375 Kleinod.
mhd. nicht nachzuweisenden Form keinlächt, ran, mager
ausz mangel der speisz Maalerz;z zunächst an die alte
Bed. von klein angeschlossen, = zart, fein, zierlich:
tener, tenellis cleinlich, clenlich Dief.; ein kleinlich
gesichte, vadtus tener, macer Stieler; kleinliche
sachen, clinodia ebd.; noch in neuerer Spr. ein kleinliches
kind (zart, schmächtig) Adelung; kform eines
kleinlichen obelisken Goethe Wahlverw. 2, 1; jetzt
gewöhnlich nur von geistig und sittlich Unbedeutendem
(verstärktes klein 3): alle kleinlichen kunstgriffe Schiller
4, 281; wer horchte da auf kleinlich dunkle zweifel?
Grillparzer 6, 13; wenn die debatte hier kleinliche
verhältnisse angenommen hat Bismarck Reden 11, 62;
die landstände wurden durch die ewige zänkerei empfindlich,
gereizt, kleinlich Treitschke 4, 621. —
Kleinod, n. kostbarer Gegenstand; erst seit dem Mhd.
bezengt als kleinöt und kleincete, von klein nach seiner
älteren Bed. mittelst einer Ableitung gebildet, die sich
auch in armut, heimat (s. d.), so wie in dem umgedeuteten
einöde erhalten hat; die Form des Wortes
in älterer Spr. mehrfach schwankend: clenodium kleinot,
kleinet, kleinid, clcnode, clenade, clenet, umgedeutet
kleinheit Dief.; alles sein guet, gelt, clainat, geschmeid
Aventin 1, 346; bei Luther kleinot, seit 17. Ih. stets
die heutige Form; der Plur. in älterer Spr. dem Sing.
gleich: die gülden kleinot 1. Sam. 6, 8; auch kleinoter,
im 16. Ih. kleinotter, kleinater Germ. 29, 352; früher
Kleister — klemmen. 376
Kleister, m. Klebemittel; erst mhd. als klister nachgewiefen,
aber gewiß alte Bildung, abgeleitet von einer
Wurzel kli schmieren oder kleben, die im niederd. klei,
Schlamm, Lehm, ahd. chleiman, altnord. kleima und klina
beschmieren, hervortritt: kleister glutinum Schottel
1346; etwas mit kleister ankleben, pute g#etznafori
affigere aliquid Frisch; spöttisch übertragen auf eine
zähe Mehlspeife (vgl. unten kleistern): warum er 80
viel von dem kleister gegessen habe Seume Spaz.
1, 155; von manchen Zeitungen, sie werden mit schere
und kleister gemacht, durch Ausschneiden und Zusammenkleben
des Inhalts anderer. — kleistern, mit
Kleister arbeiten, kleben, ein blatt in ein buch, ein bild
an die wand; in weiterem Sinne gekleisterte haarc,
locken, fest geklebte; auch — dick schmieren: die butter
auf das brot kleistern Campe; frei, in Bezug auf das
Essen kleisterartiger Speise: ich habe vernunftige ärzte
in ltalien darüber sprechen hören, dasz jährlich in der
fasten eine menge menschen an der verdammten paste
sich zu tode kleistern Seume Spaz. 1, 156.
Klemm, Nebenform zu klamm (s. d.); in übertragener
Bed. enge, knapp, mangelnd: es sei im her (Heer)
klemm umb prot und wein D. Städtechr. 2, 39; eine
solche klemme zeit Simpl. 1,78; es war der anfang
einer herben und klemmen zeit Hebel 3, 76; die wasser
werden klemm, es ist alles klemm bei ihm Frisch.
Auch die Form klumm (klumme zeit Schottel 1346),
schon kleinötter D. Städtechr. 8, 311; die kleinoter, begegnet. — Klemme, k. Einengung und Einengendes,
welche darinnen (im Kästlein) AGGryphius Seug= mhd. klemme und klemde; Name des Krampfes, ohrenamme
5, 4; neuer kleinode; das Wort war, nach der
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mhd. Nebenform kleinote und vorausgesetztem ahd.
klemme Ohrenzwang; eines Geräts zum Zufammenpressen
Frisch; Werkzeug der Hufschmiede, beim Bekleinoti,
schon früh in mittellateinisches clenodium, clino- schlagen unruhiger Pferde Maul, Nase, Ohren zudium,
mit dem Plur. clenodia umgesormt, woher der
deutsche Plur. clinodien, clenodien, kleinodien seit
16. Ih. nicht unhäufig ist, vgl. Germ. 28, 372 fg.; wo
desz juden baarschaft, silbergeschirr und klenodien
lagen Simpl. 4, 97; auch in neuerer Spr. noch kleinodien:
von den reichskleinocien Goethe DuW. 5. Die allgemeine
Bed. der Kostbarkeit auf mannigfache Schmuckund
Wertgegenstände bezogen: sö nim ein kleinèt daz
ich hän . . dag ist ein gürtel Wigalois 39, 20; köstlich
ornat, kleinct und parament . an silber, golt
und edel gestain D. Städtechr. 3, 73; fücrt mit im wek
allen schaz, clainoter und heiltum Aventin 1, 271;
nam viel köstlicher kleinot mit sich, von gold, silber
und kleider 1. Macc. 11, 24; das er (der Tempel) geschmückt
were von feinen steinen und kleinoten Luc.
