Metadata : Lehrbuch der bayerischen Geschichte.

208  Bayern-München  unter  Albrecht  III,  d.  Frommen.

Albrecht  III  nach  dem  Willen  seines  Vaters  mit  Anna,  des
Herzogs  Erich  I  von  Braunschweig-Grubenhagen  Tochter,
und  hielt  mit  dem  Vater  Frieden  bis  zu  dessen  Tod  1438.  Albrechts
  Mutter,  Elisabeth,  des  Barnaba  Visconti  von  Mailand
  Tochter,  war  schon  1432  gestorben.

84.  Auf  Herzog  Ernst  folgte  in  der  Regierung  Bayern-Münchens
  dessen  Sohn  Albrecht  III,  der  Fromme  (1438
—1460).  Von  der  hochherzigen  Gesinnung,  die  ihm  eigen  war,
gab  er  ein  glänzendes  Zeugniß,  als  ihm  die  Böhmen  nach  dem
Tode  des  deutschen  Königs  Albrecht  II  (1438—1439)  ihre
Krone  antrugen,  obschon  ein  unmündiger  Sohn  des  Königs,
Wladislav  IV  (1I),  Posthumus,  vorhanden  war.  Er  schlug
die  Krone  edelmüthig  aus  mit  den  Worten:  „Billig  ist's,
Waisen  zu  beschützen,  nicht  sie  zu  berauben.“  Für
das  Wohl  seines  Landes  sorgte  er  mit  wahrhaft  väterlicher  Sorgfalt
  durch  Anwendung  aller  ihm  zu  Gebot  stehenden  Mittel.

Er  gab  die  wohlhtätigsten  Verordnungen  nicht  blos  für  Rechtspflege
  und  Verwaltung,  sondern  auch  für  bürgerliche
Zucht  und  Ehrbarkeit,  sowie  über  Einführung  gleichen
Maaßes  und  Gewichtes,  über  Zoll  und  Markt,  und  verjagte
  1442  die  Juden  aus  München.  Die  Ritter,  welche
gegen  die  Landleute  sich  Bedrückungen  erlaubten,  ließ  er  die  ganze
Strenge  der  Gesetze  fühlen  und  führte,  um  seinen  Drohungen
Nachdruck  geben  zu  können,  die  sogenannten  Landsknechte  (servi
provincic#,  in  jeder  Grafschaft  einen  Mann  auf  400  Seelen)
ein  —  der  Anfang  des  stehenden  Heeres  in  Bayern.  Um  die
Zucht  unter  den  Geistlichen  in  und  außer  den  Klöstern  wieder  herzustellen,
  ließ  er  1451  durch  den  großen  Cardinal  Nikolaus  Cusa
Visitationen  vornehmen  und  die  nöthigen  Reformen  durchführen.

Er  selbst  ging  seinem  Volke  in  allen  Andachtsübungen  musterhaft
  voran,  machte  viele  fromme  Stiftungen,  darunter  (1453)
die  des  Benediktiner-Klosters  auf  dem  hl.  Berg  Andechs,
und  hat  so  im  Munde  des  Volkes  den  Beinamen  „der  Fromme“
erhalten.  Sein  größtes  Verdienst  erwarb  er  sich  kurz  vor  seinem
Hinscheiden  durch  die  kluge  Verordnung,  daß  seine  Söhne  nie
theilen,  sondern  daß  immer  die  zwei  ältesten  gemeinsam
  regieren,  die  übrigen  mit  den  ihnen  zugewiesenen
  Gütern  und  Einkünften  ohne  Theilnahme  an