Metadata : Lehr- und Lesebuch oder die Vaterlands- und Weltkunde.

--  18383  —

70.  Die  Giftpflanzen.

Unter  den  Zaufenden  won  Pflanzen,  welche  in  Deutfchlanb  wachten,
giebt  e8  eine  ziemliche  Anzahl  jolcher,  Die  eine  Heftige  und  fehr  jchäbliche
  Wirkung  auf  den  menjchlihen  Körper  hervorbringen;  man  nennt
fie  Giftpflangen.  Um  fi  vor  ihnen  zu  Hüften,  muß  man  fich  Diefe
Sewächfe  nennen,  bejchreiben  und  in  der  Natur  zeigen  Iaffen.  Die
meilten  Giftpflanzen  gehören  zu  den  Kräutern.  Don  diefen  nennen
wir  bier  zuerft  den  Mafferfchierling,  deffen  Wurzel  einige  Aöntichkeit
mit  der  Sellerie  bat.  Der  Wafferjchierling  wächft  an  Gräben,  Teichen
und  auf  bemonstem  Sumpfboden,  wo  niemand  eima8  Heilfames  fuchen
darf.  Die  Wurzel  tft  Hohl  und  Durch)  Duerwände  in  mehrere  Fächer
gejchieden,  in  Denen  fich  eben  Der  jchänliche,  Tehnell  tödtende  Saft  ber
Pflanze  befindet.  Wer  die  Wurzel  der  Länge  nach  vurchfchneidet,  wird
an  jenen  Fächern  fogleich  den  Wafjerfihierling  erfennen.  —  Den  ge
fledten  Schierling  unterjcheidet  man  Leicht  an  den  rnthhraumen  Fleden
auf  dem  Stengel  und  den  Miten;  Leider  fehlen  bei  den  jüngern  Pflanzen
nur  zuweilen  Diefe  Wleden.  Die  Blätter  find  gezähnt,  Die  Zähne  fehen
an  den  Spiken  wie  verjengt  aus.  Wenn  man  die  Dlätter  zwijchen  ben
Fingern  zerreibt,  geben  fie  einen  eigenthümlich  wibrigen  Gerurh  won  fich.
Mer  Darauf  nicht  achtet,  wermwechjelt  fie  Leicht  mit  Kerbelfraut  oder  Peterfilie.
  —  Größere  Mhnlichfeit  mit  der  Peterfilie  hat  die  dritte  Art  Des
Schierlings,  die  Gleike  oder  Hundspeterfilie.,  Ihre  Wlätter  find
auf  Der  untern  Geite  glänzend  und  geben,  wenn  man  fie  zerreibt,  einen
fnoblauchartig=  mwiderlichen  Geruch  von  fih.  —  Zu  den  gefährlichiten
Giftpflangen  gehört  die  Tolfirfche  oder  Belladonna,  deren  reife
Frucht  einer  fchmwarzen  Kirfche  jehr  ähnlich  fieht.  Kleine  Gaben  der
Belladonna  bewirken  Jchon  Flimmern  vor  den  Augen  und  Spannung  im
Halfe,  größere  verurfahen  Schwindel,  Betäubung,  Naferei,  Zudungen
und  zulegt  den  Tod.  Zum  Gfük  kommt  die  Pflanze  feltner  und  nur  in
Gebirgsbüfchen  wor.  Weit  häufiger  ift  Dagegen  das  Bilfenkrauf,  das
man  faft  überall  auf  Schutthaufen  und  Kichhöfen,  an  Wegen  und
Hecken  trifft.  E8  verräth  fich  Leicht  Durch  feinen  häßlichen  Geruch  und
durch  Die  Schmußig-gelbe  Farbe  der  DVlüthe.  Gefährliche  Wirkungen
äußert  jever  Theil  der  Pflanze,  befonder8  Die  Wurzel  und  der  Same.
Dadurch,  Daß  der  Iektere  in  einem  Hütchen  fit  und  von  unverjländigen
Kindern  zum  Spiele  gebraucht  wird,  Hat  er  fchon  großes  Unheil  angerichtet.
  —  Der  Stechapfel  ift  noch  viel  jhlimmer,  ald  das  DBilfenfraut.
  Seine  Blüthe  ift  jchön  weiß,  feine  Sruchkfapfel  mit  Stacheln
bebect,  fein  Same  befteht  aus  Heinen  jwarzen  Körnern,  deren  Genuß
Budfungen,  Zittern  und  Wahnfinn  erzeugt.  Der  Stechapfel  wächft  Ieider
im  Freien  auch  faft  überall.  —  Der  rothe  Fingerhut  wählt  in  ge-Birgigen
  Waldgegenden  wild,  und  wirb,  wie  eine  ftrauchartige  Sorte  be3
Stehapfels,  in  Gärlen-oft  genug  al8  Bierpflanze  gezogen.  —  In  bie
faubere  Gejeljhaft  der  Giftpflanzen  gehört  auch  ber  giftige  Hahnenfuß,
  deffen  Saft  äußerlich  BZuden  und  Brennen,  innerlich  heftige
Schmerzen,  Erampfhaftes  Lachen  und  Srrereben  hervorbringt  —  bet