Full text : Lehrbuch der bayerischen Geschichte.

346  Bayern  unter  Maximilian  IV  Joseph.

ohne  die  schon  auf  dem  Marsche  begriffenen  Verstärkungen  abzuwarten,
  in  einer  persönlichen  Unterredung  mit  Napoleon
Waffenstillstand,  und  bald  nachher  (26.  Dezember  1805)  den
Frieden  zu  Preßburg  schloß.  Er  mußte  Tyrol  (sammt  den
Fürstenthümern  Brixen  und  Trient,  dann  die  Herrschaften  Feldkirch,
  Bregenz,  Bludenz,  Sonneberg  in  Vorarlberg  und  die  Grafschaft
  Hohenems,  in  Schwaben  die  Grafschaft  Königsegg-Rothenfels
  mit  Immenstadt  und  Staufen,  die  Herrschaften  Tetnang  und
Langenargen  am  Beodensee,  die  Stadt  Lindau  und  die  Markgrafschaft
  Burgau)  an  Bayern  überlassen;  außerdem  sollte  Bayern
vom  Kurfürsten  von  Salzburg  dessen  Theile  an  den  frühern
Bisthümern  Eichstädt  und  Passau  und  obendrein  die  Reichsstadt
  Augsburg  erhalten,  dagegen  Würzburg  an  den  Kurfürsten
  von  Salzburg  überlassen.  Preußen,  das  nach  der
Verletzung  des  Ansbachischen  Gebiekes  durch  Bernadotte  dem  österreichisch-russischen
  Bündnisse  bedingungsweise  beigetreten  war,
mußte  gemäß  dem  Frieden  zu  Schönbrunn,  den  es  am  15.  Dezember
  1805  mit  Napoleon  geschlossen  hatte,  die  Markgrafschaft
  Ansbach  an  Bayern  abtreten,  wogegen  dieses  das  Herzogthum
  Berg  an  Napoleon,  und  die  böhmischen  Herrschaften
Reichsstadt,  Buschtierad  u.  s.  w.  an  den  Erzherzog  Ferdinand
  überlassen  mußte.  Das  Kurfürstenthum  Bayern,  welches
vor  dem  Preßburger  Frieden  1091  Quadratmeilen  mit  2,446,463
Einwohnern  zählte,  begriff  nach  der  Erfüllung  der  im  Preßburger
Frieden  und  im  Schönbrunner  Vertrage  enthaltenen  Bestimmungen
(Preußen  trat  die  Markgrafschaft  Ansbach  erst  am  20.  Mai
1806  ab)  einen  Flächeninhalt  von  1618  ½/  Quadratmeilen  mit
3,070,463  Einwohnern  in  sich,  also  um  527½  Quadratmeilen
mit  624,000  Einwohnern  mehr,  als  vorher.  Diese  beim  Abschluße
  des  Preßburger  Friedens  sicher  gestellte  Vergrößerung
Bayerns  hatte  Napoleon  bestimmt,  für  den  Kurfürsten
Max  IV  Joseph  die  Königswürde  zu  fordern,  und  der  Kaiser
Franz  II  übernahm  die  Verpflichtung,  den  bisherigen  Kurfürsten
von  Bayern  als  König  mit  allen  Souveränetätsrechten,  die  er
und  der  König  von  Preußen  in  seinen  Ländern  geltend  machte,
anzuerkennen.