21, 5; dasz jm die fraw jr barschaft und kleinot noch
nitt gar otkenbart hatt Wickram Rollw. 76, 3; solch
ein kleinod (ein Ring) Schiller Räub. 1, 3; dies
kleinod, hell wie sonnenschein, ein riese trägts im
schilde sein Uhland 339; von den Abzeichen der Kaiserwürde,
reichskleinode; Helmzierde: von golde und ouch
von perlin lieht . daz kleinet Lichtenstein 186, 31;
daher in der Wappenkunst die Zierraten des Helms
kleinode, helmkleinode; Siegespreis, beim Wertlaufen:
(ich) jage nach dem fargesteckten ziel, nach dem kleinod
Phil. 3, 14; beim Wettschießen oder Singen, schutzenkleinod;
so hort man die vögel mit lieblichem gesang
zsamen stimmen, gleich als wann sie um ein kleinat
kempften Wickram Nachb. 142; übertragen: begabet
mit unuszsprechlichem kleinet der verstentnus und vernunft
Schade Sat. 3, 1; ein vernunstiger mund ist
ein edel kleinot Spr. Sal. 20, 15; wer hat das hohe
kleinod dir errungen, das zu der länder fürstin dich
gemacht? Schiller 4, 111; er war ein engel, war
kleinod des himmels Räub. 2, 2; ein hohes kleinod ist
der gute name, der unbescholtne ruf M. Stuart 1, 8;
— an die gewöhnliche Bed. von klein angeschlossen,
heißen bei den Fleischern kleinode oder kleinodien die
Nebenteile des geschlachteten Viehs; im Erzgebirge das
kleinod, kleinet Gartengewächse Adelung.
sammenzudrücken; bei Korbmachern ein Gerät zum
Festhalten der Weiden beim Schälen; enger Ort, Engpaß
(auch landschaftlich klamme): die klemme, ein enger
ort, angustia Frisch; von unsrer lägerstatt gieng eine
wasserrunze in einer klämme hinunter Simpl. 1, 270;
enge Wohnung: wenn aus der klemme er in die breite
beszre wohnung trat Goethe was wir br., Forts. 1;
bildlich, Enge, Verlegenheit: einen in die klemme
treiben, cinem aus der klemme heraus helfen, die dinge
sind in der klemme, in die klemme gerathen Steinbach;
die familie in die klemme zu treiben Schiller
Kab. 3, 1; nun sitze ich in der klemme Benedix Wespe
2, 8; um sich aus der klemme zu helfen Heyse 5, 382;
auch — Beklommenheit: die herzen in der klemme
Wieland Ob. 12, 57; — Knappheit, vgl. geldkleemme.
— klemmen, scharf packen, einzwängen; Ableitung vom
Adj. klamm, aber in weiterer Verbreitung nachgewiesen
als dieses; ahd. bichlemmit, obstructum, mhd. klemmen,
altf. biklemmian zwängen, antklemmian aufbrechen, altengl.
beclemman fesseln, isländ. klemma zwängen; in
der älteren Spr. vom packenden Raubvogel: singenden
vogel aber unde clemmenden (Falken, Habicht) Sachsensp.
3, 47, 2; und allgemeiner von jedem krampfigen Zwängen
und Drücken (vgl. auch beklemmen): minne klemmet
rechte alsam ein zange Hadlaub 17, 27; drenget sie
(die Eselin) sich an die wand, und klemmet Bileam
den fus an der wand 4. Mos. 22, 25; zwischen dem
stamme und rinde klemmen inter vorticem et sstirpem
arctare, wer sich zwischen thür und angel mengt, der
klemmt sich gern, intra zjacra ef sc## conséstere,
periculosum est, sich an einen fnger klemmen, digitum
compressu laedere, einen zu tode klemmen, h5reurz
ek angusto ambitu ad Morten usoue consfringere
Steinbach; nun war der braune gefangen, haupt
und fusze geklemmt Goethe Rein. F. 2; die fessel
klemmt der jungfrau zarte hände Schiller Zerst. v.
Troja 71; ich sah ihn die unterlippe zwischen die
zähne klemmen (im Zorn) Räub. 2, 3; milder: eine
brille, wie sic die alten weiber in der kirche auf die
nasen klemmen Hauff 10, 91; den hut unter den