Full text : Kumbuke. Erlebnisse eines Arztes in Deutsch-Ostafrika.

Ein  seltsamer  Balzgesang  379

gesang  eines  Vogels  nennen,  der  je  mein  Ohr  berührt  hat.  Diese
Musik  weckte  uns  nun  allmorgens  und  ward  allmählich  dem  Inventar
  des  Stabes  zugezählt,  genau  wie  Majuma,  die  schwanzwackelnde
  Stabsente,  und  genau  wie  Max,  der  Bop  mit  dem
Sundsaffengesicht,  welcher  mit  den  Sultanssöhnen  hinter  einem
roten  Termitenhaufen  hauste.

Zum  Ugeta,  der  hier  tief  und  schmal  war,  führten  breite  Wildwechsel
  und  eine  ganze  Allee  riesiger  Elefantenfährten.  Wir  fischten
  dicke  Welse  aus  dem  Fluß,  den  ein  schmaler  Galeriewaldsaum
umschattete.  Man  durfte  aus  dem  dreisten  Benehmen  der  zahlreichen
  Löwen  entnehmen,  daß  sie  sich  hier  bisher  als  wahre
Rönige  gefühlt  hatten.  Rein  Wunder;  wir  saßen  ja  im  Wildschutzgebiet.
  Die  Rameraden  eines  benachbarten  Lagers  wagten  nicht,
nachts  ohne  Gewehr  zu  ihrem  einige  Meter  entfernten  Abort  zu
gehen:  die  Zöwen  umbrüllten  die  Grasbanden  und  schlichen  zwischen

  ihnen  durch.

„Barbarossa“  stand  im  Gummi  und  lauerte.  Als  die  Rnallerei
zu  Ende  war,  stürmten  Europäer  und  Askari  vor  und  fielen  über
die  ODroviantkisten  eines  erbeuteten  Wagens  her.  Sei,  mit  welcher
Wollust  wühlten  da  die  Askari  in  den  vielen  kleinen  Tins:  die
Beute  war  ja  vogelfrei.  Der  Rotbart  machte  einige  Schritte  zur
Straße.  Seine  Finger  strichen  durch  den  gewaltigen,  suchsroten
Dollbart:  „Mkohols“  „Nein,  Serr  Gberleutnant.“  „Rehrt  marsch!“
Was  bedeuteten  seiner  erpichten  Zehle,  die  nun  schon  seit  Monaten
sich  basteien  mußte,  die  labbrigen  Jams  oder  KRonfekt?  Daraus
machte  er  sich  ebenso  wenig  wie  der  Fuchs  aus  Rartoffeln.

Die  Beobachtung  übrigens,  daß  sämtliche  ausgesprochenen  Alkoholverehrer
  entgegen  allen  Hrophezeiungen  und  Erwartungen  in
der  aufgezwungenen,  langen  zeit  völliger  Entsagung  sich  in  Gefecht,
  Gesundheit,  Stimmung  glänzend  hielten,  ganz  und  gar  nicht
mit  den  Uerven  zusammenklappten,  wurde  für  uns  zu  einer  ebenso
erfreulichen  wie  überraschenden  Erfahrung.  Aber  der  Trieg  ist  ja
der  Vater  aller  Ueberraschungen.  Erstaunlich  geradezu  war  die
starke  Zahl  guter  Soldaten  unter  den  Bacchusjüngern.  Oielleicht
mag  als  Erklärung  hierzu  der  Sinweis  erlaubt  sein,  daß  am
Aequator  gern  und  ungestraft  wohl  nur  der  tief  ins  Glas  schauen
darf,  dem  das  Bewußtsein  seiner  Hollwertigkeit  dazu  den  Antrieb
  gibt.

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