831 Mistbahre — Mistel.
ahd. mhd. mit zerrüttetem Stamme mist, als Zustandsund
Thätigkeitsbildung gehörig zu dem altnord. miga,
altengl. migan harnen, urverwandt zu lat. mingerc,
griech. omiebeln gleicher Bed., auch zu griech, omichlé,
altslav. migla Nebel, welches auf der aus der ersteren
Bed. geflossenen Vorstellung des Regnens, sich Ergießens
fußt; in ältester Bed. — tierischer oder menschlicher Kot:
stercus mist, kat, dreck Dasypodins; den farren
mit seinem sell, fleisch und mist 3. Mos. 8, 17; jren
cigen mist fressen und jren harm saufen 2. Kön. 18,27;
Unrat überhaupt: waz ist der lip dan ein mist, sõ in
diu sele gelät? Lamprecht Tocht. Syon 2334; müssen
auf dem felde ligen, und zu mist werden Jer. 25, 33;
wenn jener käfer, den wir alle kennen, auch den mist
aus den perlen stört Schiller Ränb., 2. Vorrede;
Dünger: wie der mist auf dem felde Jer. 9, 22; stroh
zu mist machen Adelung; mist laden, führen, auf
das feld schaffen; Düngerhaufen: (dummgewordenes
Salz) ist weder auf das land, noch in den mist nütze
Luc. 15, 35; unsre mädehen, unsre bübchen Spielen
künftig auf dem mist Goethe Mus. u. Grazien in der
Mark; der hahn kräht auf dem mist; in derben Bildern
für Unreines, Unflätiges, Nichtswürdiges: ich hab nichts
mit dem mist zu schaffen Goethe Pater Brey; in
burschikoser Rede mist reden, schwatzen, ganz Ungereimtes;
wie stank der alte mist! (die alten Sünden)
Bürger Frau Schnips; an den Dünger und Düngerhaufen
angelehnt, sprichwörtlich: des berrn auge ist der
beste mist auf dem acker Schottel 1141b; auf seinen
mist scharren, für feinen Vorteil sorgen; bauer, bleib
auf deinem miste, bekümmere dich um deine Angelegenheiten;
nicht auf deinem miste gewachsen, nicht dein
Eigentum oder Erfindung: einfälle, die auf seinem
miste nicht gewachsen waren Lessing j. Gel. 1, 6; im
16. 17. Ih. eine Redensart nicht viel, nicht lange mist
machen, keine großen Umstände, sich nicht lange aufhalten;
allda macht es nicht lang mist, sonder nam
seinen weg herausz Garg. 197; mache nicht viel
mists allbier Philander 1, 389; — nach der niederd.
niederl. Bed. von mist — Nebel hat Opitz das Wort
gebraucht: der wolken dunst und schwarze mist Hugo
Grotius' Wahrheit 307. — Zusammensetzungen: Mistbahre,
k. Gerät zum Tragen des Mistes, in älterer Form
mistberc, mhd. mistber: auf mistberen Garg. 99; man
bringt jhn auf der mistbärn 161; mistbahr, crates
akercorania Stieler. — Mistbect, n. Beet von guter
Erde, mit Mist versetzt, zur früben Hervorbringung von
Pflanzen; früher mistbeit oec. Lex. 1623 neben mistbeet
(vgl. bett a. E.). — Mistfink, -finke, m. Name des Bergoder
Winterfinken; Schimpfname für einen schmutzigen
oder schäbigen Menschen: mistänke Frisch; der mistfink!
für dic stute sechsundzwanzig pistolen haben zu
wollen! Immermann Münchh. 1, 131; für einen Arzt:
keinen solchen griechischen mistänken Rabener 3, 111.
mistlink heißt auch die Pflanze Löwenzahn. — Mistgabel,
k. Gabel zum Mistladen: copmi. mistgabel
Dief.; nimm die mistgabel zur hand (werde Baner)
Lenz Hofmeister 3, 1; als Bauerwaffe: die den herren
Von ihrer partei mit knitteln, mistgabeln zu hulfe
kommen wollten Wieland Abd. 4, 8. — Mistgrube, k.
Grube für den Mist. — Misthaufen, m. Haufen Mistes.
—. Mistjauche, f. Janche, die vom Mist abfließt. —
Mistläfer, m. Name mehrerer im Miste lebender Käfer.
— Mistlache, k. Lache, Pfütze, die sich um Mist bildet. —
Mistladen, n. Aufladen des Mistes für Düngung des
Feldes: mistladen ist nothwendig, denn sonst hötten
vir kein brod Weiße kom. Op. 3, 166. — Mistpfütze, k.
Mistlache. — Misttrage, k. Mistbahre. — Mistwagen, m.
Wagen zur Abfuhr des Mistes.
