  wenig  Pulver.  Dennoch
verzagte  er  nicht  und  hoffte  auf  Gustav  Adolfs  Hilfe.  Am  9.  Mai  hielt  Tilly  mit
der  Kanonade  plötzlich  inne  und  ließ  seine  Geschütze  abführen.  Die  Magdeburger
glaubten,  er  fliehe  vor  den  anrückenden  Schweden  und  atmeten  froh  auf.  Allein
es  war  eine  Kriegslist.  Tilly  rüstete  zum  Sturm.  Die  Wächter  waren  bis  Mitternacht
  wachsam  auf  ihrem  Posten  gewesen.  Da  im  kaiserlichen  Lager  alles  still  blieb,
verließen  sie  mit  der  Morgendämmerung  die  Mauern,  um  einige  Stunden  der  Ruhe
zu  genießen.  Plötzlich  jedoch  erschienen  die  Kaiserlichen  wieder,  und  um  7  Uhr  begann
  der  Sturm.  Der  Wächter  vom  Johannisturm  stieß  ins  Lärmrohr,  die  Sturmglocken
  läuteten,  und  Trommelwirbel  erschallte  in  den  Straßen.  Falkenberg  wirft
sich  den  Stürmenden  mutvoll  entgegen,  aber  eine  Kugel  streckt  ihn  nieder.  Da
verlieren  die  Magdeburger  den  Mut.  Zwar  versuchen  sie  noch  an  einigen  Stellen