242 Das Donaureich in der neuen Ära.
constitutionellen Rechte zu bewegen, und im Krieg der Jahre
1848 und 1849 maassen sie ihre nationale Kraft mit der deutschslawischen
Macht der Centralregierung. Die Moskau-Reisen der
Czechen im Jahre 1867 und ihre hussitischen Aufzüge mit dem
Abendmahlskelch des böhmischen Reformators im Jahre 1868
waren nur flüchtige und wechselnde Programme wie sie Kossuth
aus der Verbannung an seine Nation erliess.
Dazu erfuhren die Czechen die Kränkung, dass ihre
slawischen Rivalen innerhalb der cisleithanischen Reichshälfte,
die Polen Galiziens, in den Augenblicken, wo deren günstige
Stimmung während einer antirussischen Politik der Wiener
Centralregierung brauchbar erschien (im Jahr 1868), Privilegien
für ihre Sprache in den Unterrichtsanstalten und im Verkehr
mit den Behörden zu erringen wussten. Wie aber auch der
innere Zwiespalt die diesseitigen Slawen an cinem gemeinsamen
Vorrücken gegen die deutsche Centralleitung hindern mag, so
gewinnen doch ilıre vereinzelten Ansätze an Terrain für ihre
Sprache und selbst das endliche Scheitern des Hohenwartschen
Föderativ-Cabinets vom Jahre 1871 und die scheinbare Unfruchtbarkeit
des jetzigen Coalitions-Cabinets des Grafen Taaffe dienen
nur dazu, den slawischen Gedanken der Autonomie und eines
staatsrechtlichen Ausgleichs ihrer Gruppen mit Wien immer
von neuem zu beleben und zu stärken. Der neue Ansatz der
Czechen und Polen hat diesmal sogar die Slowenen der südlichen
Karst-Länder mit Mutlı und Zuversicht erfüllt.
Das Erfreulichste und Erbaulichste in dieser Erschlaffung
der Centralisation ist für die Magyaren das Schauspiel des
Missmuths, zu welchem die Deutschen der westlichen Reichshälfte
herabgesunken sind. Nur mit den lIintwürfen der Politik
beschäftigt, haben diese Kinder der Pussta die Cultur-Anlagen
der Bach’schen Periode, Wege, Chausscen, Brücken verfallen
lassen. Sofort im ersten Jahr nach dem Ausgleich von 1867
begannen sie die rücksichtslose Unterwerfung der Sprache, des
hergebrachten Rechts und des Unterrichtswesens ihrer Deutschen
und Slawen unter das Magyarenthum und der Schrei der Überwältigten,
wenn auch ein abgebrochenes Echo desselben nach
dem Westen drang, wurde doch bald wieder vergessen, weil
Ungarn das Privilegium besass, weit hinten wie die Türkei zu
liegen. Nachdem die Magyaren im Namen des Nationalprincips
aufgestanden waren und die Bewunderung Europa’s gewonnen