Full text : Lehrbuch der bayerischen Geschichte.

Beilagen  zum  fünften  Zeitraum.  459

65.  Eines  Tags  jagte  ein  Schiff,  auf  welchem  sich  Anhänger  der  Margaretha
  befanden,  einem  von  Wilhelms  Parteigängern  besetzten  Schiffe
nach  und  gab  diesem  auf  sein  Anrufen,  was  es  denn  wolle,  spöttisch  zur
Antwort:  „Euch  wie  Kabeljaus  (Stockfische)  mit  Angelhacken  fangen!“  Seitdem
  wurden  die  Anhänger  Margaretha's  von  den  Angelhacken  Häcks,
Hocks  (spr.  Huhks),  Häcken  ser  oder  Hamati,  d.  h.  die  mit  Angelhaken
Versehenen,  genannt,  die  Anhänger  Wilhelms  dagegen  von  Kabeljaux  oder
Stockfsisch  Kabeljauer,  Kabeljaus,  Kabelgenser  oder  Asselati,  weil
ße  *  Gegner  wie  der  Kabeljaux  die  bleiernen  Lockfische  zu  verschlingen
rohten.

66.  Siehe  die  genealogische  Tafel  der  Häuser  Holland  und  Hennegau
  unter  Ziffer  50  der  Beilagen.

67.  Kaiser  Karl  1V,  dem  es  gelungen  war,  viele  Ortschaften  in  der
Oberpfalz  an  sein  Haus  zu  bringen,  hatte  es  darauf  abgesehen,  die  Grenze
seines  Reiches  bis  an  die  Donau  zu  erweitern.  Der  damalige  Bischof  von
Regensburg,  Namens  Friedrich,  ein  Herr  von  hoher  Geburt,  aber  voll
Schulden,  sollte  ihm  dabei  behülflich  sein.  Er  versprach  diesem  bei  einer  Zusammenkunft
  zu  Sulzbach  in  der  Oberpfalz  (12.  Juli  1355)  eine  Herrschaft
ein  Böhmen  und  eine  große  Geldsumme,  wenn  er  ihm  die  bischöflich  -regensburgische
  Herrschaft  Donaustauf  mit  den  zwei  festen  Schlössern  an  der
Donau,  Stauf  und  Wörth,  überlassen  wolle.  Friedrich  willigte  ein,
ohne  sein  Kapitel  und  ohne  die  Herzöge  von  Bayern  zu  befragen,  welche  der
bischöflichen  Lande  oberste  Vögte  und  Beschützer  waren  und  gegen  die  Besetzung
fester  Plätze  an  der  Donau  durch  eine  fremde  Macht  nicht  gleichgültig  sein
konnten.  Kaum  war  die  Sache  laut  geworden,  so  waren  schon  böhmische  Truppen
  in  der  Burg  Stauf  (1355).  Peter  von  Eck  (so  benannt  nach  seinem
Schlosse  Eck  bei  Deggendorf),  der  Vitzthum  des  abwesenden  Herzogs  Albrechtl
von  Straubing  (dieser  war  auf  einer  Reise  zu  seiner  kranken  Mutter  Margaretha
  nach  den  Niederlanden  zu  Anfang  dieses  Jahres  von  dem  Markgrafen
  von  Jülich  gefangen  worden  und  noch  immer  nicht  nach  Bayern
zurückgekommen)  war  heimlich  mit  dem  Kaiser  verstanden  und  hatte  die
freiwillige  Oeffnung  dieser  in  jener  Zeit  uneinnehmbaren  Bergfestung  bei
der  dort  liegenden  Besatzung  bewirkt.  Kaiser  Karl  kam  selbst  herbei  und
ließ  sich  von  den  bischöflichen  Unterthanen  huldigen.  Sein  Versuch,  auch  die
Veste  Wörth  zu  nehmen,  mißlang,  weil  Friedrich  Auer  von  Premberg,
dem  sie  der  Bischof  Friedrich  von  Regensburg  verpfändet  hatte,  die  Herausgabe
  verweigerte.  Das  bischöfliche  Kapitel  protestirte  gegen  den  eigenmächtigen
  Verkauf  des  Bischofs  und  wandte  sich  an  den  päpstlichen  Stuhl.  Auch
die  Herzöge  von  Bayern  legten  sich  ins  Mittel,  besonders  Herzog  Albrecht  I
von  Niederbayern-Straubing,  der  inzwischen  seiner  Haft  entkommen
und  nach  Bayern  zurückgekehrt  war.  Den  Vitzthum  Peter  von  Eck,  seinen
vormaligen  Hofmeister  und  Erzieher,  welcher  bei  der  Landestheilung  ihm
wesentliche  Dienste  geleistet  und  diesen  schönen  Theil  des  Landes  verschafft
hatte,  entsetzte  er  sogleich  seines  Amtes,  das  er  treulos  mißbraucht  hatte,
worauf  sich  Eck  aus  Furcht  vor  schärferen  Ahndungen  in  seine  Veste  Natternberg
  einschloß.  Daher  zogen  die  Herzöge  Albrecht  1  von  Straubing
und  Stephan  II  von  Landshut  vor  Natternberg  und  suchten  Eck  in
ihre  Gewalt  zu  bekommen.  Ein  böhmisches  Heer,  welches  im  April  1357
unter  Karls  eigener  Anführung  dem  Eck  zu  Hülfe  zog,  ging  bei  Stauf  über
die  Donau,  um  den  bayerischen  Herzögen  in  den  Rücken  zu  fallen  und  sie
zur  Aufhebung  der  Belagerung  von  Natternberg  zu  zwingen.  Schon  standen
Bayern  und  Böhmen  schlagfertig  einander  gegenüber,  als  Gesandte  des
Herzogs  Albrecht  II  von  Oesterreich  einen  Wasffenstillstand  vermittelten,
den  Karl  im  Gefühl  seiner  Schwäche  auch  unverzüglich  annahm.  Diesem
zufolge  wurde  die  Veste  Natternberg  den  herzoglich  bayerischen  Truppen