Full text : Rosenheimer Anzeiger. 61. Jahrngang (61)

zun.  244

—  dab  tatsächlich  zum  ersten  Male  der  größte

1  der  augenblicklich  im  Kriege  miteinander
5  Lenuder  hier  vertreten  sein  wird.  Wenn
Italien  und  Montenegro“  auch  noch  Abordnungen
  schicken  würden,  so  würden  hier  zehn  verschiedene
  Staaten  miteinander  ringen.  Auf  diesem
  lleinen  und  an  sich  unledentenden  Kriegsschauplatz,
  der  aber  *  die  Entwickelung  der
Dinge  ron  erheblicher  Tragweite  geworden  ist,
und  für  den  Ausgang!  des  Krieges  auch  noch
werden  dürfte,  mird  eine  wahre  Böllerschlacht
stattfinden,  im  Vergleiche  zu  der  die  Völkerschlacht
  bei  Leipzig  nicht  sehr  bedcutend  war.
Unsere  Feinde  haben  die  Bedeutung  des  serbischen
  Unternehmens  sofort  richtig  ertannt.  Das
kann  man  aus  den  erbitierien  Vorwürsen  sehen,
welche  den  leitenden  Staatsmäunern  Englauds
und  Frank  kreichs  ron  ihrer  Preste  gemacht  werden.
  Die  Entscheidungsschlacht,  die  hier  zu  erwarten
  ist,  wird  alio  rors  ussich:  lich  ein  Ringen
aller  Feinde  gegeneinander  sehen.

Sasecar  -Zisch-Virol,  das  gerduioe
Festune  sdreieck.

Durch  das  Vordringen  der  Vulgaren  gegen
Westen  erlangt  eine  eigenartige  Stellung  der
Serben  Bedeutung,  wie  wir  sie  schon  im  Kriege
gegen  Rußland  mehrfach  angetrofsen  haben.  Es
ist  ein  beseiligter  Raum,  der  durch  das  Fesiungsdreieck
  Zajerar-Rüch  Pirot  gebildet  wird.  Schon
im  Kriege  kunnrten  gegen  Sorbien  im  Jahre
1885  war  der  Raum  Qajecar  Pirot  mit  der
Rückendeckung  Risch  der  Schauplatz  des  siegreichen
  Vordringens  des  bulgarischen  Hceres.
Auch  jetzt  wurde  mitgeteilt,  daß  sich  der  rechte
Flügel  siegreich  der  Feslung  Jajecar  genähert
habe  und  daß  sich  der  linte  Elügel  des  bulgarischen
  Heeres  auf  Pirot  zu  bewegt.  Der
Vorstoß  ersolgt  somit  in  dem  ossenen  Raume,
der  eine  Seite  des  eben  genannten  Festungsdreiedes
  bildet.  Wir  haben  gehört,  daß  die
erste  bulgarische  Armee  die  Paßhöhen  zwischen
Belo-  Gradiht  und  AKnufjazerac  in  Befig  genommen
  Nun  bildet  Knjazer#ac  cine  Ivischensteilung
  ##i  der  befentigten  Front  Nisch-  Zaserar,
welche  die  nordueliche  Seite  des  Festungsdreieckes
  darstellt.  Belo  Gradschil  liegt  östlich
von  Knjacevac  und  ungefähr  auf  halbem  Wege
östlich  der  Linie  Zajecar=  Pirot,  Belo-Gradschik
  ist  sowohl  durch  eine  Straße  mit  Pirot,
als  auch  mit  Nisch  rerbunden.  Während  Nisch,
die  am  meitesten  westlich  gelegene  Festung,  einen
großen  Umfang  beiitzt,  sind  die  beiden  anderen
Feslungen  Jajecar  und  Pirot  nicht  so  gut  ausgebaut,
  wenn  sie  auch,  an  anderen  serbischen
Festungen  gemessen,  einen  beträchtlichen  Umsang
  aufweisen.  Zasecar  am  Timok  hat  einen
Umfang  ron  40  Kilometern  und  ist  ein  verschanztes
  Lager,  das  durch  eine  große  Anzahl
ron  Feldbesestigungen  geschitzt  ift.  Außer  diesen
  alten  Anlagen  soll  jetzt  noch  eine  Reihe
starker  und  neuer  Erdwerke  hier  errichtet  worden
  sein.  Die  Festung  Pirot  ist  der  Schutz
der  Straße  nach  Nisch.  Sie  iiegt  an  der  Eisenbahminie
  Nisch  Sofia  und  isl  außerdem
Kreuzungernnit  mek  rerer  Straßen.  die  nach
Norden,  Westen,  Ouen  und  Süden  jühren.  Die
Straße  nach  Norden  itellt  die  Verbindung  mit
derjenigen  Straße  her,  die  nach  Belo-  Gradschik
führt.  Pirot  hat  also  eine  große  Bedeutung
für  Aufmarsch  und  Rückzug  der  Serben,  die
sich  auch  schon  früher  durch  eine  starke  Befestigung
  aussprach.  Das  Hauptwerk  bildet  hier
ein  altes  Kernwerk.  Ferner  sind  hier  noch  eine
Reihen  von  alten  Schanzen  und  Gräben  zu  sinden.
  Die  Festung,  die  am  O  berlauf  der  Nizawa
gelegen  ist  und  den  Flußübergang  schägt,  ist
jetzt  durch  eine  Anzahl  neuer  Feldbefeftigungen
rerstärkt  worden,  die  insgesamt  einen  Umsang
ron  35  Kilometern  haben.  Gegen  Osten  find

