Die Volksschule. 47
zu Christen zu erzielen, hierzu aber den Gottesdienst, die Schule und die
Privatseelsorge als untrennbare und sich ergänzende Mittel zu benützen.
Auch in der Schule sei die religiöse Bildung und die Befestigung im Glauben
die Hauptsache; gegen sie trete der Unterricht in weltlichen Fertigkeiten
entschieden zurück, und jedenfalls müsse derselbe so eingerichtet
sein, dass er die religiöse Gesinnung nicht nur nicht beeinträchtige, sondern
er vielmehr vollständig von ihr durchdrungen und geleitet werde. Alle irdischen
Zielpunkte der Erziebung fügen sich dem höchsten derselben, dem
des christlichen Lebens und des Seelenheiles. Hiernach sei der Lehrstoff
und die Methode zu bestimmen, die für jeden Unterrichtsgegenstand erforderliche
Zeit zu bemessen, vor Allem aber der ganze Geist der Schule zu
ordnen. Unveräusserliches Recht der Kirche sei es, die ihr für nöthig erscheinenden
Schulen zu errichten und in denselben die von ihr für geeignet
erachteten Lehrer und Lehrkörperschaften zu verwenden. Aber auch in
Beziehung sämmtlicher anderer Schulen sei bei der Untrennbarkeit der
weltlichen und der religiösen Bildung die Leitung des Volksunterrichtes
durch die Kirche selbstverständlich ). Auch besitze sie vorzugsweise das
1) Es bedarf Übrigens nicht erst der Bemerkung, dass diese ganze Argumentation mehr
oder weniger auch auf den höheren Unterricht passt und somit auch eine ausschliiessliche
Unterordnung desselben unter die Gelstlichkeit sich auf dieselbo gründen lässt. Wenn nämlich
allerdings bei Gebiüldeteren und bei längerer Schulzeit ein getrennter Unterricht in der Religion
und in der Wissenschaft ohne Zerstörung der nothwendigen harmonischen Ausbildung
möglich Ist, so Ist cs immerhin vorsichtiger, beide in der Art zu verbinden, dass auch die
Wissenschaft nach Mothode und nach Inhalt vollständig im Einklange mit der Kirchenlehre
gehalten bleiben. Dadurch wird der Jugend Verglelchung, Zweifel und selbatstindiges
Urtheil erspart, somit mancher Verlust an Gläubigen vermieden. Wenn trotz desaen In Betreff
des höheren Untorrichtes, also der Gymnasion, Gewerbeschulen, Univeraltäten, die
analoge Forderung nicht mit voller Strenge gestellt, wenigstens nicht so aufrecht erhalten
worden ist, so tragen daran dem Willen fremde, unüberwindliche Ilindernisse die Schuld.
Die Sache gehört zunächst nicht hicher,; doch mögon zur Gewinnung einer allgemeinen
Uebersicht einige kurzo Andeutungen auch über diese Seite der klerikalen Thütlgkelt gestattet
scin, namentlich auch In der Richtung, wie weit hier cin Erfolg erreicht wurde und
werden konnte. — DIo Wissenschaften hatten In den Liündern freier golstiger Bewegung,
also in den protestantischen und aufrichtig paritätischen, cinen solchen Aufschwang genommen,
dass eine Abrichtung In mönchlischer Metbode und sachlicher Dürftigkelt unmöglich
die Concurrenz mit ihnen bestohen konnte; die öffentliche Meinung, das tügliche Bedürfniss,
der Staat selbst verlangten gebieterlsch andere Ergebnisse, somit auch andere Methoden
undLchrer. Ucberdiess war die In manchen Ländern stantsrechtlich ausgesprochene Glelchberechtigung
aller Confessionen, namentlich die Befühlgung zu nlien öffentlichen Acmtern
für Jeden Befühlgten ohne Rücksicht auf Rellglon, eine ernstliche Verlegenhelt. 'Theilweises
Nachgeben war somit nieht zu vormelden, und os handelte sich nur davon, von der apeci-Nsch
katholischen Erziehung 80 viel als möglich zu retten. Hllerzu wurden denn aber
dreierlel Mansaregeln ergriffen. — Vor Allem gieng das Bestreben dahin, wenigstens noch
einzelne ausschliesslich unter der Geistlichkelt stehende, wo möglich von Mönchen geleitete
Lehranstalten aufrecht zu erhalten oder neu zu gründen, scl es Penslonnte, sei es Anstalten
mit externen Schülern. Wenn nuch damit nur ein numerlsch geringer ‘Theil dor Jugend
vor Ansteckung bewahrt wurde, so konnte doch immerhin ein Kern unverfülschter Bildung
erhalten werden und mochte man hoffen durch den Stand und somit die wahrscheinlicho
künftige Stellung die Zahl zu ersetzen. So welt die Forderungen der Regierungen oder unabwelsbare
Bedürfnisse der Zeit, (In Folge dessen nuch die Wünscho der Aeltern) cs durchaus
nothwendig machten, mussto freilich elnem Theile der neuon wissenschaftlichen Grund-