Contents : deutsches Wörterbuch. Zweiter Band H-O. (2)

577  Lauscher  —  laut.

und  lauschet  Kal.  4,  243;  gebt  antwort  denn!  ibhr  aber
lauscht  Grillparzer  5,  277;  dem  gewitter  lauscht
der  feldherr  Lenau  309;  lauschend  auf  der  lerchen
sang  Uhland  19;  sie  lauscht  wie  ferne  das  kriegshorn
gellt  Freiligrath  1,  36.—  Lauscher,  m.  der  da  lauscht,
mit  oder  ohne  böse  Absicht:  das  bubenstuck  schläft,  in
dieser  wilde  kein  lauscher  Schiller  Räub.  1,  5;  sie
konnte  mir  kein  wörtchen  sagen,  zu  viele  lauscher
waren  wach  Erwartung;  bei  den  Jägern  lauscher  die
Ohren  des  Rot-,  Damm=  und  Rehwildes.  —  lauschig,
zum  Lauschen  geneigt,  gern  aufpassend:  die  miene  ist
ehrlich,  doch  bang  und  lauschig  H  Heine  18,  103;
von  versteckten  Plätzen  (nach  lauschen  —  verborgen  sein):

ein  lauschiger  ort;  bank  an  lauschiger  stelle;  lauschig

hingen  die  flachsbuschel  unter  dem  dache  Keller  Seldw.
2,  205.
"  Lausen,  Läuse  fangen,  mhd.  lüsen;  in  eigentlichem

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inclutus  berühmt  gehört.  Die  Steigerungsgrade  gewöhnlich
  ohne  Umlaut,  vereinzelt  sie  werden  läuter
Frisch;  im  ältern  Nhd.  die  Adverbialsorm  laute,  dem
mhd.  lüte,  ahd.  hlüto  entsprechend:  alle  luft  laute  ruft
Gerhard  155,  gewöhnlich  sonst  in  der  Adjectivform
untergegangen.  Bed.  im  eigentlichen  Sinne,  —  sehr
hörbar,  Gegensatz  leise:  diu  nahtigal  din  singet  .  .  ie
lüter,  danne  lise  Neithard  31,  24;  rief  er  mit  lauter
stimme  Joh.  11,  41;  ein  laut  getumel  1.  Sam.  4,  14;
gott  antwortet  jm  laut  2.  Mos.  19,  19;  tausend  stimmen
werden  laut  Schiller  Kampf  mit  d.  Dr.;  auch  im
Gegensatz  zu  stumm:  keine  laute  noch  stumme  klage
Br.  v.  Mess.  2691;  in  besonderen  Anwendungen:  der
schnee  ist  laut,  wenn  er  knarrt,  das  wetter,  wenn  die
Luft  die  Schallwellen  weit  trägt,  die  see,  wenn  sie  tost;
hinunter  in  die  laute  see  Grillparzer  3,  240;  von
dem  Getose  der  Welt:  lasz  deine  sorgen  in  der  lauten

lautbar  —  lanten.

Sinne,  in  älterer  Spr.  mit  Dat.:  oben  hin  wie  man  welt  Körner  Rosam.  2,  9;  von  fröhlich  Ausgelassenen:

eim  grindigen  luszt  S  Franck  Sprichw.  2,  59;  auch
mit  Acc.,  wie  jetzt  allgemein:  deine  kleider  lausest  (du
Bettler)  H  Sachs  1,4,  24;  sie  lausen  einander  Steinbach;
  eure  köpfe  lausend  Tieck  Octav.  266;  sprichwörtlich:
  narren  soll  man  mit  kolben  lausen  Simrock
  397;  übertragen  in  mancherlei  Weise;  einem  und
einen  lausen,  derb  beikommen,  kriegen,  prügeln:  wolten
im  darnach  gelaust  und  gekempelt..  haben  Aventin
1,  308;  (er)  wird  sie  aber  schon  wieder  dafür  lausen

