Metadata : Der Weltbrand. Deutschlands Tragödie 1914-1918. Zweiter Band. (2)

Mangelte  es  den  Mehcheitspartelen  an  kraftvollem  Natlonalgefühl,  so  den
Rechteparteien  an  Derständnie  für  die  ldealen  —  Motioe,  die  den  Forderungen
der  parlamentaristisch,  soziallstisch,  sa  selbst  der  kommunistisch  gestimmten  Volketeile
  zugrunde  lagen.  Sie  sahen  drüben  nur  das  Streben  nach  Zertrümmerung
jeder  Autorltät  und  Ordnung,  jüdische  Verhetzung,  marklosen  Internationaliemue,
  felgen  Oefaitiomus.  Als  einzige  Rettung  verlangten  sie  die  „Diktatur
des  starken  Maonnes“,  der  alle  ihnen  unbequemen  politischen  Strebungen  mit
gepanzerter  Hand  unterdrücken  und  die  ganze  Nation  zu  verzweifeltem  Widerstand
  anspornen  sollte.

Es  ist  grauenvoll,  in  den  Wust  der  Selbstzerfleisch  binel  zu  mussen
die  das  Ubermaß  der  Prüfung  im  Verband  einer  Nation  anssaris  die  noch
keine  Nation  geworden  war.  Es  ist  zu  begreifen,  daß  die  Außenwelt,  daß  der
Feind  fast  völllg  verständnislos  dies  Schauspiel  anstaunte,  wie  die  Deutschen,
dle  vier  Jahre  lang  in  beisplelloser  Geschlossenhelt  der  Welt  Zähne  und  Klauen
gezeigt,  jetzt  plötzlich  mit  von  Tag  zu  Tag  wachsendem  Grimm  sich  in  inneren
Hader  verbissen.  Dle  deutsche  „Mentalität“  war  für  die  national  reif  gewordenen
Völker  stete  ein  unhelmliches  Rätsel  gewesen.  Solange  ibr  die  Macht  zur  Seite
gestanden,  hatte  die  ganze  Welt  uns  mit  Haß  und  Grauen  betrachtet  —  jetzt
verzogen  sich  die  wutbebenden  Lippen  unserer  Feinde  immer  erkenndarer  zu
einem  Grinsen  des  Hohnee  und  des  Trlumphe.  „On  les  aural“  gellte  der  frauzöslsche
  Kampfruf  —  „wir  kelegen  sie!“

In  elner  belagerten  Festung  kommt  es  immer  auf  dle  Standfestigkeit
zweler  Elemente  on—der  Bürgerschaft  —  und  der  Besatzung.  Zn  der  gewaltigen
Feste  des  Vlerbundee  geschah  es  also,  daß  längst  vor  der  Besatzung  —  die  Bürgerschaft
  ermattete.  Die  Besatzung  hielt  noch  lange.

Das  Heer  kämpfte  und  litt  —  die  Heimat  verzagte  und  zerrüttete  sich  im
Kampf  aller  gegen  alle.

2.

Ein  Trost  nur  bietet  sich  dem  nachprüfenden  Blick  —ein  sehr  bitterer  Crost
aber  doch  eln  Trost:

Auch  das  größte  Heldentum  der  Heimat  ein  Heldentum,  zu  dessen  Entfaltung
  sie  aus  tausend  Gründen  der  Vergangenbelt  und  Gegenwart,  aus
Eründen,  dle  zum  Teil  aus  Zahrzehnte  und  Jahrhunderte  zurückliegenden
Entwicklungsfehlern  stammten,  gar  nicht  mehr  fähig  war  —  unsere  milltärische
Lage  hätte  es  nicht  retten,  unser  Unterliegen  höchstens  noch  um  Wochen  verschleben
  können.  Noch  zwel-  oder  dreihunderttausend  Mann  mehr  hätten  sich
vielleicht  bei  schärferem  Zufassen  aus  allen  Ecken  und  Winkeln  Deutschlande
zusammenkehren  lassen.  Das  entsprach  dem  amerikanischen  Zuwachs  eines
einzigen  Monate  —  an  Zahl,  niemale  an  Wert.  Nein  —  wir  waren  am
Ende  unserer  Kräfte  —  auch  ohne  Umsturz.

Die  wunderbare  Zählgkelt,  mit  der  die  deutsche  Armee  ihre  fünf  gewaltigen
Schlachten  geschlagen  und  dann,  bewundernswürdiger  noch,  ihren  Rückzug  zur
Beele  durchgeführt  hatte,  verschlelerte  dem  Generalissimus  der  Entente  so  gut
wie  der  deutschen  O.  H.  L.  noch  die  ganze  Schwere  ihrer  Ermattung.  Dennoch:

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