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verkündet. Das Mandat des norddeutschen Reichstages erlosch an
demselben Tage. Die „Prov. Korr.“ schrieb:
„Der Reichstag tritt von dem Schauplatze zurück, um fortan der
Gesamtvertretung der deutschen Nation seine Stelle einzuräumen. Er
scheidet mit dem Bewußtsein, durch eine reiche und fruchtbare Wirksamkeit
den Dank des Vaterlandes verdient und zur Begründung des großen
nationalen Baues wesentlich beigetragen zu haben. Schon durch seine
frühere Thätigkeit und noch mehr durch seine jüngsten Beschlüsse und
durch den patriotischen Inhalt der an den König gerichteten Adresse hat
er Zeugnis dafür abgelegt, daß ihm ein volles Verständnis für die
Stimmungen und die Bedürfnisse des deutschen Volkes beiwohnt. In
seinen Beschlüssen, wie in der Adresse lieh er der Gewißheit Ausdruck,
daß die deutsche Nation sich mit freudiger, begeisterter Zustimmung dem
durch das Einverständnis der Fürsten geschaffenen Werke anschließt,
welches durch die Herstellung von Kaiser und Reich nicht bloß die allein
würdigen Namen, sondern auch eine tiefernste, vom Volksbewußtsein
ersehnte Weihe erhält“
Das erste deutsche Vollparlament.
Der Weiße Saal des königlichen Schlosses in Berlin hat seither
keine denkwürdigere Versamlung, keinen größeren geschichtlichen Akt sich
vollziehen sehen, als am 21. März 1871. Von 12⅛ Uhr ab — laut
Ansage sollte die Ceremonie um 1 Uhr beginnen — schritten nur wenige
goldbetreßte Hofchargen sein schimmerndes Parkett auf und ab. Einige
Arbeiter waren bis kurze Zeit vor dieser festgesetzten Stunde beschäftigt,
auf den mit rotem Samt bedeckten Stufen unter dem bekannten purpurnen
Thronhimmel an der Mitte der Langwand einen Sessel aufzustellen,
dessen uraltertümliche, seltsame Gestalt und Art ihn der großen
Mehrzahl der Anwesenden zum fragwürdigsten Rätsel machte. Dieser
romantische, schwere Steinsessel in Würfelform, auf vier plumpen Bronzeknäufen
ruhend, mit Rück= und Seitenlehnen von à jour gearbeiteten,
frühmittelalterlichen Bronzeornamenten einer phantastischen Komposition
war nichts anderes als der berühmte „Kaiserstuhl von Goslar“, auf
welchem, nach der kunstgeschichtlichen und der lokalen Domsage, die alten
deutschen Kaiser des sächsischen Hauses gesessen haben sollen. Nach
mancherlei Schicksalen hatte dies historische Möbel seit einer Reihe von
Jahren Ruhe gefunden in der Waffensammlung des Prinzen Karl.
Von dort kam es zur fröhlichen Auferstehung und ward der Thron des
ersten Kaisers aus dem Hause der Hohenzollern.