Full text : Königlich-Baierisches Regierungsblatt. 1809. (4)

An  die

Bewohner
des

Inn-Eisack=  und  Etsch-Kreises.

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D.  Mame  „Tireler“  galt  einst  durch  ganz  Europa  als  Bezeichnung,  von  Biederkeit
und  Treue;  der  11.  April  1800  bat  ihn  geschändet.  Eine  Rotte  Rasender  mißbrauch"
h#e  ihn  als  kofungswort  zum  Aufcruhr;  was  seit  1524  nicht  gescheben  war,  die  Fabne  der
Empörung  wurde  geschwungen.  Tückisch  überfielen  sie  die  Krieger  ibres  Königs,  welche,
zum  Schuze  des  Landes  gesandt,  auf  des  Tirolers  Geradheit  vertrauten;  Grausamkelten
  sind  gescheben,  wie  sie  nur  der  wüthende  Wilde  Amerika's  begehr,  und  die  geplünderten
  Häuser,  die  ausgeraubten  Kassen,  die  verschleppten  Gewehre  und  Waffen  enthüllen
die  wahre  Absicht  der  Aufrührer.  —  Fluch  über  die,  welche  diese  Schande  auf  den  in
der  Vor=  und  Mitwelt  geehrten  Namen,  dieses  Unglück  über  das  tand  gebracht  Haben!

Bewohner  von  Südbaiern!  Unaufgefodert  hat  Oesterrrich  diesen  Krieg  begonnen;
es  überschrite  die  Gränzen  von  Baiern  ohne  Kriegserklärung.  Auf  die  Krofte  und  den
Willen  seiner  sigenen  Völker  mißtrauend,  wollte  es  fremde  aufreizen;  den  Krieg,  der
#ühm  den  aus  Unverstand  und  Schwäche  erlittenen  #ánderverlust  ersezen,  der  sein  Ger
biet  selbst  über  die  vorigen  Gränzen  ausdehnen,  der  seine  in  den  vorigen  Zeiten
ober  Fürsten  und  Völker  unter  dem  Titel  der  Kaiserwürde  ausgeübte,  nun  vernichtete
Despotie  wieder  beestellen  sollte,  diesen  Krieg  neunt  es  einen  „beiligen  Krieg,“  unternommen
  zur  Rettung  der  europäischen  Freiheit,  zur  Entfeßlung  der  teutschen  Nation.  Prinzen
  vom  Hause  errötheren  vicht,  Preklamazionen  zu  unterzeichnen,  die  sie  vok  dem
Richterstuble  der  Nachwelt  mit  den  Revoluzious-Maͤnnetn  von  17093  in  eine  Reihe
stellen,  und  Pamphlete,  welche  die  Baierischen  Krieger  zum  Meineide,  das  Baierische  Volk
zur·  Empoͤrung  aufrufen,  wurden  durch  die  Führer  der  österreichischen  Truppen  vertbeilt.
Die  Treue  der  übrigen  Baiern  vermochten,  diese  schändlichen  Insinuczionen  nicht  zu  erschürtern;
  bei  euch  hahen  sie  Eingang  gefunden,  und  das  schrecklichste  aller  Verbrechen,
Austuhr  gegen  die  von  Gott  eingesezte  Obrigkeir,  ist  geschehen.