Beuisches Reich. (April 16.) 413
Waffen= und Munitionsfabrik und bei Ludwig Loewe sind die Teilstreiks
beendet. Ebenso ist der Borsigsche Betrieb wieder voll im Gange. Für eine
Anzahl Arbeiterinnen, die sich noch nicht wieder gemeldet haben, ist Ersatz
geschaffen. In den Deutschen Waffen- und Munitionsfabriken in Wittenau-Martinikenfelde
hat die Militärbehörde eingegriffen. Zum Leiter der Werke
ist der Oberst v. Feldmann bestimmt worden. — Das „Berl. Tgbl." berichtet
darüber: Diejenigen Personen, die in den genannten Werken beschäftigt
waren und seit dem 14. April die Arbeit niedergelegt haben,
hatten binnen 24 Stunden, bis Sonnabend, den 21. April früh 7 Uhr, die
Arbeit wieder aufzunehmen, wenn sie nicht unverzüglich den Nachweis der
Arbeitsunfähigkeit zu führen vermochten. Mit Wirkung vom 19. April ab
ist allen diesen Personen bis auf weiteres verboten, ohne Zustimmung des
militärischen Leiters die Arbeitsstelle zu wechseln, von der Arbeit fernubleiben,
die Arbeit niederzulegen, die Arbeit zu verweigern oder abschrich
einzuschränken. Ebenso wird verboten, die Arbeiter in den genannten
Betrieben mündlich oder schriftlich oder durch Verteilung von
Drucksachen zur Arbeitseinstellung anzureizen. Zuwiderhandlungen werden
unter Strafe gestellt. Alle wehrpflichtigen Arbeiter, die in den Deutschen
Waffen= und Munitionswerken beschäftigt waren und seit dem 14. April
die Arbeit niedergelegt haben, gelten, soweit sie nicht bis zum 21. April
morgens 7 Uhr die Arbeit wieder ausgenommen haben oder nachweisbar
arbeitsunfähig sind, von diesem Zeitpunkt ab als zum Heeresdienst eingezogen,
erhalten Soldatenlöhnung und unterstehen den Kriegsgesetzen.
Diese Maßnahme hat den Erfolg gehabt, daß von der Arbeiterschaft der
Deutschen Waffen-- und Munitionsfabriken am Sonnabendfrüh drei Viertel
wieder zur Arbeit angetreten sind. Unter den Ausgebliebenen befinden sich
in der Ueberzahl Frauen. (Ueber den Verlauf der Streikbewegung s. ferner
die Verhandlungen im Hauptausschuß des Reichstags S. 437 f. u. S. 441 ff.)
Ueber die Ursachen der Streikbewegung schreibt der „Vorwärts“
am 17. u. a.: Indem die Arbeiter am 16. April den Werkstätten
fernblieben, wollten sie die Behörden darauf aufmerksam machen, daß die
Versorgung der Bevölkerung mit dem Allernotwendigsten nicht ins
Stocken geraten, geschweige denn dauernd gefährdet werden darf. Die
Gründe, die zu der Bewegung führten, sind damit aber nicht erschöpft.
Zweifellos haben die großen Weltereignisse der letzten Wochen auf die Bevölkerung
von Groß--Berlin einen sehr starken Eindruck gemacht. In ihrer
ungeheuren Mehrheit ist sich die Bevölkerung darüber einig, daß mit den
angekündigten innerpolitischen Fortschritten nun nicht mehr gezögert
werden sollte. Die Osterbotschaft hat zweifellos eine gute Wirkung getan,
Zweifel und Besorgnisse um die Zukunft hat sie indes nicht zu zerstreuen
vermocht. Und der vom Reichstag eingesetzte Verfassungsausschuß ist einstweilen
ein unbeschriebenes Blatt und — nach allerhand bitteren Erfahrungen,
die man gemacht hat — eine mäßige Hoffnung. Als dritter Faktor spielt
zweifellos die tiefe Friedenssehnsucht des Volkes mit eine entscheidende
Rolle. Sie würde noch viel stärker hervortreten, wenn sie auf irgendwelche
Kudernisse von seiten der Regierung gestoßen wäre. Nach den letzten Erdrungen
der deutschen und der öst.-ung. Regierung besteht aber in den
weitesten Kreisen die Hoffnung, daß die Politik der Mittelmächte nun
wirklich auf die Bahn gebracht worden ist, die in nicht ferner Zeit zum
Frieden führen wird. Friedenskundgebungen können also unter diesen Umständen
und in diesem Augenblick nicht als Kundgebungen gegen die Regierung
aufgefaßt werden. In diesem Sinne sollten die Vorgänge des
gestrigen Tages allgemein verstanden und beherzigt werden. Die Behörden
müssen alles tun, um die gerechten Ansprüche der Bevölkerung auf ein