Beutsches Reich. (Febr. 7. 8.) 59
fallenen Söhne Deutschlands ein starkes Reich und ein glückliches, an wirtschaftlichen,
geistigen und sittlichen Gütern gesegnetes Volk hervorgehen.
Dazu helfe uns Gott! Ich ersuche Sie, diesen Erlaß zur öffentlichen Kenntnis
zu bringen. ·
Gr. Hauptquartier, den 7. Febr. 1918. Wilhelm I. R.
7. Febr. (Bundesrat.) Es gelangen zur Annahme:
Die Entw. des Reichshaushalts und des Haushalts der Schutzgebiete
für das Rechnungsjahr 1918, e. Verordn. über die Vornahme einer Viehzählung
am 1. März 1918, e. Verordn. über verstärkte Heranziehung kriegswichtiger
Betriebe und über Beitragsvorschüsse zur Unfallversicherung, e. Verordn.
betr. das Schiedsgericht für Binnenschifffahrt, von Bestimmungen
über den Reichsausschuß für den Wiederaufbau der Handelsflotte, e. Ges.
betr. Aenderung des Postscheckgesetzes v. 26. März 1914, e. Ges. betr. Aenderung
des Kriegssteuergesetzes.
8. Febr. (Preußen.) Landtagsersatzwahl.
Im Wahlkreise Stendal 2 wird für den verstorb. Abg. Bethge (Konf.)
der General d. Inf. a. D. v. Liebert-Berlin-Wilmersdorf (Kons.) ohne
Gegenkandidat mit allen abgegebenen 292 Stimmen gewählt.
8. Febr. (Preuß. Abg.-Haus, Haushaltsausschuß.) Streikdebatte.
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Bei der Beratung des Etats des Ministeriums des Innern
kommt das sozialdemokratische Ausschußmitglied ausführlich auf die
jüngsten (s. S. 49 ff.) Streiks zu sprechen, die ihre Ursachen in den wachsenden
Schwierigkeiten der Volksernährung, in den verkehrten Maßnahmen des
Systems Waldow, in der Verschleppung der Wahlreform, in der Handhabung
der Zensur und des Belagerungszustandes usw. gehabt hätten. Sie
seien ganz spontan ausgebrochen, ja, in gewissen Gegenden seien Hirsch-Dunckersche,
Christliche und sogar Gelbe zuerst in die Bewegung eingetreten.
Hier in Berlin habe man durch die Schließung der Volkshäuser, durch
das Versammlungsverbot, durch die Auflösung der Streikleitung die
Arbeiter direkt auf die Straße getrieben und sie auch noch durch das Verbot
des „Vorwärts"“ erbittert.- Auf der Straße sei dann die Polizei in scharfer
Weise vorgegangen. Als der Reichtagsabg. Scheidemann die Demonstranten
in Moabit habe beruhigen wollen, sei er von Schutzleuten in roher Weise
behandelt worden. Redner mahnt dringend, in der Wahlrechtsfrage und
in der Ernährungsfrage neue Bahnen zu beschreiten, da sonst weitere und
viel gefährlichere Ausbrüche des Volksunwillens zu befürchten seien.
Minister des Innern Dr. Drews erwidert, daß diese Streiks in unerhörter
Weise den Wünschen und Interessen unserer Feinde gedient hätten.
Das Verhalten der russ. Unterhändler in den letzten Tagen habe klar erkennen
lassen, daß ihr Ideal die allgemeine Zersetzung und Anarchie in
allen Staaten, insbesondere auch in Deutschland sei. Das Echo der Streiks
in der russ. Presse sei charakteristisch für die Bewertung der Ausstände.
In Paris und London seien Extrablätter mit großen Ueberschriften,, Deutschlands
Zusammenbruch“ verteilt worden. Der Kriegswille in England,
Frankreich und Amerika sei durch die Ausstände gestärkt worden, sie hätten
also den Krieg verlängert. Jeder Streik schädige die Schlagkraft unseres
Heeres. Das Reichsgericht habe derartige Streiks für Landesverrat erklärt,
und zwar auch dann, wenn sie nicht in der Absicht unternommen seien,
den Feinden Vorschub zu leisten; es genüge, daß die Streikenden das
wissen mußten. Die ganze bürgerliche Presse sei auf die Seite der Regierung
getreten. Der Minister bedauert, daß die Soz. Partei den Streik