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70. Die Giftpflanzen.
Unter den Zaufenden won Pflanzen, welche in Deutfchlanb wachten,
giebt e8 eine ziemliche Anzahl jolcher, Die eine Heftige und fehr jchäbliche
Wirkung auf den menjchlihen Körper hervorbringen; man nennt
fie Giftpflangen. Um fi vor ihnen zu Hüften, muß man fich Diefe
Sewächfe nennen, bejchreiben und in der Natur zeigen Iaffen. Die
meilten Giftpflanzen gehören zu den Kräutern. Don diefen nennen
wir bier zuerft den Mafferfchierling, deffen Wurzel einige Aöntichkeit
mit der Sellerie bat. Der Wafferjchierling wächft an Gräben, Teichen
und auf bemonstem Sumpfboden, wo niemand eima8 Heilfames fuchen
darf. Die Wurzel tft Hohl und Durch) Duerwände in mehrere Fächer
gejchieden, in Denen fich eben Der jchänliche, Tehnell tödtende Saft ber
Pflanze befindet. Wer die Wurzel der Länge nach vurchfchneidet, wird
an jenen Fächern fogleich den Wafjerfihierling erfennen. — Den ge
fledten Schierling unterjcheidet man Leicht an den rnthhraumen Fleden
auf dem Stengel und den Miten; Leider fehlen bei den jüngern Pflanzen
nur zuweilen Diefe Wleden. Die Blätter find gezähnt, Die Zähne fehen
an den Spiken wie verjengt aus. Wenn man die Dlätter zwijchen ben
Fingern zerreibt, geben fie einen eigenthümlich wibrigen Gerurh won fich.
Mer Darauf nicht achtet, wermwechjelt fie Leicht mit Kerbelfraut oder Peterfilie.
— Größere Mhnlichfeit mit der Peterfilie hat die dritte Art Des
Schierlings, die Gleike oder Hundspeterfilie., Ihre Wlätter find
auf Der untern Geite glänzend und geben, wenn man fie zerreibt, einen
fnoblauchartig= mwiderlichen Geruch von fih. — Zu den gefährlichiten
Giftpflangen gehört die Tolfirfche oder Belladonna, deren reife
Frucht einer fchmwarzen Kirfche jehr ähnlich fieht. Kleine Gaben der
Belladonna bewirken Jchon Flimmern vor den Augen und Spannung im
Halfe, größere verurfahen Schwindel, Betäubung, Naferei, Zudungen
und zulegt den Tod. Zum Gfük kommt die Pflanze feltner und nur in
Gebirgsbüfchen wor. Weit häufiger ift Dagegen das Bilfenkrauf, das
man faft überall auf Schutthaufen und Kichhöfen, an Wegen und
Hecken trifft. E8 verräth fich Leicht Durch feinen häßlichen Geruch und
durch Die Schmußig-gelbe Farbe der DVlüthe. Gefährliche Wirkungen
äußert jever Theil der Pflanze, befonder8 Die Wurzel und der Same.
Dadurch, Daß der Iektere in einem Hütchen fit und von unverjländigen
Kindern zum Spiele gebraucht wird, Hat er fchon großes Unheil angerichtet.
— Der Stechapfel ift noch viel jhlimmer, ald das DBilfenfraut.
Seine Blüthe ift jchön weiß, feine Sruchkfapfel mit Stacheln
bebect, fein Same befteht aus Heinen jwarzen Körnern, deren Genuß
Budfungen, Zittern und Wahnfinn erzeugt. Der Stechapfel wächft Ieider
im Freien auch faft überall. — Der rothe Fingerhut wählt in ge-Birgigen
Waldgegenden wild, und wirb, wie eine ftrauchartige Sorte be3
Stehapfels, in Gärlen-oft genug al8 Bierpflanze gezogen. — In bie
faubere Gejeljhaft der Giftpflanzen gehört auch ber giftige Hahnenfuß,
deffen Saft äußerlich BZuden und Brennen, innerlich heftige
Schmerzen, Erampfhaftes Lachen und Srrereben hervorbringt — bet