Full text : Gesetz- und Verordnungs-Blatt für das Königreich Bayern. 1900. (27)

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Aichordnung  für  die  Rheinschiffe

auf  Grund  der  zwischen  Deutschland,  Belgien,  Frankreich  und  Niederland
getroffenen  Uebereinkunft  vom  4.  Februar  1898.

§  1.

Zur  Ausführung  der  Aichung  der  Rheinschiffe  werden  „Schiffs-Aichämter“  ein=  Allgemeines.
gesetzt,  welche  aus  einem  oder  mehreren  vereideten  Schiffsvermessern  und  einem  von  der
Landesregierung  ernannten  Beamten  bestehen,  welch'’  letzterer  als  Vorstand  des  Schiffs-Aichamts
  den  Geschäftsgang  zu  leiten,  die  Aichberechnung  zu  prüfen  und  den  Aichschein
auszufertigen  hat.  Auch  hat  der  Vorstand  die  Eintragungen  in  das  gemäß  Art.  7  Ziffer  1
der  Anlage  zur  Uebereinkunft  vom  4.  Februar  1898  zu  führende  Register  vorzunehmen.

Die  Schiffs-Aichämter  sind  der  Aufsicht  der  oberen  Landesbehörden  unterstellt.

§  2.

Die  Aichung  eines  Rheinschiffes  geschieht  auf  Antrag  des  Schiffseigners  oder  dessen
Bevollmächtigten.  Dem  Antragsteller  steht  es  frei,  bei  welchem  Schiffs-Aichamt  er  sein
Schiff  aichen  lassen  will.  Dem  Antrag  ist  beizufügen:  das  Schiffsattest,  oder,  sofern  ein
solches  noch  nicht  ausgefertigt  sein  sollte,  ein  genaues  Verzeichniß  der  von  der  Schiffsuntersuchungskommission
  festgesetzten  Ausrüstung  und  Bemannung,  sowie  der  Vorräthe  und
Geräthe  mit  Gewichtsangabe.

Der  Antrag  hat  ferner  zu  enthalten:  den  Namen  und  Heimathsort  des  Schiffes,  die
größte  Länge  und  Breite,  sowie  die  Bauart  desselben.  Hat  früher  bereits  eine  Aichung  des
Schiffes  stattgefunden,  so  ist  dem  Antrag  weiter  noch  der  betreffende  Aichschein  beizuschließen.

§  3.

Der  die  Aichung  Nachsuchende  hat  das  Schiff  an  diejenige  Stelle  zu  verbringen,
welche  das  Schiffs-Aichamt  angibt;  er  hat  bei  der  Vermessung  und  Anbringung  der  Aichskalen
  und  Aichplatten  die  erforderliche  Beihilfe  zu  leisten  und  dazu  einen  starken  Ruderkahn
mit  zwei  Mann  zu  stellen.  Den  Anordnungen  des  Schiffsvermessers  ist  Folge  zu  leisten,
widrigenfalls  die  Vermessung  abgebrochen  wird.

§  4.
Als  Aichraum  gilt  derjenige  zwischen  den  Außenseiten  der  Schiffswandung  liegende  Der  zt  wer-Raum,
  welcher  begrenzt  wird:  ''

1.  nach  oben  von  der  Ebene  der  im  Schiffsattest  angegebenen  tiefsten  Einsenkung;

2.  nach  unten  von  der  Leerebene.
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