Metadata : Europäischer Geschichtskalender. Fünfzehnter Jahrgang. 1874. (15)

306

Die  österreichisch-ungarische  Menarchie.

öffentlichen  Feilbietung  und  Verschleuderung  kaum  sich  unterscheidet.  Diese
Güter  wird  nämlich  die  Regierung  nach  Bestätigung  der  Gesetze  in  ihre
Gewalt  bringen  und  sich  das  Recht  und  die  Macht  zuschreiben,  sie  zu  theilen,
  zu  verleihen  und  mit  Steuern  so  zu  verkleinern,  daß  die  armselige
Nußnießung  und  der  Nutzen,  welcher  ihr  übrig  bleibt,  nicht  zur  Ehre  der
Kirche,  sondern  zu  ihrer  Verhöhnung,  und  als  Teckmaniel  der  Ungerechtigkeit
nicht  r  mit  Unrecht  angesehen  wird.

.Da  diese  Gesebe,  über  welche  im  Abgeordnetenhuus  des  österreichischen
Reiches  verhandelt  wird,  so  beschaffen  sind  und  auf  jene  Prinzipien,  welche
Wir  offen  gelegt  haben,  sich  stüben,  so  sind  Euch,  ge  Söhne  und  ehr- 



würdige  Brüder,  die  gegenwärtigen  Gefahren  ohne  Zweifel  klar,  welche  den
Eurer  Wachsamkeit  anvertrauten  Heerden  bevorstehen  Deßhalb  erwecken
und  entflammen  Wir  Eure  oberhirtliche  Wachsamkeit  und  Euren  Eifer,
wovon  ihr  für  das  Haus  Gottes  beseelt  seid,  damit  Ihr  die  Gefahr,  welche
herannaht,  zu  beseitigen  bestrebt  seid.  Fasset  hohen  Muth,  um  den  Eurer
Tugend  würdigen  Kampf  zu  beslehen.  Gewiß  ist  es  Uns,  daß  Ihr  weder
an  Muth  noch  an  Kraft  geringer  sein  werdet,  als  jene  ehrwürdigen
Brüder,  welche  ander  swo  unter  den  bittersten  Beschwernissen  für  diese  Freiheit
  der  Kirche  durch  Schmähungen  und  Trübsale  zum  Schauspiel  geworden.
  nicht  allein  den  Raub  ihrer  Güter  mit  Freude  ertragen,  sondern  auch
in  Ketten  den  Kampf  der  Leiden  bestehen.  Uebrigens  ist  alle  Hoffnung
nicht  auf  Unsere  Kräfte,  sondern  auf  Gott  beieh.  Es  handelt  sich  eben  um
die  Sache  Gottes,  welcher  durch  en  unieh  lbaren  Ausspruch  Uns  F  tt
und  ausfgerichtet  hat:  &  0  Welt  werdet  Ihr  Bedrängniß  haben,
vertrauet,  ich  habe  die  Wele  bewundenk.  Da  Ihr  Euch  aber  bestreben
müßt,  den  drohenden  Gefahren  durch  Eure  Autorität,  Klugheit  und  Eifer
vorhubengen,  so  werdet  Ihr  einsehen,  daß  nichts  zweckmäßiger  und  nüglicher
l  wird,  als  in  gemeinsamer  Berathung  die  geeigneten  Wege  zu  suchen,
un  das  erwünschte  Ziel  desto  sicherer  und  wirksamer  zu  erreichen.  Während
die  Rechte  der  Kirche  angegriffen  werden,  vis  es  Eure  Pflicht,  die  Gläubigen
zu  schützen;  desto  zuverlässiger  aber  wird  die  Schuhmaner  sein  und  desto
kräftiger  die  Vertheidigung,  je  einmüthiger  und  geeinigter  die  Bestrebungen
  der  Einzelnen  wirken  werden,  und  je  eifriger  das  von  der  Sachlage  geforderte
  BVorgehen  vorgesorgt  und  bestimmt  sein  wird.  Dehhalb  ermahnen
wir  Euch,  möglichst  bald  zusammen  zukommen  und  nach  gemeinsamer
  Berathung  eine  sichere  und  %“  alllen  genehmigte
  Richtschnur  aufzustellen,  der  gemäß  J  e  es  Euer  Amt
erfordert,  einmüthig  die  drohenden  Uebel  bekämpfen  ior  bie  Freiheit  der
surche  #kbeftig  schützen  werdet.  Deßhalb  mußtet  Ihr  von  Uns  ermahnt  werden,
  damit  Wir  in  einer  so  wichtigen  Angelegenheit  Unsere  Pflicht  nicht
de  zu  haben  scheinen.  Denn  Wir  sind  überzeugt,  daß  Ihr  auch
ohne  diese  Unsere  Ermahnung  dies  gethan  balen  wolliert.  Auch  haben  Wir
noch  die  Hoffnung  nicht  auseber  daß  Gott  die  vorhandenen  Uebel  abwenden
  wird.  Deun  es  ermuthigt  Uns  zu  guter  Hoffnung  die  Ergebenheit
  und  der  Glaube  Unseres  geliebtesten  Sohnes  in  Christo,  des  Kaisers
und  Königs  Franz  Joseph,  den  Wir  in  einem  neuen  Schreiben  vom  heutigen
  Tage  dringent  beschworen  haben,  Er  möge  niemals  erlauben,  daß  in
Seinem  weiten  Reiche  die  Kirche  einer  schmachvollen  Knechtschaft  und  Seine
kuthollsche  Unterthauen  den  schwersten  Bedrängnissen  unterworfen  werden.
Da  jedoch  VBiele  gegen  die  Kirche  anstürmen  und  jeder  Verzug  bochst
geelrhan-  ist,  so  dürft  Ihr  am  Wenigsten  in  Ruhe  verharren.  Möge  G
Eure  Entschließungen  leiten  und  Euch  mit  Seinem  mächtigen  Schutz  *
stützen,  damit  Ihr  glücklich  zu  beschließen  und  zu  Stande  zu  bringen  ver-Woaet.
  was  dem  Ruhme  Seines  Namens  und  dem  Peil  der  Seelen  dient.
Zeichen  dieses  göttlichen  Schutzes  und  Unseres  besonderen  Wohlwollens
Fetheilen  Wir  Euch  Allen  und  Einzeln,  geliebte  Söhne  und  ehrwürdige