Denisches Reich. (Jau. 30.— Febr. 5.) 57
30. Jan. (Baden.) Erhöhung der Zivilliste.
Die Zweite Kammer bewilligt mit 35 gegen 17 Stimmen (Soz.
und Fortschr. Vp. sowie 3 Zentrumsstimmen) einen Zuschuß von 600000/
für das Jahr 1918 und 1919 für die Großherzogl. Zivilliste.
31. Jan. An Stelle des Geh. Nats Dr. Wach übernimmt Unterstaatssekretär
z. D. v. Grävenitz die Leitung der Reichsgetreidestelle.
31. Jan. (Bundesrat.) Es gelangen zur Annahme:
D. Entw. e. Verordn. über den Anbau von Zuckerrüben und das
Brennen von Rüben im Betriebsjahr 1918/19, d. Entw. von Bestimmungen
über die Bereitstellung von Reichsmitteln für die Entschädigung der infolge
Kohlenmangels feiernden Arbeiter und Arbeiterinnen kriegswichtiger Betriebe
der Rüstungs- und Ernährungsindustrie, d. Entw. von Ausführungsbestimmungen
zu dem Ges. v. 8 April 1917 über die Besteuerung des
Personen= und Güterverkehrs, d. Entw. e. Verordn. zur Abänderung der
Verordn. über die Kartoffelversorgung.
1. Febr. Der Kaiser stiftet am ersten Jahrestage des uneingeschränkten
U-Bootkrieges ein besonderes Kriegsabzceichen für die
U-Bootbesatzungen.
2. Febr. Reichstagsersatzwahl.
Im Wahlkreise Gumbinnen 2 (Ragnit-Pillkallen) wird an Stelle
des verstorb. Abg. Gottschalk-Sauerwalde (Kons.) Generallandschaftsdirektor
Dr. Kapp-Pilzen, Kreis Pr.-Cylau (Kons.) mit 4976 Stimmen gewählt.
Gutsbesitzer v. Plehwe auf Dwarrischken, Kreis Pillkallen (Kons.) erhält 47
und Gutsbesitzer Sattler auf Klapaten, Kreis Ragnit (Kons.) 32 Stimmen.
22 Stimmen sind zersplittert.
3. Febr. Verurteilung engl. Fliegerleutnants.
Das „WeB.“ meldet amtlich: Zu der in der deutschen Presse gemeldeten
Verurteilung der engl. Fliegerleutnants Scholtz und Wookey wird
folgendes berichtet: Seit mehr als zwei Jahren werden von engl. Offizieren
Flugschriften aufreizenden Inhalts hinter den deutschen Linien abgeworfen,
um durch wörtliche und bildliche Schilderungen des guten Lebens
der deutschen Gefangenen in England unsere Truppen zum Ueberlaufen
zu verführen. Da bereits im März 1916 zwei deutsche Offiziere von der
Entente wegen des Abwurfes von Flugblättern vor ein Kriegsgericht gestellt
und zum Tode verurteilt worden waren, ein Urteil, das später allerdings
in lebenslängliche Zwangsarbeit umgewandelt worden ist, da ferner
Frankreich angekündigt hat, es würde deutsche Flugoffiziere, die Flugschriften
hinter den franz. Linien abwürfen, bei Gefangennahme vor ein
Kriegsgericht stellen, wurden als Vergeltungsmaßregel nunmehr die beiden
engl. Flieger vor ein deutsches Militärgericht gestellt. Sie wurden des
vollendeten Kriegsverrats für schuldig befunden und zu zehn Jahren Zuchthaus
verurteilt. — Am 5. protestiert die engl. Regierung gegen dieses
Urteil und droht Vergeltungsmaßregeln an.
3.—5. Febr. (Berlin.) Besprechungen des Grafen Czernin mit
der Reichsregierung über polit. und wirtschaftl. Fragen.
Erörtert wird u. a. auch die poln. Frage. (S. darüber v. Cramon,
Unser Oesterr.-Ung. Bundesgenosse im Weltkriege (Berlin 1920) S. 144 f.)