der  Schah  der  Säbker.

Roman  von  L.  Trac
Erachdnach  verboten.)

Er  war  nicht  Holz  auf  dar,  was  er  heule  in  der
Nevattion  oer  „reien  Worte  geran  hatte,  und
er  wäre  froh  gewesen,  wenn  er  die  Crinnerung
daran  zugleich  mit  der  Crinnerung  an  die
traurigen  lehten  Wochen  seines  Lebens  für
immer  aus  seiner  Secle  hätte  tilgen  können.

ange,  bevor  ihm  das  Verständnis  für  die
schurkischen  Geschäfts  %prinzipnien  des  Herrn
Waldemar  Gumovendori  gekommen  i#  hatie
er  die  Abyangigten  von  diesem  M
und  plebefjischen  Menschen  wie  eine  drüdende
Erniedrigung  empfunden.  Und  nur  die  ciserne
sich  die  für  seinen  kärglichen
Lebensunterhalt  ersorderlichen  Minel  zu  veren,
  hatte  ihn  in  dem  unwürdigen  Dienstverhältnis
  sesiebalten.  Er  hatte  sich  gesagt,
daß  ein  Mens.:  u  einer  Lage,  ein  verabschiedeter
Oifizier  ohne  S  .1n  eng  und  ohne  ordentlichen  Beruf,
  das  Rech!l  vc.  wir  habe,  hohe  Anforderungen
an  das  Leben  zu  stellen  und  eine  gesellschaftliche
Ausnahmestellung  für  sich  zu  beanspruchen.  Und
erst  seine  Unterredung  mu  Erika  von  Sylvander
vatte  ihm  die  Augen  dafür  geöffnet,  daß  er  in
leiner  Unterwersung  unter  den  vermeintlichen
Jwang  der  Verhaltnisse  viel  zu  weit  gegangen

var.  Die  pruiliche  Veschamung,  die  er  im
Aagesicht  diess  sungen  Mädchens  bnhsunden.
war  die  häürt  ite  Leltion  gewesen,  die  er  je
seinem  Leben  empfangen.  Sie  allein  ban
seine  weiteren  Handlungen  bestimmt,  und  er
fühlte,  daß  eine  lange  Zeit  würde  vergehen
müssen,  ehe  die  schmerzlche  Erinnerung  an

 

 

 

 

der

 

fangenen.

Rosenhemer  Angeiger

Zu  den  Kämpfen  in  Verbien.

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vier  Werke  und  gegen  Süden  drei  vorgeschoben.
  Auch  die  Westfront  ist  durch  zwei  schwächere
Werle  geschützt.  Dieser  Naum,  der  von  den
drei  Festungen  gestützt  wird,  dürfte  voraussichtlich
  in  nächster  Zeit  eine  große  Rolle  in  der
Geschichte  des  Krieges  zwischen  Serbien  und
Vulgarien  spielen.  (Z.)

Der  Krieg  mit  Ferbien.

Die  Kämpfe  in  Serbien.

