Full text : Gesetz- und Verordnungs-Blatt für das Königreich Bayern. 1902. (29)

M  34.  269

Bestehen  an  einer  Volksschule  zwei  Lehrstellen,  so  darf  hievon  eine  mit  einem  Schulverweser,
  einem  Hilfslehrer  oder  einer  weiblichen  Lehrkraft  besetzt  werden.  Bestehen  an  einer

Volksschule  drei  oder  mehr  Lehrstellen,  so  sind  hievon  zwei  Drittel  mit  Volksschullehrern  zu
besetzen.  Bruchtheile  kommen  nicht  in  Anrechnung.

Werden  an  Mädchenschulen  nur  weibliche  Lehrkräfte  verwendet,  so  sind  vorstehende
Bestimmungen  sinngemäß  in  Anwendung  zu  bringen.

Bei  Schulen,  an  welchen  Kinder  beiderlei  Geschlechts  gemeinschaftlich  unterrichtet  werden,
kann  an  Stelle  eines  der  Volksschullehrer  eine  Volksschullehrerin  aufgestellt  werden.

In  besonderen  Ausnahmefällen  kann  durch  die  Kreisregierungen  Befreiung  von  den  Vorschriften
  des  Abs.  1—3  bewilligt  werden.

Artikel  5.

Wenn  die  Zahl  der  Schüler  einer  alle  Jahrgänge  umfassenden,  mit  einer  Lehrkraft
besetzten  Volksschule  nach  einem  fünfjährigen  Durchschnitte  achtzig  übersteigt,  so  kann  die
Bereitstellung  der  Mittel  für  Errichtung  einer  neuen  Lehrstelle  angeordnet  werden.  Ebenso
kann  bei  Schulen  von  zwei  oder  mehr  Schulklassen  die  Bereitstellung  der  Mittel  für  Errichtung
einer  neuen  Lehrstelle  angeordnet  werden,  wenn  die  Zahl  der  Schüler  in  einer  Klasse  nach
einem  fünfjährigen  Durchschnitte  hundert  übersteigt.  Falls  durch  Schulstatut  oder  Gemeindebeschluß
  eine  geringere  Höchstzahl  von  Schülern  für  die  einzelne  Klasse  festgesetzt  ist,  darf
diese  Zahl  nicht  mehr  erhöht  werden.

Wenn  sich  in  einer  Gemeinde  oder  Ortschaft  oder  in  mehreren  im  Umkreise  von  dreieinhalb
  Kilometer  gelegenen  Gemeinden,  Ortschaften,  Weilern  oder  Einzelhöfen  zusammen
nach  einem  fünfjährigen  Durchschnitte  mindestens  fünfundzwanzig  schulpflichtige  Kinder  befinden,
welche  eine  über  dreieinhalb  Kilometer  entfernte  Schule  besuchen  müssen,  so  können  die  betreffenden
  Gemeinden  zur  Bereitstellung  der  Mittel  für  Errichtung  einer  neuen  Schule  angehalten
  werden.  Das  Gleiche  kann  geschehen,  wenn  in  einem  Umkreise  von  dreieinhalb
Kilometer  zusammen  nach  einem  fünfjährigen  Durchschnitte  achtzig  oder  mehr  schulpflichtige
Kinder  sich  befinden,  deren  Mehrzahl  eine  zwei  oder  mehr  Kilometer  entfernte  Schule
besuchen  muß

Wenn  in  einer  Gemeinde  oder  Ortschaft  oder  in  mehreren  im  Umkkreise  von  dreieinhalb
Kilometer  gelegenen  Gemeinden,  Ortschaften,  Weilern  und  Einzelhöfen,  für  welche  lediglich
Konfessionsschulen  errichtet  sind,  zusammen  nach  fünfjährigem  Durchschnitte  mindestens  fünfzig
schulpflichtige  Kinder  der  in  der  Minderheit  befindlichen  Konfession  vorhanden  sind,  und  ihnen
nicht  eine  Schule  ihrer  Konfession  bis  zur  Entfernung  von  dreieinhalb  Kilometer  zur  Verfügung
  steht  oder  durch  eine  zweckmäßige  Umschulung  zugänglich  gemacht  werden  kann,  so
können  die  betheiligten  Gemeinden  zur  Bereitstellung  der  Mittel  zur  Errichtung  einer  Schule