— 2870 —
diafonen, von Diafaniffinnen und barmherzigen Schweitern,
die ebenfalls auf den Schlagtfelvern, Kejonder8 aber in ben Lazavethen,
die Vermundeten und Kranken bebienen und pflegen wollten.
Aber auch die ruhigen Friedendleute in der Heimath, Die nicht mit
hinausziehen fonnten, befonder8 die Frauen, regten ihre Hände, bie
Noth Des Krieges zu lindern. Am 18. Zuli hatte Die Königin Augufta
von Preußen, die Beichükerin de3 „vaterländijhen Srauenvereind”,
folgenden Aufruf erlaflen:
„Das Vaterland erwartet, daß alle rauen bereit find, ihre Pflicht
zu thun! Hülfe zunächft an den Rhein zu jenden.”
Um folgenden Tage forderte Die Kronpringeffin Viktoria den Bor:
ftand der unter ihrem Schuße ftehenden „Sinvwalidenitiftung” auf,
Sammlungen von Tiebesgaben zu veranftalten, um Damit die QLaujende,
von Frauen und Kindern, bie während de3 Krieges ihrer Grnährer
beraubt find, vor äußerer Noth zu bewahren. „Möge freie Liebes:
thätigfeit ich vereinen” — fagte die Kronpringeffin —, „um die Ans
gehörigen derjenigen vor Entbehrung zu Iehüken, welche Gejundheit
und Leben für ung hinzugeben bereit find.“
Allenthalben traten Jofort zahlloje Vereine ind Leben, welche Gaben
fammelten für die zurücdgebliebenen Yamilien einberufener Soldaten
und für bie im Felde verwundeten und erfranften Krieger. Alle Stäbte
Deutichlands wetteiferten mit einander — überall die Frauen voran,
Da faßen um ben Samilientifch neben der Mutter Mädchen vom zarteiten
Alter Bi8 zur Sungfrau und zupften Charpie; die älteren Töchter
und rauen jchnitten Verbandftüde voriehriftsmäßig zurecht, oder fie
Itridten und nähten für Die Soldaten. Sin den großen Niederlagen, bie
faum außreichten, Die zahlreichen Liebedgaben zu bergen, waren vom
Morgen 5i8 zum Abend treue Yrauenhände thätig, bie gejchenften
Mäfchegegenitände zu zählen und zu orbnen; andere arbeiteten an Nähmaschinen,
um die erforberlihen Hemben, Binden, Saden u. |. w.
anzufertigen; noch andere nahmen bie für die Solönten eingehenden
Poftjendungen entgegen, um fie zu ordnen, zu paden und augzuliefern.
Mit den Grauen metteiferten in zahliofen Vereinen die Männer und
Jünglinge, fich dem friedlichen Dienfte des Vaterlandes zu wibmen.
Und während die Reichen große Summen hergaben, fehlte e8 feinesmwegs
an Armen, die in rührender Weife auch) ihr Scherflein beifteuern wollten.
Selbft in Amerifa und andern fernen Ländern fammelten die Dort
wohnenden Deutjchen und jandten reiche Liebesgaben nach ihrem bedrobten
Waterlande.
Sp ftand in den erften Tagen ded Auguft Das ganze Deutjehe Volk
in jeinem Kriegs und Friedensheere gerüftet da, feft entichloffen,
dad Vaterland gegen einen übermüthigen und ungererhten Angriff mit
Gut und Blut zu vertheidigen und die Noth des Krieges nad, Möglichkeit
zu Tindern.