Full text : Briefe und Akten zur Geschichte des Dreissigjährigen Krieges. Neunter Band. (9)

320—321.  1611  151

320.  Melchior  Khlesl  an  Erzherzog  Maximilian.  August16.

...,„Der  accordo  ist  geschlossen.!  E.  D.!  müesten  lachen  bey
allem  verdruss.  Heut  do  I.  M.!  vndterschreiben  soll,  beruffen  dieselb
ausser  Praunschweig  ire  räth  vnd  beschwören  dieselb  wie  ein  bsessnen,
ob  sy  es  rathen?  Da  sagen  sy  alle:  ja.  Nach  disem  schickhen  sy
zu  Praunschweig  ad  partem,  der  bstettigts  auch.  Dan  schickht  man
nach  dem  Baruitio,  der  stimbt  den  andern  zu.  Weil  aber  der  von
Tona  ?2  im  pedt,  müessen  sy  alle  zu  im  ghehen  vnd  de  nouo  ein  berathschlagung
  anstellen.  Idem  dicunt  omnes.  Do  man  I.  M.!  dises
referiert,  nemen  sy  mit  ghar  grossen  seufzen  die  federn  vnd  vndterschreiben.
  Wo  es  also  zueghehet,  alda  ist  schwär  zu  halten.  Wie
khumbt  aber  das  guet  disen  hern  so  schwär  an  vnd  doch  wil  auch
das  böse  alda  entlich  khainen  fortgang  haben!  Datum  in  eil  den
16.  augusti  a.  1611.“

Nachschrift:  ,‚‚Hab  mit  diser  gueten  zeitung  den  canzleischreiber
das  pottenbrott  wöllen  gewingen  lassen.  Wo  bleibt  aber  mein  podtenbrot?
  Bey  Got  in  himel,  hoff  ich.“

Ib.,  Ambraser  Akten,  Missiven  vom  August  1611,  no.  86;  Or.  eigh.

321.  Die  bambergischen  Untertanen  evangelischenäugustik.
Bekenntnisses  der  Aomter  Burgkundstadt,  Lichtenfels
und  Weissmain  an  die  Unionsstände  zu  Rotenburg.

Der  jetzt  regierende  Bischof  von  Bamberg?  und  dessen  Abt  zu
Langheim  wollen  uns,  die  wir  seit  mehr  als  siebzig  Jahren  die  freie
Uebung  des  evangelischen  Bekenntnisses  inne  haben,  mit  Gewalt  zum
römisch-katholischen  Glauben  zwingen.  Wir  haben  diesen  Gewissenszwang
  beim  Kammergericht  geklagt,  ohne  dass  uns  mit  den  erbetenen
Mandaten  und  Prozessen  geholfen  wird,  da  die  evangelischen  Beisitzer
von  den  katholischen  überstimmt  werden,  während  früher,  „ehe  die
jesuitische  rotte  so  sehr  in  Teutschland  eingewurzelt,‘‘  den  wegen
ihres  Bekenntnisses  bedrängten  Evangelischen  „behägliche“  Prozesse

handeln,  damit  der  Braunschweiger  behindert  und  schliesslich  ganz  beseitigt
werde.  Es  planeten  auch  die  zu  Rotenburg  versammelten  Unierten,  ihre
Religion  in  den  Stiftern  und  allenthalben  im  Reich  einzuführen  und  beim
nächsten  Reichstag  alles  nach  ihrem  Willen  zu  richten.  Die  Katholischen  achteten
aber  darauf  eo  lange  nicht,  bis  man  der  Gefahr  nicht  mehr  begegnen  könne.
Der  Papst  möge  auch  hierin  durch  seine  Autorität  Rat  schaffen,  da  bei
diesen  Zuständen  sein  Einfluss  in  Deutschland  auf  dem  Spiele  stehe  (Ma.,
427,10,  f.  45;  deutsches  Kpt.  von  Donnersberg  mit  Zusätzen  Jochere.

ı  Vgl.  no.  318,

?  Abrabam  von  Dohna,  Präsident  der  böhmischen  Hofkammer.

®  Johann  Gottfried  von  Aschhausen,  seit  1609  Bischof  von  Bamberg;
vgl.  über  ihn  Heinrich  Weber,  Johann  Gottfried  von  Aschhausen,  Würzburg
1889,  und  A.  Steinbuber,  Geschichte  des  Collegium  Germanicum,  IL,
Freiburg  1895,  8.  366  f.