Full text : deutsches Wörterbuch. Zweiter Band H-O. (2)

953  Näscher  —  Nase.

Näscher,  m.,  Näscherin,  f.  der  oder  die  nascht;  auch
im  übertragenen  Sinne,  vgl.  oben  unter  naschen;  ohne
Umlaut:  aus  einem  nascher  wird  leicht  ein  dieb  Simrock
  400.  —  Näscherei,  k.  wiederholtes  Naschen,  auch
in  übertragenem  Sinne:  nüscherei,  näschigkeit  Stieler;
auch  einmaliges  Naschen:  seit  Evens  näscherei  Hagedorn
  Fab.  1,  69;  was  zum  Naschen  dient,  Naschwerk,
Leckerbissen:  er  zog  eine  näscherei  hervor;  kinder  mit
kleinen  nöschereien  beschenken  Adelung;  —  ohne
Umlaut:  von  schädlicher  nascherei  abschrecken  Wieland
  Danischm.  47;  nach  irgend  einer  nascherei  zu
greiken  Goethe  Du  W.  1.  —  naschhaft,  zu  naschen  geneigt;
  in  engerem  und  weiterem  Sinne:  naschhafte
meuler  Stieler;  naschhafte  weiber  Steinbach;  er
hat  naschhaftes  gesinde;  kein  fressen  fürs  junge  naschhafte
  mädel  Schiller  Kab.  1,  2;  dazu  Naschhaftigkeit,  f.
—  näschig,  naschhaft  (vgl.  dazu  genäschig),  bei  Keisersberg
  neschig;  ohne  Umlaut:  naschige  .  galgenschwengel
  Garg.  83;  in  neuerer  Spr.  vor  naschhaft
mehr  zurücktretend:  rief  hundert  näschige  brüder  herbei
  (der  Sperling)  Lessing  Fab.  2,  21;  da  sie  näschig
war  Heyse  5,  328.

Nase,  k.  Geruchswerkzeug:  gemeingerm.,  nur  goth.
nicht  bezeugtes  Wort,  altnord.  nös,  altengl.  nosu,  ahd.
nasa,  mhd.  nase;  ebenso  gemeinindogerm.  sanskr.  nasa,
lat.  nasus,  altslav.  nosü,  der  Abstammung  nach  nicht
zu  deuten.  Bed.  1)  der  Körperteil,  nach  Aussehen,  sowie
  nach  Zugehörigkeit  und  Leistung  näher  bestimmt,  bei
Menschen  und  Tieren,  menschen-,  neger-,  mulatten,
tier-,  rinder-,  affennase  u.  s.  w.;  grosze,  kleine,  lange,
stumpfe,  spitze,  aufgeworfene,  herabhangende  nase;
adlernase  (s.  d.);  deine  nase  ist  wie  der  thurm  auf  Libanon
  Hohel.  7,  4;  das  Dim.  naschen  hier  gern  auszeichnend
  von  Mädchen:  sie  bat  ein  kleines,  allerliebstes,
  stumpfes,  spitzes  näschen;  die  lichte  stirn,  das
näschen  sebr  bestimmt  Grillparzer  1,  185;  rote  nase
eines  Trinkers,  blaue  eines  Frierenden;  odem,  schnauben
(Weish.  Sal.  2,  2),  luft  (15,  15)  der  nase;  sie  haben
nasen  und  riechen  nicht  Ps.  115,  6;  gaumen  und  nase
beim  Schmecken  und  Riechen  Lenau  433;  in  der  nase
grübeln  (Garg  79),  die  nase  wischen  (ebd.),  schnäuzen
(Spr.  Sal.  30,  33),  putzen  u.  s.  w.;  in  ungemein  zahlreichen,
  festen,  oft  übertragenen,  bildlichen,  sprichwörtlichen
  Wendungen,  die  sich  an  das  Außere  oder  die  Tätigkeit
  der  nase  anlehnen.  a)  die  äußere  Nase  als  Zeichen
für  Seelenstimmungen;  daher  einem  etwas  an  der  nase
ansehen,  absehen;  ich  sehe  dir  an  deiner  nase  an,  du
traust  mir  nicht  Riederer  Ged.  122;  den  finger  an
die  nase  legen,  überdenkend;  der  Stolze  trägt  die  nase
hoch;  die  herren  .  die  in  ihrem  dörfchen  die  nasoc
so  hoch  tragen,  dasz  sie  keinen  ehrlichen  menschen
davor  sehen  können  Weiße  kom.  Op.  1,  62;  mit  hoch
empor  geworfner  nase  Wieland  Mus.  2,  109;  nie  war
ein  herr  .  der  höher  die  nase  trug  Heyse  3,  40;  bei
Verdruß,  Mißbilligung  die  nase  rümpfen  Weife  Erzu.
123;  fpöttisch  die  nase  ziehen,  verziehen;  die  base  sah
mich  mit  einem  spöttischen  näschen  an  Goethe
Werther  1;  Arger,  Enttäuschung  machen  die  nase  lang
(vgl.  auch  unter  gesicht  und  lang):  muszten  abziehen
mit  langer  nase  Schiller  Räub.  1,  2;  sinnbildlich:
einem  eine  lange  nase  machen,  spöttisch  zum  Zeichen,
daß  er  getäuscht  ist;  auch  die  spitze  nase  des  Argers:

indem  sich  ihre  nase  merklich  spitzte  Wieland  Abd.

