Full text : Geschichte des Preußischen Staates

Europäjüsche  Lage.  253

Gewähr  für  Stettin  und  das  Land  bis  zur  Peene  mußte  Peter  in  einer  neuen
Zusammenkunft  zu  Havelberg  seine  Zustimmung  geben.  Viel  schwieriger  war,  das
Verhältnis  zu  England  aufrecht  zu  erhalten,  da  die  welfischen  Pläne  des  Königs
Georg  I.  den  Beifall  des  Kaisers  hatten,  und  sogar  ein  dem  Bündnis  beider
Staaten  entgegengesetzter  Vertrag  Englands  mit  Frankreich  in  Wien  deshalb  gutgeheißen
  wurde,  weil  er  das  beste  Mittel  sei,  Preußen  niederzuhalten.  Der  Kaiser
brauchte  dieenglische
Flotte  gegen  die
Spanier,  und  wenn
er  dafür  die  hannöverschen
  Absichten
gegen  Preußen
unterstüzen  mußte,
o  war  ihm  dies  um
aso  willkommener.
Ja  selbst  seinen
Anspruch  auf  die
spanische  Krone  gab
er  auf  und  trat  dem
Bunde  Englands
und  Frankreichs  bei
(April  1718).
Brüsk  und  rücksichtslos
  ging  König
Georg  daher  gegen
Preußen  vor.  Gegen
die  Rückgabe  Verdens
  an  Schweden
hoffte  er  für  Hannover
  Vorpommern
zu  gewinnen,  und
zur  Erwerbung
Mecklenburgs  bot
ihm  der  Kaiser  bereitwillig
  die  Hand,
indem  er  ihm  die  m  «
Exekution  gegen  den  Fürst  Leopold  von  Anhalt-Dessan.
Herzog,  der  im  Nach  dem  Original  von  Thomas  Huber  (1700—1779)  im  Stadtschloß  zu  Potsdam.
Kampf  mit  seinen
Ständen  die  ärgsten  Rücksichtslosigkeiten  übte,  übertrug.  In  Rostock  waltete  eine
kaiserliche  Kommission,  besetzt  aber  war  das  Land  von  den  Hannoveranern.  Doch
auch  unmittelbar  schritt  der  Kaiser  wider  König  Friedrich  Wilhelm  ein,  als  dessen
Stände  in  der  Altmark  und  im  Magdeburgischen  dem  Könige  sich  widersetzten.  Er
hob  kurzerhand  landesherrliche  Verordnungen  auf  und  entband  die  Stände  von
ihrem  Gehorsam  gegen  den  König.  Hatte  er  doch  die  Zustimmung  Hannover=Englands
  und  Sachsen-Polens,  dessen  Kurprinz  eben  damals  zum  Katholizismus
übertrat,  die  Hand  einer  Erzherzogin  zu  erlangen  suchte  —  wie  sollte  er  nicht  der