Volltext : Das Staatsrecht der Preußischen Monarchie. Zweiter Band. (2)

Die  Bezirksregierungen.  (§.  92.)  545

Zur  Zuständigkeit  des  Bezirksausschusses  als  Beschlußbehörde  gehören  nach  dem  Zuständigkeitsgesetz
  v.  1.  Aug.  1883  und  dem  L.  V.  G.  v.  30.  Juli  1883  folgende  Sachen:

I.  Erlaß  von  Polizeivorschriften:
1.  Der  Regierungspräsident  bedarf  für  die  gemäß  §§.  137,  138  L.  V.  G.  zu  erlassenden
  Polizeivorschriften  der  Zustimmung  des  Bezirksausschusses  (§.  139  a.  a.  O.).

2.  Der  Bezirksausschuß  kann  auf  Antrag  der  Behörde  durch  Beschluß  die  vom  Gemeindevorstand
  versagte  Zustimmung  zum  Erlaß  ortspolizeilicher  Vorschriften,  die  nicht
zum  Gebiete  der  Sicherheitspolizei  gehören,  ergänzen  (§.  143  a.  a.  O.).

3.  Die  dem  Regierungspräfidenten  zustehende  Befugnis,  orts  zoder  kreispolizeiliche  Vorschriften
  außer  Kraft  zu  setzen,  darf  mit  Ausnahme  von  Fällen,  die  keinen  Aufschub  zulassen,
  nur  mit  Zustimmung  des  Bezirksausschusses  ausgeübt  werden  (F.  145  a.  a.  O.).

II.  In  kommunalen  Angelegenheiten:

1.  Der  Bezirksausschuß  beschließt  (vorbehaltlich  der  Klage  beim  Bezirksausschusse)
in  den  Fällen  der  Veränderung  der  Kreisgrenzen  und  der  Bildung  neuer  Kreise  sowie
des  Ausscheidens  großer  Städte  aus  dem  Kreisverbande  über  die  Auseinandersetzung  der
beteiligten  Kreise  (§.  2,  Zust.  Ges.).

2.  Die  Revision,  endgültige  Feststellung  und  Abänderung  der  Amtsbezirke  (§.  49,
Abs.  2  der  östl.  Kreisordnung),  die  Vereinigung  ländlicher  Gemeinde=  und  Gutsbezirke
bezüglich  der  Verwaltung  der  Polizei  mit  dem  Bezirke  einer  Stadt  (§.  49a,  Absl.  1
G.  a.  O.)  sowie  die  Ausscheidung  der  ersteren  aus  dem  Amtsbezirk  (§.  49a,  Abs.  3  a.  a.  O.)
erfolgt  im  Geltungsbereich  der  Kreisordnung  für  die  östlichen  Provinzen  v.  13.  Dez.  1872
nach  vorheriger  Anhörung  der  Beteiligten  und  des  Kreistages  durch  den  Minister  des
Innern  im  Einvernehmen  mit  dem  Bezirksausschusse  (§.  6,  Zust.  Ges.).

3.  Der  Bezirksausschuß  beschließt,  soweit  die  Beschlußfassung  nach  den  Gemeindeverfassungsgesetzen
  der  Aufsichtsbehörde  zusteht,  über  die  Veränderung  der  Grenzen
der  Stadtbezirke.  Er  beschließt  über  die  infolge  einer  Veränderung  der  Grenzen  der
Stadtbezirke  notwendig  werdende  Auseinandersetzung  zwischen  den  beteiligten  Gemeinden,
vorbehaltlich  der  den  letzteren  gegeneinander  zustehenden  Klage  im  Verwaltungsstreitverfahren
(F.  8,  Zust.  G.).  Über  die  Festsetzung  streitiger  Grenzen  der  Stadtbezirke  beschließt
vorläufi,  sofern  es  das  öffentliche  Interesse  erheischt,  der  Bezirksausschuß.  Bei  dem
Beschlusse  behält  es  bis  zur  rechtskräftigen  Entscheidung  im  Verwaltungsstreitverfahren
sein  Bewenden  (§.  9,  Abs.  2,  Zust.  Ges.).

4.  Der  Bezirksausschuß  beschließt,  soweit  die  Beschlußfassung  nach  den  Gemeindeverfassungsgesetzen
  der  Aufsichtsbehörde  zusteht,  über  die  Zahl  der  aus  jeder  einzelnen
Ortschaft  einer  Stadtgemeinde  zu  wählenden  Mitglieder  der  Gemeindevertretung,  über
die  Vornahme  außergewöhnlicher  Ersatzwahlen  zur  Gemeindevertretung  oder  in  den  Gemeindevorstand
  der  Stadtgemeinden  (§.  12,  Zust.  Ges.).

5.  Die  Bestätigung  der  Wahlen  von  städtischen  Gemeindebeamten,  soweit  dieselbe
nach  Maßgabe  der  Gemeindeverfassungsgesetze  den  Aufsichtsbehörden  zusteht,  kann  vom
Regierungspräsidenten  nur  unter  Zustimmung  des  Bezirksausschusses  versagt  werden
(§.  13,  Zust.  Ges.).  Er  beschließt  ferner  über  die  Gültigkeit  von  Wahlen  solcher  städtischen
Gemeindebeamten,  welche  der  Bestätigung  nicht  bedürfen,  soweit  die  Beschlußfassung  der
Aufsichtsbehörde  zusteht  (§J.  14,  Zust.  Ges.).

6.  Er  beschließt  über  die  in  den  Gemeindeverfassungsgesetzen  der  Aufsichtsbehörde
vorbehaltene  Bestätigung  (Genehmigung)  von  Ortsstatuten  und  sonstigen  die  städtischen
Gemeindeangelegenheiten  betreffenden  Gemeindebeschlüsse  (§.  16,  Abs.  3,  Zust.  Ges.;
Ausnahmen  Abs.  1  u.  2).

7.  Er  beschließt  als  Aufsichtsbehörde  über  Streitigkeiten  von  städtischen  Gemeindeorganen
  unter  sich,  sowie  an  Stelle  beschlußunfähiger  oder  aufgelöster  Gemeindeorgane,
ferner  in  einzelnen  anderen  gesetzlich  bestimmten  Fällen,  nach  Maßgabe  der  Vorschriften
im  §.  17,  Zust.  G  "

8.  Er  ist  zur  Mitwirkung  berufen  im  Disziplinarverfahren  gegen  städtische  Beamte

v.  Rönne  Zorn,  Preuß.  Staatsrecht.  5.  Aufl.  II.  35