Berlin,  19.  Olt.  Der  Priegsberichterflatter
  Geyer  des  „Berliner  Lokal-Anzeigers“  meldet
  aus  dem  k.  k.  Kriegspressequartier:  Die
Erfolge  der  Verbündeten  gegen  die  Aralasiellung
  der  Serben  ist  von  nicht  zu  unterschätzender
Bedeutung  für  die  gesamte  serbische  Unternehmung.
  Diese  ungemein  starke  Verteidigungslinie
  war  dazu  bestimmt,  den  Vormarsch  der
verbündrten  Armeen  wenn  nicht  völlig  zu  verhindern,
  so  doch  für  längere  Zeit  auszuhalten.
Nachdem  unsere  und  deutsche  Verbände  sich  am
15.  Oktober  dem  Anala  auf  Sturmdistanz  genähert
  hatten,  solgte  am  16.  der  Sturmangriff,
den  ron  Norden  die  Insanterie-Regimenter  Nr.
49  und  84,  von  Westen  die  deutschen  Truppen
führten.  Der  heldenhafte  Widerstand  der  Serben
  wurde  durch  eine  den  Infanterieangriff  unlerstücende
  Artillerierorbereitung  aus  schwersien
  Geschützen  ron  Belgrad  her  geschwächt  und
dann  mit  dem  Bajonett  röllig  gebrochen.  Wir
machten  7  Osffiziere  und  910  Mann  zu  Ge-Die
  immer  wieder  einsetzenden  Regenwetter,
  die  die  Operationen  in  Obrenorac
und  in  der  Makra  starl  behinderten,  machen
sich  südlich  Belgrad  bei  etwas  beisseren  Gelände
rerhältnissen  nicht  so  sühlbar.  Die  Bewegung
der  schweren  und  schwersten  Geschütze  hat  sich
allerorten  planmäßig  rollzogen.  Die  Beri#iie
gungs=  und  Munitionsnachschübe  gehen  muiter
haft  ror  sich.  Ein  Teil  der  serbischen  Bahnlinien
  ist  bereits  Frachtzweden  nugbar  gemad.,
nachdem  die  Schäden  der  Zerstörungoarbeiten
der  Serben  rasch  beseiligt  worden  waren.

Knjazerac  vor  dem  Fall.

Budapest,  19.  Olt.  Aus  Sofia  wird  lerichtel:
  Man  erwartet  stündlich  die  Nachricht
ron  der  Einnahme  Kufazeracs.  Die  äußeerste

bulgarische  Vorhut  besindet  sich  in  unmittelbarer.

dirle  Demütigung  aus  seinem  Gedächtnisse  gelöscht
  war.  Die  Anertennung  in  den  letzten
Worten  des  Varons  aver  empfand  er  in  seiner
hegenwärtigen  Stimmung  fast  wie  Ironie,  und
s  haite  wiederum  einen  beinahe  schroff  ableymnden
  Klang,  da  er  erwiderte

„Von  irgendwelcher  Tapferkeit  konnte  dabei
  nicht  wohl  die  Rede  sein.  Ich  war  das  Opfer
einer  Täusezung  geworden,  und  es  war  nur
selbstverftändlich,  daß  ich  in  derlelben  Stunde,
die  mir  diese  Erkenninis  verschafft  hatte,  meine
Bezi  ehungen  zu  dem  Urheber  der  Täuschung  in
unzweidentigster  Weise  lösen  mußte.  —  Wenn
ich  mir  nun  die  Frage  gestatten  darf,  „Herr
de  Veguregard,  zu  hweihen  Zweck  —

„Ju  welchem  Zweck  ich  Sie  um  5ren
Besuch  heleen  habe.“  bel  der  andere  artig  ein.
„GWewiß,  ich  bin  Ihnen  eine  Erklärung  dafür
schi  uldig.  Aber  Sie  dürfen  mich  nicht  für  indiskrert
  halten,  wenn  ich  Ihnen  zunächst  mit
einer  Gegenfrage  antworte:  Haben  Sie  sich  bereil#
  für  eine  andere  Stellung  oder  Beschäftigung
entschieden?“

azu  war  mir  innerhalb  dieser  wenigen
Sturden  natürlich  noch  keine  Möglichkeit  geoken.“


„Aber  Sie  haben  nach  dieser  Richtung  hin
vielleicht  schon.  chellimmte  Pläne  oder  Absichten?“

