388 17. Aulirevolution und ihre Wirkung in Deutjcyland. Friedrich Wilhelm IV.
Hier fam nur das außeröfterreichiiche Deutichland in Betracht
und der preußiiche Staat, als das größte Stüd Deutjchlands,
hatte feinen entjprechenden Anteil. Auf allen Gebieten, in Theologie
und Philojophie, in Geichichte und Naturwiflenichaft, in
Keht und Staat entjtanden in jenen Jahren die bahnbrechenden
großen Werke, von denen man nur einzelne als Beifpiele dafür
anführen mag, wie die reiche Saat, die in der jüngften Periode,
der Zeit Goethes und Schiller, ausgeftreut war, auf allen Gebieten
entjprechend reiche Ernten gab. Die Brüder Merander und
Wilhelm von Humboldt teilten fich zwilchen Natur- und Geifteswiljenichaft,
beide mit gleichem Erfolg; durch die Brüder Jakob
und Wilhelm Grimm erfolgte die Erjchliegung des deutichen Altertum3;
durch Barthold Georg Niebuhr, deffen römische Geichichte
1832 beendet wurde, die des römilchen; dv. Sapigny fehrieb jein
epochemachendes Werf über die römische Nechtsgeichichte, Eichhorn
legte den Grund zur deutichen. Gleichzeitig ward Franz Bopp der
Begründer der Wilfenjchaft der Sprachvergleihung und entjtanden
die Haffiichen Gefchichtswerfe von Raumer, Schlofjer, Ranke, worauf
1835 das bedeutjame Werf von Gerpinus, die fünfbändige Ge-Ichichte
der deutichen Nationalliteratur, folgte. Bon 1817—1840
war das Ministerium der geiftlichen Angelegenheiten in Preußen in
den Händen des TFreiherrn Karl von Altenjtein. Die8 war Die
Beit, in der die Hegeliche Philofophie die geiftige Atmofphäre erfüllte,
der der Minifter jelbjt Huldigte. Diefe Philofophie, dem
Kopf eines jchwäbilchen Theologen, Georg Wilhelm Hegel, ent-Iprungen,
umfaßte in einem tief durchdachten fühnen Syftem Die
Probleme Gott und Welt, Natur und Gejchichte, und fie gab dem
philojophiichen Denken ebenfo, wie die gleichzeitig wirkenden Geijter
Fichte, Schleiermacher, Schelling eine mächtige Anregung und eine
bequeme bald zur Mode werdende Form. DBon größter Wichtigfeit
wurde nun aber bald das Verhältnis diefer Philofophie zum
Chrijtentum, der Macht, die namentlid) in Deutichland unaufhörlich
neue Keime des Lebens und Denkens wect und jedes ernitbafte
Menjchenleben begleitet — als unumftößliche, unverändert