Full text : Gesetz- und Verordnungs-Blatt für das Königreich Bayern. 1900. (27)

Mo  18.  341

VI  Für  Posten,  die  außerhalb  der  gewöhnlichen  Dienststunden  abgehen,  bildet  der  Ablauf
  der  Dienststunden  die  Schlußzeit  sofern  diese  nicht  nach  den  vorstehenden  Festsetzungen
früher  eintritt.

VII  Die  Briefkasten  an  und  in  den  Posthäusern  werden  bei  Eintritt  der  Schlußzeit
jeder  Post,  zu  den  außerhalb  der  gewöhnlichen  Dienststunden  abgehenden  Posten  auch  noch
vor  deren  Abgange  geleert.  Die  Leerungszeiten  der  anderen  Briefkasten  werden  nach  den
örtlichen  Bedürfnissen  festgesetzt;  die  Zeit  der  nächsten  Leerung  ist  an  jedem  Briefkasten  ersichtlich.
  Die  Briefkasten  auf  den  Bahnhöfen  werden  möglichst  kurz  vor  dem  planmäßigen
Abgang  eines  jeden  für  den  betreffenden  Ort  zur  Postbeförderung  benutzten  Postzugs  geleert.
Die  Einlegung  gewöhnlicher  Briefsendungen  in  die  Briefkasten  der  Bahnpostwagen  ist,  soweit
nicht  für  einzelne  Züge  Einschränkungen  angeordnet  sind,  bis  zum  Abgange  des  Zuges  zulässig.

VIII  Soweit  die  örtlichen  Verhältnisse  es  gestatten,  werden  Einschreibsendungen  und
gewöhnliche  Packete  von  den  Postanstalten  sowie  nöthigen  Falles  Einschreibbriefsendungen  von
den  selbständigen  Telegraphenanstalten  auch  außerhalb  der  Postschalterdienststunden  angenommen.
  Die  näheren  Bestimmungen  hierüber  werden  durch  die  Postberichte  (II)  zur  öffentlichen
  Kenntniß  gebracht.  Für  jede  Sendung  ist  eine  besondere  Einlieferungsgebühr  von
20  Pf.  im  Voraus  zu  entrichten.

§  31.

Die  Einlieferung  solcher  Sendungen,  über  welche  die  Postanstalt  eine  Einlieferungs-  swcheserane.
bescheinigung  auszustellen  hat,  wird  durch  diese  bewiesen;  der  Einlieferer  hat  sich  daher  nicht
zu  entfernen,  ohne  sie  in  Empfang  genommen  zu  haben.  Vermag  der  Absender  die  Bescheinigung
  nicht  vorzulegen,  so  wird  die  Einlieferung  als  nicht  geschehen  erachtet,  wenn  sie
nicht  aus  den  postamtlichen  Buchungen  ersichtlich  ist  oder  nicht  in  anderer  Weise  überzengend

nachgewiesen  wird.

§  32.
Auf  welchem  Wege  die  Postsendungen  zu  leiten  sind,  wird  von  der  Postbehörde  bestimmt.  beimm  der
33.  sendungen.
1  Der  Absender  kann  eine  Postsendung  zurücknehmen  oder  ihre  Aufschrift  ändern  lassen,  Zuricgiehung
solange  sie  dem  Empfänger  noch  nicht  ausgehändigt  ist.  sendungen

11  Die  Rücknahme  kann  erfolgen  am  Aufgabeort  oder  am  Bestimmungsort,  ausnahms-  un  heung

weise  auch  an  einem  Unterwegsorte,  sofern  dadurch  keine  Störung  des  Dienstes  herbeigeführt  wird.  nrften  durch
III  Die  Rückgabe  geschieht  an  denjenigen,  welcher  ein  von  derselben  Hand,  von  der

die  Aufschrift  der  Sendung  geschrieben  ist,  ausgefertigtes  Doppel  des  Briefumschlags,  der

Postanweisung  oder  der  Postpacketadresse  abgibt  und  die  Einlieferungsbescheinigung,  sofern

eine  solche  ertheilt  ist,  vorlegt.