Metadata : Gesetz- und Verordnungs-Blatt für das Königreich Bayern. 1910. (37)

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Anhang

zur  Ministerialbekanntmachung  vom  26.  Januar  10910.

Kurze  Erläuterungen  über  das  Wesen  der  Sprengstoffe.

I.  Allgemeines.

Will  man  ein  Gestein  durch  Sprengen  lösen,  so  füllt  man  zweckentsprechend  hergestellte
Bohrlöcher  zum  Teil  mit  Sprengstoff,  auf  diesen  wird  ein  „Besatz“  aus  leichtem  Material
aufgebracht,  um  den  Explosionsgasen  in  der  Richtung  der  Bohrlochachse  einen  Widerstand
entgegenzusetzen.  Schließlich  wird  der  Sprengstoff  durch  einen  Zünder  zur  Explosion  gebracht.

Die  Sprengstoffe  äußern  ihre  Kraft  im  Augenblicke  der  Explosion,  d.  h.  beim  Übergang
  vom  festen  in  den  gasförmigen  Zustand.  Von  der  Schrelligkeit,  mit  der  sich  diese
Gase  entwickeln,  ferner  von  dem  Verhältnis  des  Naumes  der  entwickelten  Gase  zu  dem  des
festen  Körpers  hängt  im  allgemeinen  die  Wirkung  der  verschiedenen  Sprengstoffe  ab.

Ein  Sprengstoff,  bei  dem  die  Entwicklung  der  Gase  weniger  schnell  vor  sich  geht,
wirkt  in  der  Weise,  daß  er  das  ihn  umgebende  Gestein  auseinander  schiebt  und  wegdrückt,
ohne  es  zu  zermalmen.  Ein  Sprengstoff  dagegen  mit  plötzlicher  Entwicklung  der  Gase,
brisanter  Sprengstoff  genannt,  zermalmt  die  ihn  umgebenden  Gegenstände  in  kleine  Stücke
und  schleudert  sie  weit  fort.

Je  nach  dem  Zwecke,  den  man  mit  der  Sprenqung  verfolgt,  verwendet  man  die  eine
oder  die  andere  Art  von  Sprengstoffen.

II.  Arten  don  Sprengstoffen.

Zu  den  in  der  Praxis  am  meisten  verwendeten  Sprengstoffen  zählen:  das  Schwarz—
pulver,  die  Dynamite,  die  handhabungessicheren  Sprengstoffe,  die  Chloratund
  Perchloratsprengstoffe.

1.  Das  Schwarzpulover.

Das  Schwarzpulver  besteht  aus  einer  Mischung  von  Salpeter,  Schwefel  und  Holzkohle.
Es  gehört  zu  den  Explosivstoffen  mit  langsamer,  drückender  Gasentwicklung.

Schwarzpulver  ist  überaus  leicht  entzündbar,  ferner  sehr  empfindlich  gegen  mechanische
Einwirkungen,  wie  Stoß,  Schlag  oder  Reibung  an  harten  Körpern;  bei  rascher  Erhitzung
auf  270  bis  3000  C  explodiert  es.  Gegen  feuchte  Luft  ist  das  Schwarzpulver  sehr
empfindlich;  in  Berührung  mit  Wasser  verliert  es  seinen  Zusammenhalt  und  wird  unbrauchbar.