Goethe  Götz  1;  er  musz  einmal  kommen  und  uns  den
pelz  lausen  Luther  Tischr.  424b;  jemanden  den  beutel

lausen,  ihm  Geld  abschwatzen  Adelung;  sich  lausen,
lausig,  filzig  bezeigen:  wer  aber  ich  mit  der  zahlung
  lausen  thut  Philander  2,  749.  —  Lauser,  m.
der  Läuse  sucht,  bildlich  für  einen  armen  Teufel,  Lump:
wer  ist  der  arme  lauser?  Riederer  233;  für  einen
Knicker,  Filz:  eim  lauser  stehets  nicht  wol  an,  das  er
Läusen  behaftet,  voll  Läuse:  pediculosus  luszig  Dief.;
mit  Umlaut  läusicht  Stein  bach;  ein  lausiges  gewandt
Fastn.  Sp.  633,  10;  lausige  hurenbelg  Garg.  83;

übertragen  =  lumpig,  schäbig,  bettelhaft,  in  derber  Rede:

der  lausigte  kerle  Weise  Erzu.  19;  ein  lausger,  lumpger

dieb  Grillparzer  10,  210;  ein  lausiges  spiel  Keller

Werke  8,  183;  auch  in  der  Verstärkung  flzlausig  (s.  d.);  —
knickerig,  schmutzig  geizig:  dise  lausig  rot  der  wuecherer
und  küssenpfennig  Aventin  1,  1159.

Laut,  m.  was  hörbar  ist,  Ton,  Schall,  Stimme,  mhd.
lüt,  ahd.  nicht  bezengt:  ron#us,  sonitus,  skrepftus,  tonus
lut,  laut  Dief.;  beller,  tunkeler,  scharfer  laut  Stieler;
von  ihm  muszte  kein  kläglicher  laut  .  gehöret  werden
Lessing  Laok.  4,  3;  wird  das  lied  nun  immer  tönen
mit  dem  ernsten,  scharfen  laut?  Uhland  78;  kleines
lauts  Ayrer  1557,  28  von  Menschen  die  niedergeschlagen

und  verzagt  sind,  vgl.  kleinlaut;  in  der  Grammatik
seit  16.  Ih.,  mit  zahlreichen  Zusammensetzungen  (an-,

in-,  auslaut;  doppel-,  hauch-,  neben-,  bei-,  um-,  ablaut
u.  a.);  in  der  Spr.  der  Kanzlei  von  einem  verlesenen
Schriftstücke,  vgl.  auch  wortlaut;  in  der  Formel  nach
laut,  eigentlich  nach  dem  laut  verlesenen  Inhalte,  dann
—  nach  Inhalt  überhaupt:  nach  laut  obgnanten  vertrags
  Aventin  2,  ;  verkürzt  zu  bloßem  laut:  lut  des
artikels  D.  Städtechr.  5,  393;  laut  des  geschlosznen
bundes  Schiller  Karl.  5,  8;  auch  statt  des  Gen.  mit
dem  Dat.:  laut  dem  vorbericht  Goethe  33,  45;  des
lauts  —  des  Inhalts:  stein  .  in  dem  fast  dieses  lauts
lateinisch  war  gegraben:  bier  liegt  ein  groszer  schatz
Opitz  1,  129;  lauts  nach  Inhalt:  auf  den  tag,  da  gott
richten  wird,  lauts  meines  evangelii  Röm.  2,  16.—
laut,  deutlich  schallend  oder  hörbar;  westgerm.  Adj.  altengl.
  altsächs.  hlüd,  abd.  hlat.  mhd.  lat,  eigentlich  Partizip
  mit  der  Bedeutung  gehört  zu  einer  Verbalwurzel
bla-,  die  im  Griechischen  als  klyein,  lat.  als  eluere
hören,  austritt  und  zu  der  auch  das  griech.  klyts,  lat.
M.  Heyne,  Deutsches  Wörterbuch,  II.

