Full text : Banken und Bankpolitik

den  beiden  Ländern  hinsichtlich  der  Anlage  von  Depositengeldern  vorhandene
  große  Unterschied  hat  sich  heute  verwischt.  In  beiden  Ländern
finden  die  Depositengelder  in  der  Hauptsache  Verwendung  zur  Gewährung
von  Vorschüssen  und  zur  Diskontierung  von  Wechseln.

Ein  wichtiges,  gegen  die  Trennung  der  kontinentalen  Effektenbanken
in  reine  Depositen-  und  Effektenbanken  sprechendcs  Moment  führt
Gustav  von  Schmoller!)  an:  Eine  richtige  Verbindung  beider  Zweige
bewirke,  daß  die  Banken  nicht  auf  die  Forcierung  des  Gründungsgeschäfts
angewiesen  seien,  sondern  dieses  unter  Berücksichtigung  der  allgemeinen
volkswirtschaftlichen  Interessen  betreiben  könnten.  „Wo  diese  Verbindung
eingelebt  ist,  könnte  sie  nur  verboten  werden,  wenn  ungeheure  Mißstände
vorhanden  wären,  was  jetzt  nicht  der  Fall  ist.“

Die  deutsche  Regierung  hat  bei  Eröffnung  der  Bank-Enquete  die
Erklärung  abgegeben,  daß  sie  nicht  beabsichtige,  ein  Gesetz  betreffend
Trennung  der  Gründungs-  und  Depositenbanken  einzubringen.

Viele  deutsche  Banken,  die  das  Depositengeschäft  besonders  pflegen,
weisen  darauf  hin,  daß  sie  eine  Trennung  dieses  Geschäftes  von  anderen
Geschäftszweigen  schon  seit  langem  vorgenommen  haben.  Die  selbständige
Örganisierung  der  Depositenabteilung  durch  Schaffung  einer  Zentraldepositenkasse,
  wie  sie  bei  mehreren  größeren  Instituten  erfolgt  ist,  bleibt  —
.  das  darf  man  aber  nicht  vergessen  —  solange  eine  nur  interne  Frage
der  Bank,  als  nicht  auch  die  Gelder  besonders  angelegt  werden  und  nicht,
wie  es  jetzt  bei  vielen  Banken  geschieht,  einfach  bei  der  Hauptkasse  der
Bank,  bezw.  auf  deren  Konto  bei  der  Reichsbank  oder  beim  Kassenverein
  eingezahlt  werden.  Die  schärfste  Trennung  ist  meines  Wissens
in  dieser  Beziehung  bei  der  Deutschen  Bank  erfolgt,  die  Ende  1907
neben  788  Millionen  M  Kreditoren  476  Millionen  M  Depositengelder?)
zu  verwalten  gehabt  hat.

Im  Oktober  1908  haben  sich  die  Bank  für  Handel  und  Industrie,  die
Commerz-  und  Diskontobank,  die  Deutsche  Bank,  die  Direktion  der
Diskontogesellschaft,  die  Dresdner  Bank,  die  Nationalbank  für  Deutschland,
  die  Mitteldeutsche  Kreditbank  und  der  A.  Schaaffhausen’sche  Bankverein
  gegenseitig  verpflichtet,  vom  ı.  Januar  1909  beginnend,  Bilanzübersichten
  in  zweimonatlichen  Zwischenräumen  zu  veröffentlichen,  und
zwar  dergestalt,  daß  die  Bilanzen  jeweils  auf  den  28.  Februar,  30.  April,

")  Grundriß  der  allgemeinen  Volkswirtschaftslehre.  2.  Teil.  Leipzig  1904.  S.  237.
®)  Von  den  englischen  Barken  übertrifft  sie  hinsichtlich  der  Höhe  der  Depositengelder
  nur  noch  die  Lloyds  Bank.

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