Mistel, m. k. Name der auf Bäumen wachsenden
Schmarotzerpflanze usc gemeingerm. Wort dunller
Herkunft, in alter Spr. Masc., goth. nicht nachgewiesen,
832
altnord. mistill (nur in der Zusammensetzung mistiltein),
altengl. mistel, ahd. mistil. mhd. mistel; masculinen
Geschlechts auch im älteren Nhd., erst seit 18. Ih. Fem.:
der mistel, den man zur arznei brauchen wil oec. Lex.
625, neben: diese mistel ebb.; die mistel, wuchernd
an der eiche Lenau 515; zum Zauber gebraucht: das
orakel der eichenmistel Wieland Amad. 3, 2; — mistel
bisweilen für mispel, s. dort. — misten, Mist auf Acker
führen, düngen, ahd. miston, mhd. misten: simare,
stercorare, misten, bemisten, bawen Dief.; äcker,
felder, saat misten; im herbst kann man dann das
korn desto bräver misten JGotthelf Schuldenb. 110;
— Mist aus dem Stalle führen, den Stall reinigen:
einen stall misten; Herkules . als er dem Augias den
marmorstall gemistet Wieland Ob. 3, 29; schweizerisch
mit dem Dat. des Tieres, dem es geschieht: wenn man
der geisz mistet JGotthelf Schuldenb. 75; vgl. ausmisten;
— von Tieren, Mist, Kot lassen: sorget er, sie
(eine Schwalbe) würde jm auf dem heubt nisten und
misten Luther 8, 256:.
Mit, Adv. und Präposition zur Bezeichnung einer
Begleitung oder eines Mittels; gemeingerm. Wort, goth.
mip, altnord. med, altengl. mid, in Sonderung der
Form des Adv. von der der Präp. altfächs. midi gegen
mid, ahd. miti gegen mit. mhd. mite gegen mit; wovon
noch im ältern Nhd. Reste in der adverbialen Form
mitte dauern: der ich itzt vor andern allen sollte
mitte frölich sein Fleming 392; bei Logau miete:
wer es nicht wil miete sein 2, 154, 79; urverwandt zu
griech. metä, mit, zwischen, unter; ursprünglich nur mit
dem Begriffe der Vereinigung und des Dabeiseins, da
der des Mittels sich erst später entfaltet hat. 1) Adverbium,
zum Ausdruck der Gesellschaft, Gleichzeitigkeit:
wir kommen auch mit; er schrieb zugleich mit; er war
mit der beste schuler in der klasse; in Zusammenrückungen
mithin, mitunter (s. d.); in den Verbindungen
da-, hier-, womit (s. d.), bezogen auf Gegenstände, wofür
auch einfaches mit stehen kann, neuer nur nicht mehr
in sorgfältiger Rede: (denen die) sich schemeten im
reden, pflegt er zu sagen: herausz mit! Zinkgref
1, 222; wir hatten nun schon so eine masse zusammengebracht,
dasz wir nicht wuszten, wo mit bin
Goethe Wanderj. 2, 12; bei Bezeichnung eines Mittels,
Grundes: so riel schifern, dasz man ein tach mit
deeken könte Schuppius 532; die alten lieser
heut zu tage lacht man einen mit aus d. junge Goethe
3, 560 (Clandine, 1. Fassung); in loferer oder festerer
Verbindung mit Verben und Snbstantiven f. unten 3
und an alphabetischer Stelle; in Fügungen mit Hilfsverben,
mit wollen, mit sollen; mit mus er Schiller
Kab. 5, 7; lasz uns auch mit H Sachs Fastn. Sp. 5, 23;
anffordernd: mit. mit zum brautgclage" Bürger Lenore.
2) Präposition mit dem Dat. (mit Acc. nur mundartlich),
zur Bezeichnung einer Gemeinschaft, Verbundenheit,
Begleitung: mit einem gehen, kommen, arbeiten,
zu thun haben, streiten, zanken; in Wunschformeln
mit gottl; mit gottes hulfe; gott mit uns, u. a.; verblaßt
zur bloßen Angabe der Beziehung einer Person:
wie steht es mit uns?; es ist eine not mit ihm; bin
weg mit solchem von der erden Ap. Gesch. 22, 22; binaus
mit dem, der ctwas übel nimmt! Goethe Fanst ;
es sicht leiler mit den meisten verbindungen gar
miszlich aus W. Meister 7, 6; was giebts mit dem bauer
da?" Schiller Wallenst. Lager 11, u. a.; einer Sache:
s ist vergebens mit unserm thun und machen P Gerhard
19; mit einer arbeit fertig, mit einer sache vertraut
werden, es mit dem schreiben eilig haben, mit
der sprache herausrucken, u. s. w.; Art und Weise
bervorhebend: er sagt mit recht, mit unrecht; mit geduld
etwas ertragen; mit ruhe dem kommenden entgegen
schen; las sie mit frieden Joh. 12, 7; in Formeln:
einem mit kurzem, mit mehrerem etwas auseinander
misten — mit.