Volltext : Lehr- und Lesebuch oder die Vaterlands- und Weltkunde.

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Viele  feiner  Leute  flohen,  jehr  viele  biieben  auf  dem  Schlactfelbe,
und  er  jelbit  wurde  nebft  1400  Mdeligen  gefangen  genommen.
Mit  großer  Niedergefchlagenheit  trat  er  vor  ben  Katfer.  Doch  der
edle  Ludwig  Tannte  feinen  Ubermuth,  fondern  bot  ihm  freundlich  die
Hand  mit  den  Worten:  „Herr  Vetter,  ich  bin  erfreut,  eud
zu  jehen!”  (S.  bayer.  Fürftenbilber  Nr.  11.))

Sp  war  der  Kampf  um  die  Katjerfrone  beendet.  Gie  blieb  —
wir  wollen  nicht  jagen,  ob  zum  Glüd  oder  Unglüd  für  Bayern,  jebenfall8
  zu  deifen  unvergänglichem  Ruhme  —  auf  dem  Haupte  Ludwigs
(von  1313  bi8  1347).

31.  Schweppermann.

Katjer  Ludwig  der  Bayer  batte  in  der  Schladt  bei  Ampfing
al8  tapferer  Ritter  mitgefochten  und  manchen  blutigen  Hieb  geführt;  aber
die  Anführung  des  Heeres  hatte  ex  nicht  jerbft  übernommen,  fondern  einemfriegserfahrenen,
  alten  Ritter,  Namens  Schweppermann,  überlaffen..
Die  vorfichtigen  Anorbnungen  diefe8  Anführers  waren  e8  denn  auch,
wodurd)  bie  hartnädige  Schlacht  zu  Gunften  Lubwig’3  entfchteben  worben
war.  MB  nun  am  Abend  die  Feinde  gänzlich  das  Yeld  gergumt
hatten,  und  man  für  die  WVerwundeten  geforgt  und  bie  Gefangenen
untergebracht  Hatte,  da  begannen  die  flegreichen  Aitter  fammt  dem
Kaifer  zu  fühlen,  baß  fie  ben  ganzen  Tag  gefämpft,  aber  nicht  ges
geilen  und  getrunfen  hatten.  Aber.  da  war  guter  Nath  theuer.  Alle
umliegenden  Dörfer  waren  längft  geplündert,  wo  nicht  gar  abgebrannt,
und  bie  Diener  de8  Kaifers  Tiefen  Tange  umber,  518  endlich  einer  mit
einem  Korbe  voll  Eier  zurücdkem,  welchen  er  feinem  Herrn  zu  Yüßen
ftellte.  „Sit  Das  Alles?"  fragte  Ludwig.  —  „Alles,  Eure  Mafeität,
was  wir  auf  weit  und  breit  haben  finden  können.”  —  „Nun,”  fagte
lächefnd  der  FKatfer,  „kann  müfjen  wir  gewifjenhaft  theilen,  Damit
feiner  von  den  braven  Hittern  bier  gang  hungrig  jchlafen  gehen  muß.
Shr  Herren,”  fuhr  er  fort,  „tretet  in  ben  Kreiß,  Damit  jeber  feinen
Antheil  empfange."  Nun  zählte  er  felbft  die  Eier  und  fand,  daß
nur  eins  mehr  war,  al8  e8  Ritter  waren.  „Gott  jegne  uns  Das
Menige,  was  er  uns  befcheert  Hat,”  rief  er,  indem  er  felbit  ein  Gi
nahm,  und,  zu  feinem  Diener  fich  wendend,  jagte:  „Seßt  theile  Du
aus!  Sedem  ein  Ei,  dem  frommen  Schweppermann  zweil"
Dem  alten  Krleger  gingen  die  Augen  über,  al8  er  jah,  wie  er  von
Seinem  Satfer  geehrt  wurde.  Zwar  bat  er  und  noch  viele  andere
Nitter,  der  Kaifer  möge  doch  exit  beffer  für  fih  forgen;  fie  würden
\chon  noch  etwas  finden;  aber  Yubwig  beharrte  bei  feinem  Ausfpruche.
„I  babe  nicht  mehr  gethan,  al8  ein  jeder  Krane  Ritter;  aber  ber
Schweppermann  bat  mehr  gethan,  al8  ein  Dußend  von  und;  ihm  ge»
bührt  die  Chrel!  Noch  jegt  nach  500  Jahren  Tieft  man  bes  Katferß
MWorie:  „Sedem  ein  Et,  dem  frommen  Schweppermann  zweil”
auf  dem  Orabjleine  Des  Lebtern.