Keines

Es  ree  ’mir  also  gestattet  sein,  Ihnen

eln  Anerbieten  zu  machen
cwmst-  —  wenn  ich  #-  ein  wenig  über.
ralchi  6  durch  ein  freundliches  Interesse,  für
dessen  Erweckung  ich  so  wenig  habe  tun  können.“
„O,  nicht  so  wenig,  als  Sie  vielleicht  annehmen,“
  lächelte  der  Baron.  „Ich  habe  die
Unbescheidenheit  gehabt,  mich  ein  w  Über

en
Ihre  Verson  und  Ihre  Verhältusse  zu  usnner
—  —

Nähe  der  Stadt.  Die  Eisenbahnlinie  um  Knjazevac
  ist  von  den  Serben  völlig  zerstört  worden.
  Wie  erst  jetzt  bekannt  wird,  drang  unmittelbar
  nach  der  bulgarischen  Kriegserklärung
an  Serbien  eine  kleine  Schar  bulgarischer  Insanterie
  durch  die  serbischen  Linien  bei  Knjazer
  ac,  legte  Feuer  in  einen  Teil  der  Stadt
und  zog  sich  erst  zursick,  als  die  serbische  Uebermacht
  erdrückend  zu  werden  drohie.

Der  Vormarsch  der  Bulgaren.

Bukarest,  19.  Okt.  Nach  einer  Meldung
des  „Universul“  haben  bulgarische  Truppen
Raduser  ac  an  der  Donau  nordöstlich  von  Ncgotin
  nach  heftiger  Beschießung  besetzt.  Die
Stadt  ist  ron  der  Bevölkerung  geräumt  worden.
  Diese  ist  in  den  rumänischen  Hafenort
Gruja  gefslüchtet.  Radujevac  war  die  serbische
Durchgangsstation  für  die  russischen  Munitionstransporte.
  Die  Stadt  soll  durch  die  Beschiehung
  slark  gelitten  haben.  Auch  in  der  Umgebung
  ron  Negotin  sind  große  Kämpfe  im
Gange.  (3.)
Die  verzweiselte  Lage  der  Serben.

Chiasso,  19.  Okt.  Der  Kriegeberichterstatter
  Magrini  meldet  dem  „Secolo“  aus  Nisch:
Die  Serben  kämpfen  mit  dem  Mut  der  Verzweislung;
  aber  es  ist  unnütz,  sich  Illusionen
zu  machen.  Serbien  wird  vernichtet,  wenn  die
Hilfe  der  Verbündeten  nicht  schleunigst  eintrifft.
Warum  zögern  sie?  Es  ist  unmöglich,  die  tragische
  Angst  dieses  Volles  zu  beschreiren.  Die
Erwartung  ist  fieberhaft.  Jeder  Zweifel,  jeder
Verdacht  löst  Schredensausbrüche  aus.  Die  Augen
  und  die  Sehnsucht  aller  sind  auf  die  Strahe
von  Salonili  gerichtet.  Aber  die  Truppen  der
Verbündelen  erscheinen  noch  nicht.  „Secolo“
nimmt  dieses  Telegramm  zum  Anlab,  nochmals
zu  fragen:  Was  tut  Italien?  Der  Rest  des
Artilels  wurde  aber  rvon  der  ftaliensschen  Zensur
  gestrichen.  (

e

Grensse  16  *  ug

Teter#ung  in  Frankreich.

Gens,  19.  Ost.  Eine  große  Teuerung  der
noturilgen  Lebensmittel  macht  sich,  wie  Meldungen
  aus  derschiedenen  sbangnsh  Provinzstädten
  erkennen  lassen  bemerkbar.

mieren.  Und  ich  hege  die  seste  Ueberzeugung,
daß  Sie  im  reichsten  Maßze  alle  die  Eigenschaften
besitzen,  die  für  lmich  wertooll  sein  würden.

„Wollen  Sie  mir  mitteilen,  welches  dlese
igeisoesten  iein  solllen?“

„Persönlicher  Mut,  physische  Kraft,  ebren
hafte,  zuverlassige  Gesinnung  und  so  viel  soldatiseher
  Geist,  als  erforderlich  ist,  um  einem
großen  und  bedeutsamen  Unternehmen  unter
Einsetzung  aller  Fähigkeilen  und  zugleich  in
williger  Unterordnung  unter  die  einer
nach  militä  rischem  Vorbilde  geregelten  Disziplin
zu  dienen.

„Einem  nternehmen,  das  von  Ihnen  ausgeht,
  Herr  Varon?“

„Sie  wihsn  mich  allerdings  als  Ihren
eigentlichen  Vorgesetzten  anzusehen  haben.  Liegt
darin  vielleicht  etwas,  das  Sie  von  vornherein
abschredt?

