Full text : Leitfaden für das Preußische Jäger- und Förster-Examen.

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8  102.
b.  Beurtheilung  nach  der  Nodenskora.

In  gewisser  Weise  läßt  sich  die  Bodengüte  nach  den  Pflanzen
beurtheilen,  jedoch  nur  unter  Berücksichtigung  der  anderen  Einflüsse  auf
den  Pflanzenwuchs  als  Lage,  Klima,  Bewirthschaftungsart  2c.  Sind
diese  günstig,  so  wird  ein  schlechterer  Boden  besser  produciren  und  umgekehrt.
  Es  ist  hier  also  eine  gewisse  Vorsicht  nöthig.

Nichts  desto  weniger  sollen  einige  Pflanzen  aufgezählt  werden,
welche  meist  für  charakteristisch  gelten:

1.  Kalkpflanzen.  Viele  Orchideen  und  Anemonenarten,  Klee,  Wicke.

2.  Sandpflanzen:  Haidekraut,  Heidelbeere  und  Angergräser,  Aira
canescens  und  flexuosa.  Sandhafer  ausf  Dünen  (Elymus  arenarius),  Carex-Arten,
  See-Kreuzdorn  (Hippôphaöb  rhamnéides);  hierher  gehört  auch,  besonders
  auf  Kieselboden,  die  Preißelbeere,  der  Besenpfriem  und  Ginster.

3.  Lehm=  und  Thonboden:  Besonders  gute  Grasarten  (Anthoxantum
odoratum,  Holcus  mollis,  Avena  pratensis,  Aira  caespituosa  etc.).

4.  Sehr  humosen  Boden  zeigen  an:  Brennnessel,  Distel,  Sauerklee,
  Kreuzkraut.  Im  Halbschatten  in  sich  zersetzender  Bodendecke:
Himbeere,  Fingerhut  2c.

5.  Auf  frischen  Schlägen  (ohne  Schatten):  Storchschnabel,  Kreuzkraut,
  Fingerhut,  Brombeere.

6.  Torfboden:  Sumpfheide,  Rauschbeere,  Sumpfheidelbeere,  Sumpfdotterblume,
  Wollgras  (Eriöphorum  vaginätum).

7.  Auf  nassem  und  saurem  Boden:  Binsen,  Riedgräser,  Schilfe,
Schafthalme  und  die  Sumpfmoose  (Equisétum,  Sphägnum).

II.  Die  Lehre  vom  Klima.
§  103.

Unter  „Klima“  verstehen  wir  die  Gesammtwirkung  aller  in  der
Atmosphäre  vorgehenden  Witterungserscheinungen,  wie  Frost  und  Hitze,
Regen  und  Schnee,  Thau  und  Reif,  Sturm  und  Gewitter  2c.  Die  Lehre
vom  Klima  erklärt  uns  die  Witterungserscheinungen  und  ihren  Einfluß

auf  den  Wald.
8  104.

Die  atmosphärische  Lust.
Die  Luft  ist  stets  in  demselben  Verhältniß  aus  den  beiden  Ur—
stoffen,  Sauerstoff  und  Stickstoff  in  mechanischer  (nicht  chemischer)
Mengung,  zusammengesetzt,  und  zwar  stets  aus  etwa  1  Sauerstoff