Die Firrrrichisch-ungerischr Monarchic. (Juni 22.) 123
daß es bei einigem guten Willen gelingen werde, eine ersprießliche Zusammenarbeit
im Interesse des Landes und der Wahrung der Ordnung
und Ruhe desselben zu sichern. Zu seinem größten Bedauern mußte er in
der Rede des Ministerpräsidenten eine entschiedene Zurückweisung jener
ungqualifizierbaren Angriffe vermissen, die im österr. Reichsrate gegen die
Integrität des ung. Staates und seine im Rahmen der Monarchie eingenommene
paritätische Stellung gerichtet wurden. Er glaube, der Ansicht
des ganzen Hauses Ausdruck zu verleihen, wenn er aufs entschiedenste
gegen alle derartigen Uebergriffe Verwahrung einlege.
Abg. Samuel Bakonyi (Ver. Unabh.) erklärt, seine Partei werde bei
unverändertem Festhalten an ihren Prinzipien die Regierung unterstützen,
damit endlich das allgemeine Wahlrecht ins Leben gerufen werde.
Abg. Graf Theodor Pejacsevich (Kroate) führt aus, mit dem Amtsantritt
des jetzigen Ministerpräsidenten, der die Demokratisierung des öffentlichen
Lebens Ungarns inaugurieren will, sei eine sehr erfreuliche Tatsache
geschaffen. Die Ernennung einer nicht nach Kroatien-Slawonien-Dalmatien
zuständigen Persönlichkeit an die Spitze des kroatischen Ministeriums müsse
jedoch dem Vertrauen auf die neue Regierung Abbruch tun.
Abg. Graf Julius Andrassy (Verf.) erklärt, seine Partei werde die
Regierung mit ganzer Kraft unterstützen. In bezug auf das Wahlrecht
führt er aus, dab alles angewendet werden müsse, damit diese hochwichtige
Frage endgültig erledigt werde. Nur ein solches Wahlrecht entspreche den
Wünschen der Nation, den Anforderungen des Staates und dem Zeitgeiste,
welches den breitesten Volksschichten ein Recht zur Mitbestimmung sichert.
Am 22. erklärt Graf Michael Karolyi, es sei für ihn und seine
Partei eine moralische Pflicht, diese Regierung, die im Zeichen der Demokratie
die Leitung der Staatsgeschäfte übernommen habe, mit aller Kraft
zu unterstützen. Die Wahlreform müsse noch vor dem hoffentlich baldigen
Friedensschlusse unter Dach gebracht werden. Innerhalb der Schanzen der
Verfassung müßten die weitesten Schichten des Volkes Aufnahme finden.
Es gelte Schaffung eines neuen Ungarn. Den dauernden Frieden könne
nur die Miteinbeziehung einer großen Menge Männer und Frauen in das
staatsrechtliche Leben in genügender Weise sichern. Er empfehle das Stimmenrecht
der Frauen, denn er sei überzeugt, daß die Regierung in dieser Beziehung
keinerlei prinzipielle Schwierigkeiten erblicke. Es sei dies eine wichtige
aktuelle Frage, die heute gewürdigt werden müsse.
Abg. Stephan Pop (Rum.) begrüßt die neue Regierung und hofft,
daß die ungarländischen Rumänen, die tapfer das Vaterland verteidigten
und ihr Leben für Thron und Vaterland einsetzten, nunmehr aus der
jahrhundertelangen Unterdrückung befreit werden. (Diese Worte rufen auf
allen Seiten des Hauses lebhafte Entrüstung hervor.)
Auch die Vertreter der kleineren Parteien sichern der Regierung vollste
Unterstützung zu.
22. Juni. Schluß der Zeichnung auf die 6. österr. Kriegsanleihe.
Laut amtl. Bekanntgabe betragen die Barzeichnungen 5 1890660000 Kr.,
wovon auf die amortisable Staatsanleihe 2620000000 Kr. und auf die
Schapscheine 2569066000 Kr. entfallen. (Ueber die Ergebnisse der früheren
Anleihen s. S. 8.)
22. Juni. Entschließung des Deutschen Nationalverbandes.
Der Deutsche Nationalverband nimmt in einer Vollversammlung
folgenden von Abg. Dr. Steinwender vertretenen Antrag einstimmig
an: Die Bereinigung der nichtdeutschen Parteien macht es allen Deutschen
ohne Unterschied der Partei zur Pflicht, sich zusammenzuschließen. Gemein-