Volltext : Vaterländisches Ehrenbuch II. (2)

Am  Lagerfeuer.  177

statt  Hoor  uf  Kopp,  stehl'  ich  Vaters  Hoor,  wenn  Joschi  nix  z'fressen.  Hob'
Joschi  verwundeter  'raus  aus'm  Feuer  'bracht  und  hob'  bei  Neuner-Jägern  z'
Fuß  weiter  gestritten.  Wär'  Joschi  derschoss'n  worden,  hätt'  mich  gleich  neben
Joschi  gelegt,  wär'  wie  Joschi  gesturb'n.  .  ..“

Diesmal  lachten  die  Leute  nicht.  Sie  rührte  die  Liebe  des  Husaren  zu
seinem  treuen  Tiere.

„Für  seine  Anhänglichkeit  an  sein  Roß  und  seine  Tapferkeit  bei  Oeversee
hat  Joschis  Herr  auch  eine  ehrenvolle  Dekoration  d'vongetragen“,  ergänzte  ein
Kamerad  die  Erzählung  des  braven  Reitersmannes,  der  bereits  zweiundzwanzig
Jahre  im  Dienste  seines  Kaisers  zugebracht  hatte.  Der  also  Berichtende,  auch
kein  Jüngling  mehr,  hätte  freilich  noch  von  sich  selbst  etwas  Rühmliches  erzählen
  können,  denn  er  hatte  bei  Oberselk  dem  jungen  Fürsten  Aremberg,
dessen  Pferd  erschossen  worden  war,  sein  eignes  aufgedrungen,  indem  er  hinzugefügt:
  „Was  thut's,  wenn  Husar  hundert  fallen,  wenn  braver  Offizier  nur
leben  bleibt.“  Auch  dieser  Tapfere  hatte  mit  dem  Stutzen  eines  gefallenen
Jägers  mit  gleichem  Mute  zu  Fuß  fortgekämpft.

Die  jüngeren  Soldaten  drängten  sich  an  die  beiden  alten  Soldaten  heran
und  drückten  ihnen  die  Hand.  Joschis  Herr  hatte  Not,  alle  Freundschaftsbeweise
  abzuwehren,  indem  er  sagte:  „Husar  gut  Freund  von  Kaisers  Soldaten
allen.  Kamerad  Steirer,  wollt  erzählen  a  schnurrig  Stück?“

„Jal  Wie  wir,  ich  und  ein  paar  andre  von  meiner  Kompanie,  die  Dansken
dran  gekriegt  hab'n,  wissen  die  meisten  schon.  Denen,  die's  nit  wissen,  sag'  ich:
die  Dänen  hab'n  bös  dran  glaub'n  müssen.  Wir  hatten  uns,  es  war  bei  Oeversee,
  an  einige  Kanoniere  rangeschlichen  und  waren  über  sie  kommen  wie  aus
der  Luft  geschneit;'s  war  ein  Spaß  zum  Totlachen!  Sie  standen  beim  Rand
eines  Waldes  und  wollten  eben  losbrennen,  da  pack  i  den  Feuerwerker  und  sag':
„Haltl  richten  darfst  schon  das  Kanon,  aber  abschießen  nit.“  Er  starrt  mich
an,  als  wär'’  er  halt  behext  und  hätt'  für  immer  die  Lust  verlor'n,  mit  uns  anzubinden,
  und  als  wir  bald  nachher  wieder  an  derselben  Stelle  vorüberkamen,
lag  unser  Mann  tot  am  Boden.“

Nach  dem  Steiermärker  nahm  ein  Pionier  das  Wort.  „Es  thut  halt  a  jeder
san  Schuldigkeit“,  sagte  er.  „Zum  Dreinschlagen  fehlt's  auch  d’heim  nit  an  Mut.
Der  Gefahr  aber,  die  man  kennt,  so  mir  nix,  dir  nix  entgegenschaun,  dös  is
an  Kunst.  Ich  mein'  nämlich  so:  Es  war  am  5.  Februar.  Da  standen  mehrere
unsrer  Offiziere  droben  aufm  Königsberg,  und  unser  Major  Neubauer  von
der  Artillerie,  den  wir  schon  von  den  italienischen  Feldzügen  her  kennen,  erklärte
den  Offizieren  dies  und  jen's  und  mant,  daß,  wenn  die  Dänen  zu  schießen
verständen,  sie  genau  den  Fleck  treffen  müßten,  wo  sie  so  miteinand'  schnakten.
Der  Herr  Major  hatt'  kaum  also  gesprochn,  als  an  Granatel  zu  seinen  Füßen
niederfällt.  Das  war  freilich  an  dreinschlagender  Beweis  von  der  Richtigkeit
seiner  Behauptung.  Die  Unverschämtheit  von  den  Dansken  ändert  aber  nix  an
der  Sach':  Der  Herr  Major  fuhr  nu'  in  seinen  Erklärungen  erst  recht  fort,  als
ob  gar  nix  vorg'fall'n  wär.  Kurz  vor'm  Auffliegen  des  Geschosses  begab  er
sich  mit  den  andern  Herren  den  Abhang  hinunt'.“

Vaterl.  Ehrenbuch.  II.  12