14 Martin Luther
Hauptsache, legt Luther in 26 Artikeln seine Vorschläge zur Besserung
des geistlichen und in einem 27. zur Besserung des weltlichen
Lebens dar. Keine Annaten dürften mehr nach Rom gezahlt, kein
geistliches Amt müßte mehr von Rom geholt, keine weltliche Sache
dürfe dorthin gezogen, der Hof des Papstes müsse vereinfacht werden;
kein Bischof dürfe mehr so gräßlich bindende Eidc dem Papste
leisten und über den Kaiser Gewalt haben, der Papst solle seine Ansprüche
auf Neapel und Sizilien aufgeben, das Fußküssen des Papstes
habe aufzuhören, ebenso das Wallfahren nach Rom; die Zahl
der Klöster müßte eingeschränkt werden, die Zahl derer „die viel
geloben und wenig halten“; die Verehelichung der Geistlichen gestattet
werden, Seelenmessen und kirchliche Erinnerungstage sollten abgetan
oder verringert werden, ebenso die Feiertage; die Ehegesetze
in bezug auf verbotene Verwandtschaftsgrade abgeändert; die Wallfahrtsorte
zerstört, Bettelei abgeschafft, Bruderschaften, Ablaßbriefe
desgleichen; mit der hussitischen Lehre müßte man sich endlich gründlich
auseinandersectzen; die Universitäten müssen vollständig reformiert,
aus einem römischen Kaisertum soll ein deutsches werden:
„es gebe der Papst her Rom und alles was er hat vom Kaiserlum,
lasse unser Land frei von seinen unerträglichen Schätzen und
Schinden, gebe zurück unsere Freiheit, Gewalt, Gut, Ehre, Leib
und Seele und lasse es ein Kaisertum sein, wie einem Kaisertum gebühret,
auf daß seinen Worten und Vorgeben genug geschehe.“ Und
was die weltlichen Gebrechen betrifft, so rügt Luther den „überschwenglichen
Üüberfluß und Kostbarkeit der Kleidung“, die Spezerei
„die auch der großen Schiffe eines ist, darinnen das Geld aus deulschen
Landen geführet wird“, den Zinskauf „das größte Unglück
deutscher Nation“: „man müßte wahrlich den Fuggern und dergleichen
Gesellschaften einen Zaum ins Maul legen“; ferner rügt er
den Mißbrauch des Fressens und Saufens; die allgemeine Unkeuschheit,
die durch die vielen Klöster noch vermehrt werde: niemand
sollte vor seinem dreißigsten Jahre geistlich werden dürfen. Er
schließt mit den Worten: „Gott gebe uns allen einen christlichen Verstand
und sonderlich dem christlichen Adel deutscher Nation einen
rechten geistlichen Mut, der armen Kirche das Beste zu tun. Amen.“
Vor kurzem erst, 1519, war dem Reich ein neuer Kaiser erstanden,
Karl von Spanien, der mußte nun bald seinen ersten Reichstag
abhalten, und an Kaiser und Reichstag war in erster Linie
Luthers Schrift gerichtet, dann aber an den gesamten Adel der
Deutschen in dem Sinne der Edelsten und Besten des Volkes, und