die  gesellschaft..  fing  an  sehr  laut  zu  werden  Goethe

W.  Meister  2,  11;  von  einem  Vorwitzigen,  Prahlenden,
Zankenden  u.  a.:  er  macht  sich  recht  laut;  bei  den
Jägern  laut  von  halse  sein,  bei  guter  Stimme;  von
den  Jagdhunden  laut  geben,  durch  Bellen  ein  Zeichen
geben;  —  gemildert  zu  der  Bed.  ausgesprochen,  im
Gegensatz  zu  wissen  oder  denken:  indem  er  laut  zu  denken
sich  erlaudte  Goethe  W.  Meister  8,  10;  wünsche  laut
werden  lassen;  auch  —  öffentlich,  kund  für  eine  größere
Anzahl  Leute:  da  nu  das  gebot  und  gesetz  des  königes
laut  ward  Esther  2,  8;  (Brief)  der  das  geheimnis  unsers
umgangs  laut  machen  soll  Schiller  Karl.  5,  11;
nöthge  mich  zu  einem  lauten  bruche  vor  der  zeit  Picc.
5,  3;  =  deutlich,  ausgesprochen:  bei  diesem  lauten
berufe  zum  genusz  der  welt  Karl.  2,  S.  —  lautbar,  mhd.
lũtbære,  Laut  gebend,  hallend,  tönend:  laszt  eure  stimme
lautbar  sein  Opitz  Psalmen  185;  ihr  lautbar  vögelein
Spee  Trutzn.  78,  24;  häufiger  =  öffentlich,  unter  die
Leute  dringend  (mit  Bezug  darauf  wol  schon  die  ahd.
Umdeutung  liutpäro  neben  lütpäro):  dis  ist  balde  lautbar
  worden  2.  Mace.  1,  33.  —  Laute,  k.  1)  Stimme,
Ton,  ahd.  blati  und  hlata.  mhd.  liute  und  late,  in
älterer  Spr.  —  Sage,  Gerücht:  die  laut  hie  ist  (das
Gerücht  geht)  D.  Städtechr.  3,  398;  Inhalt  (vgl.  dazu
das  Masc.  laut):  nach  lawte  der  briefe  1,  172;  in  der
Jägerspr.  noch  im  ursprünglichen  Sinne,  Stimme  des
Hundes:  der  hund  hat  eine  gute  laute.  2)  anderes
laute,  Name  eines  Saiteninstrumentes  arabischen  Ursprungs;
  aus  dem  arab.  al  uck  entlehnt,  über  die  romanischen
  Gebiete  zu  uns  gekommen,  portugies.  alaud,  span.
laud,  altfranz.  leuth,  später  luth,  mhd.  lüte:  kuta  lute,
luthe,  lutb,  laut  Dief.;  schall  der  .  lauten  und  allerlei
seitenspiel  Dan.  3,  5;  haben  beide  die  lauten  geschlagen.
Zimm.  Chron.  1,  408;  susze  lieder  in  die  laute  singen
Hölty  139;  dann  klingt  die  laute  bezaubernd  U;  1,  11;
alle  kleinen  stücke,  die  ich  von  der  laute  greife  Seume
Spaz.  2,  166;  im  19.  Ih.  nur  noch  Dichterwort,  da
das  Instrument  nicht  mehr  gespielt  wird:  beim  klange
verbuhlter  lauten  Uhland  186.  —  Zusammensetzungen:
zu  2:  Lautenbuch,  n.  Lehr=  und  Ubungsbuch  für  die
Laute.  —  Lautenmacher,  m.  Verfertiger  von  Lauten.  —
Lautenspiel,  n.  Spiel  auf  der  Laute.  —  Lautenspieler,  m.
der  die  Laute  spielt.

Lauten,  einen  Laut  von  sich  geben,  ahd.  hlaten,
mhd.  lüten:  sonare  luden,  luten,  lauten  Dief.;  von
allem  Tönenden,  dem  Schalle  von  Musikinstrumenten,
Glocken  u.  a.:  an  welchem  ort  ir  nu  die  posaunen
lauten  böret  Neh.  4,  20;  pfeifen  und  harfen  lauten  wol,
aber  eine  freundliche  rede  besser  denn  beide  Sir.  40,  21;
von  Glocken  (jetzt  in  der  Schristspr.  meist  durch  intranf.
läuten  verdrängt):  die  glocke  zur  hora  lautet  Schiller
Karl.  2,  14;  sprichwörtlich,  von  einem,  der  etwas  nicht
ordentlich  weiß:  der  mann  hat  lauten  hören,  aber  nicht
zusammen  schlagen  Lessing  ant.  Briefe  9;  in  Bezug

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