Die im Reservelazarett und im Konzerthaus in Magdeburg untergebrachten 150 französischen Verwundeten
richteten ein Schreiben an den Leiter der Lazarette, Medizinalrat Keferstein, in welchem sie für
die aufopfernde Behandlung und liebevolle Pflege ihren tiefgefühlten Dank aussprechen. Sie erkennen besonders
an, daß ihnen gestattet sei, ihren Angehörigen in der Heimat Nachrichten zukommen zu lassen. Die Verwundeten
stammen aus dem 9. Bataillon der Chasseurs à pied in Longwy.
Der Hafen von Southampton ist für Handelsschiffe bis auf weiteres geschlossen.
Ein Zeppelinschiff unternahm in der letzten Nacht eine Streiffahrt ohne jedoch nach Ostende zu kommen.
Es überflog Almost, Gent und Deynzo, wo es um 1,30 fünf Bomben warf. Darauf wandte sich das
Luftschiff nach Thouront in der Richtung auf Courtrai und Tournai nach Osten.
Aus dem Gefangenenlager bei Soltau, in der Lüneburger Heide in Hannover, sind am 27. September
drei belgische Kriegsgefangene entwichen. Unter denselben war ein schwer bestrafter Mann. Ein anderer
belgischer Kriegsgefangener wurde von dem Posten in dem Augenblick angehalten, als er fliehen wollte. Obwohl
er für diesen Fluchtversuch nur eine geringe Strafe erhalten hätte, erhängte er sich in seiner Zelle.
Die Militärpolizeibehörde von Metz teilt mit, daß bei Firmen und Geschäftsaufschriften der französische
Text zu entfernen ist, englische Inschriften sind überhaupt zu entfernen.
Die im Kapern und Stehlen geübten Engländer haben dem Herrn Krupp von Bohlen und Halbach
seine Yacht Germania weggenommen. Dieselbe traf seinerzeit in Southampton ein, um an den Regatten
in Cowes teilzunehmen.
General von Mackensen, der Kommandant des 77. Armeekorps, erließ folgenden Tagesbefehl:
Soldaten des 17. Armeekorps! Gestern (den 10. September bei Possessern) habt Ihr gegen zwei feindliche
Fronten gefochten, den Feind einerseits bei Kruglanken, andererseite bei Possessern aus seinen nach
allen Regeln der Kunst befestigten und geschickt verteidigten Stellungen geworfen und damit auch den Kameraden
vom 1. Armeekorps Mut gemacht. Das Zusammenwirken der Infanterie und Artillerie gegen die feindlichen
Stellungen war vielfach mustergiltig. Fast jeder Truppenteil des Armeekorps hat durch besondere Leistungen
zum Erfolge des Tages beigetragen. Die erste Kompagnie des Danziger Infanterie-Regimente Nr. 128
hat eine Batterie von 8 Geschützen im Feuer genommen, das Infanterieregiment von Borcke durch seinen Angriff
den Kampf bei Kruglanken entschieden. Das Armeekorps bat dank seiner Tapferkeit die schwere Aufgabe
erfüllt, die ihm gestellt war. Der 9. September wird für alle Teile ein Ehrentag des 17. Armcekorps und
damit eines jeden Kämpfers bleiben. Ich danke allen Offizieren und Mannschaften für die erneut gegebenen
Beweise kriegerischen Manneswertes. Glückauf! Ihr Kameraden zu neuen Taten. Die Russen müssen aus
Preußen heraus! Der kommandierende General gez. von Mackensen.
Dem Kapitänleutnant von Weddigen, Kommandant des U. 9, verlieh der König von Sachsen das
Ritterkreuz des Militär-St. Heinrich-Ordens, sowie zwei weiteren Angehörigen der Besatzung sächsische Auschnungen.
Anläßlich der Heldentat depeschierte das österreichische Kriegsministerium dem Reichsmarineamt folgendes:
Zu der hervorragenden, von einem beispiellosen Erfolge gekrönten Ruhmestat des heldenmütigen Unterseebootes
bittet das k. k. Kriegeministerium, Marinesektion im Namen des Flottenkommandanten der gesamten
Kriegsmarine seinen herzlichsten und kameradschaftlichen Glückwunsch entgegenzunehmen und diesen auch den
Kameraden der glorreichen deutschen Kriegsmarine gütigst zu übermiteln. Staatssekretär von Tirpitz antwortete
hierauf: Dem k. k. Kriegeministerium, Marinesektion, sowie dem Herrn Flottenkommandanten der
gesamten Kriegsmarine sage ich im Ramen der kaiserlichen Marine für den kamerabschaftlichen Glückwunsch
zum Erfolg des U 9 meinen wärmsten Dank. Möge die Waffenbrüderschaft der beiden Marinen noch
durch manch weitere Tat in der Adria und der Nordsee befestigt werden.
Dem Senat Hamburg ist folgendes Schreiben zugegangen: Er gereicht mir zu besonderer Freude, einem
Hohen Senat mitteilen zu können, daß in den Kämpfen vom 15.—18. September, in denen mein Armeekorps
südlich Noyon einen doppelt überlegenen Feind angegriffen und geschlagen hat, die Hanseaten sich ihrer Väter
würdig bewiesen haben, deren ausgezeichnete Tapferkeit ich von den Tagen von Loigny-Pouprie her aus
91