Hurchaus-  vichtt-  —  Zumal  ich  ja  nicht
die  Ehre  hab  zu  kennen.  Sie
sehen  mich  —  zur  Faheeuaen.  Vespannt,
etwas  Genaueres  über  die  Natur  des  Unternehmens
  zu  vnerfabren.

delt  sich  um  OIhre  etwaige  Teilne

  *  einer  langeren  Reise  —  einer  zu

senschastiicen  Zwecken  unternommer  Ex·
ition.“

 

     

Hein  borchte  hoch  auf.  Wenn  es  etwas
Verlockendes  für  ihn  gab,  so  war  es  die  Aussicht,
  in  die  weite  Welt  hinausgehen  und  für
eine  Weile  dem  Lande  den  Rücken  kehren  zu
dürsen,  das  ihm  der  Schauplatz  so  bllterer
Lelben  und  so  harter  Enttäuschungen  gewesen
war.  Und  er  war  viel  zu  wenig  Diplomat,  als
daß  er  zu  gverberten  vermocht  hätte,  was  in
ihm  vorgin

—  Forpebileen,  der  deren  Ziel  ein  welt

 

   
 

  

onnerstag,  21.  OFetober  1915

An  vielen  Orten  wurden  Protestversammlungen
abgehalten  und  die  Stadtbehörden  ersucht,  enlweder
  selbst  Mahnahmen  zu  tresfen  oder  bei
der  Regierung  vorstellig  zu  werden,  um  Abbilfe
  zu  schaffen.  Besonders  heiß  scheint  es  in
Caen  hergegangen  zu  sein.  Von  dort  werden
Zusammensiöße  der  Bevöllerung  mit  Lebensmittelverläufern
  gemeldet,  weil  diese  für  Bulter
  und  Eier  zu  hohe  Preise  sorderten.  Die
Hausfrauen  begaben  sich  in  langem  Zuge  vor
das  Bürgermeisteramt,  protestierten  und  forderten
  von  den  Stadtvätern  die  Festsekung  von
Höchstpreisen  für  die  notwendigsten  Lelensmittel.

Die  englische  Mordtat.

Berlin,  19.  Okt.  Zu  der  Meldung  über
die  Ermordung  11  deutscher  Seesoldaten  durch
die  Besahzung  des  englischen  Kriegoschifses  „Baralong“
  bemerlen  die  „Leipziger  N.  Nachrichten“:
  Uns  geht  der  Fall  zunächit  an,  gewiß.
Und  es  wird  gesorgt  werden,  daß  die  Vergelinng
nicht  ausbleibt.  Nan  nannie  einst  in  Deutschland
  die  Hunde  „Melac“,  nach  dem  Namen  dis

Verwüsters  der  Pfalz;  man  wird  die  Keuen
Begleiter  der  Menschen  nicht  durch  den  Namen
„Brite“  schänden.  Seine  Stunde  und  bie  Slunde
aller,  die  seinesgleichen  sind,  wird  schlagen.  Aber

dieses  Bubenstück  geht  noch  andere  an:  Kam
Präsident  Milson,  kann  das  amerikanische  Voll
es  dulden,  daß  unter  seiner  ehrliche:  „vagge
eine  so  greuliche  Mordtat  vollbracht  ###ied:  Daß

englische  Mörder  das  Sternenkanner  shhämen?
Die  Reinheit  der  Flagge  ist  eines  Volles  Ehre
—  darf  die  Flagge  Washingtons,  Lincolns,
Grants  unter  bLene  Nachfolger  mit  dem  Blute
ehrlos  Gemordeter  slraflos  befledt  werden?
Wenn  jemals  eines  grossen  Bolles  Eyre  geschändet
  wurde,  so  hier.  Wird  lein  olympischer
Blitz  rom  Kaxitol  in  Wastiinglon  herniederfahren?
  Nicht  nur  im  Namen  der  beleidigien
Menschheit,  sondem  auch  im  Namen  der  besudelten
  Ehre  des  amerilanischen  Volkes?  Herr
Wilson  hat  das  Wort.

Kriegsbittwallfahrt  in  Wien.

Wien,  19.  Olt.  Unter  Beteiligung  #zehntausender
  sand  eine  von  Kardinal  Pilssl  geführte
  Kriegsbiltprozession  statl,  welche  den
Dank  für  die  bisherigen  Erfolge  aussprechen
und  für  Unsere  Wafsen  den  endgüttigen  glorreichen
  Sieg  herabslehen  soilte.  An  der  imposanten
  Prozession,  die  in  rolllommeniter  Ordnung
  rerlief,  nahmen  u.  a.  teil  die  Erzherzoginnen
  Zita,  Maria  Josesa  und  Maria  Annunziata,
  Prinzessin  Elisabeth  Licchtenttein,  der
Präsident  des  Herrenhauses  Fürn  Windisch
grätz,  Landmarschall  Fürst  viechtemtein  und
Bürgermeister  Weislirchner.  Die  Prozeision  bewegte
  sich  von  der  Votiolirche  durch  die  Hofburg
  zur  Stefanskirche,  wo  Erzherzog  Karl
Franz  Joserh  den  Zug  erwartete.  Die  Mitglieder
  des  Kaiserhauses  wohnten  sodann  ciner  Andacht
  bei,  die  Kardinal  Pissl  im  Dom  abbielt.
Die  eindrudsr  olle  Feier  schloß  ut  dem  Ubsingen
  einer  Strophe  der  Voilehomne,  in  die
alle  Anwesenden  begeistert  einlimmien.  Die  B  e
bölkerung  bereilete  dem  Thronfolger  urs  sei
ner  Gemahlin  sowie  den  übrigen  Mitgliedern
des  Kaiserhauseo  beim  Verlassen  des  Domes
Huldigungen.

Das  neutrale  Amerila.

Berlin,  19.  Okt.  Im  Anschluß  an  den
Fall  Dumba  schreidt  (GG2org  Bernhard  in  der
„Voss.  Ztg.“:  Es  entsle  eht  die  fur,  und  sehr
bedenlsadtch  Frage,  wie  sich  die  Vereinigten
Staaten  eigentlich  unserem  Botschafter  gegenüber
  rerhalten  und  zwar  handelt  es  sich  hier  nicht
um  eine  akademische  Frage,  sondern  um  eine
Angelegenheit  ron  höchster  Aklnalität.  Wir  sind
tatsächlich  bis  zu  dem  Augenblick  noch  ohne  amiliche
  unseres  Votschaflers  über  den

Lölo.  barankht  ein  anderer  Crolen
ist?“  fragte  er  gespannt
Herr  de  Beauregard  niate.

„Ausführlichere  Mitteilungen  über  Zweck
und  Ziel  des  Unternehmens  dürfen  Sie  zumühst
noch  nicht  von  mir  erwarten,“  sagie  er.  „Veun
wir,  wie  ich  hosse,  zu  einer  Verftäur  bigung
gelangen,  werden  Sie  den  Gründen,  die  mich
7  zu  einer  Geheimhaltung  nötigen,  Ihre

nerkennung  nicht  versagen.  Vorerst  handelt
s  sich  ja  auch  darum  sestzuslellen,  ob  Sie  im
Heinzio  genelgt  sein  würden,  meinen  Vorschlag
anzunehmen.  Es  könnte  ia  sein,  daß  Verhältlursse
zwingender  Natur  Ihnen  eine  längere  Abwesenheit
  von  Deutschland  verbielen,  oder  daß
andere  Gründe  haben  mein  Anerbieten

von  Forngein  abzulehne  "“
vollsominen  unabhängig,  Herr
nm  und  kann  gehen,  wohin  es  mir  beliebt.
arf  hinzufügen,  daß  ich  mich  sehr
Jaulc  *rl  dem  Gedanken  einer  Auswanderung
nach  Südasrika  getragen  hatie,  als  mir  jener
Humpendorf  seinen  Engagementsantrag  machte.
r  Richtung  hin  würde  es  also  keine

Bcee  geben.“

„Sehr  wohl!  Käme  also  als  Punkt  zwei
dle  FSrage,  ob  Sie  an  der  Ihnen  zugedachten
Tätigkeit  Gesallen  finden  würden.  b  Sie
Reiter  sind  und  im  Notfall  mit  einer  Schuße
wasse  umzugehen  wissen,  brauche  ich  Sie
nicht  zu  fragen,  da  mir  Herr  Gumpendorf  es“
raten.  hat,  aß  Sie  Offizier  bei  der  Kavallerie

    

are
6  *  hlelt  es  für  angezeigt,  ihn  zu  unterre


 

 

EILAIE

MAMun%