1,4;  —  als  hervorragendster  Teil  des  Gesichts  in  manchen
Redensarten  gezeichnet:  vor  der  nase,  dicht  vor  Einem;
frei  fur  unser  nasen  Luther  8,  1035;  man  schlug  mir
die  thur  vor  der  nasen  zu  Albertinus  Landstörzer
206;  legt  er  sich  hin  und  stirbt  mir  vor  der  nase  weg
Heyse  8,  41;  etwas  liegt  einem  vor  der  nase;  vor  der
nas'  ihm  gar  sein  einzig  kind  umfangen  Wieland  Ob.
4,  62;  einem  etwas  auf  die  nase  heften,  binden,  zu
bester  und  vertrautester  Kenntnis,  gewöhnlich  in  ironi-Nase.

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schen  Formeln:  eine  bistorie,  die  Christel  nicht  jedem
gern  auf  die  nase  binden  wird  Weiße  kom.  Op.  3,  106;
dem  musz  man  so  was  an  die  nase  heiften  Schiller
Kab.  1,  2;  auch  auf  der  nase,  dicht  vor  Einem:  er  wird
sie,  dir  auf  der  nase,  beschwatzen  1,  1;  einen  mit  der
nase  auf  etwas  stoszen;  nicht  weiter  sehen,  denken,
als  die  nase  reicht;  nur  sehen,  was  vor  der  nase  ist
Steinbach;  der  nase  nach  gehen,  geradeaus:  es  gcht
gewöhnlich  nur  der  nase  nach  Wieland  Kombab.  23;
sich  an  seiner  eigenen  nase  zupfen,  zur  Kenntnis  des
nächst  liegenden  Eigenen;  2ieh  dich  selber  bei  der  nase,
nosce  te  cpsm  Stieler;  wenn  er  sich  selber  ein  wenig
bei  der  nase  nehmen  wollte  Wieland  Sylv.  3,  6;  auf
die  nase  fallen,  dicht  vor  sich  zu  Boden;  oft  verkeren
sies  auch,  und  werfen  die  groszen  nider  auf  die  nasen
Frölich  Stob.  198;  iemlich  unsanft  fiel  er  auf  die
nase  Tieck  Oct.  389;  auf  der  nase  liegt  der  derb  Hingefallene,
  aber  auch  der  Kranke,  der  sich  nicht  zu  erheben
vermag;  in  Schimpf  und  Spott:  ich  will  sehen  .  .  ob
ich  mir  soll  auf  der  nase  herumtanzen  lassen  Hebel
2,  210;  wilde  Tiere  wurden  zur  Schau  bei  der  nase  geführt,
  um  sie  willenlos  zu  machen;  daher:  etlich  aus
den  weibern,  darmit  sie  iren  männern  herschen  mögen,
und  gleich  ein  ring  durch  die  nasen  machen,  dabei  sie
in  wie  einen  büffel  füren  Herold  Ee  1312;  einen  bei
der  nase  herum  führen  (mit  der  nase  herumführen
Steinbach),  willenlos  betrügerisch  lenken:  wie  sie  uns
bisher  hätten  bei  der  nase  herumgeführt  Goethe  Egm.  1;
ich  möchte  euch  nicht  gern  an  der  nase  herumgeführt
schen  Benedix  ein  Lustspiel  1,  4,  val.  auch  unter
herum  und  nasführen.  b)  nase  als  Geruchsorgan;  zugehalten
  bei  Gestank  (Garg.  39);  wem  sie  versagt,  der
hat  keine  nase;  ihr  liebhaber  habt  keine  augen,  keine
nasen  Goethe  Egm.  4;  bei  den  Jägern  der  hund  verliert
  die  nase,  bekommt  sie  wieder  (den  Geruch)  Adelung;
  bagegen  eine  feine,  scharfe  nase  haben,  auch  in
freiem  Sinne:  er  hat  eine  feine  nase  Lenz  Soldaten
2,  2;  er  hat  eine  treffliche  nase  Schiller  Fiesko  1,  3;
die  ihr  mit  scharfen  nasen  ausgewittert  viel  höchst
gefährlicher  geheimer  bünde  Uhland  140;  für  den
Inhaber  einer  solchen:  manche  gäste  das  verdrosz,  gewisse
  feine  nasen  Goethe  Katzenpastete;  etwas  liegt  in
der  nase,  wird  gerochen,  empfunden  und  begehrt:  (der
Frau)  der  noch  für  und  für  der  wollust  der  welt  in
der  nasen  ligt  Herold  Ee  1582;  ähnlich  etwas  sticht
in  die  nase:  die  goldbarren  stechen  mir  verzweifelt  in
die  nase  Lessing  Brief  1778;  was  mir  aber  am  allermeisten
  in  die  nase  stach,  das  waren  die  austern
Gaudy  Erz.  46;  einem  etwas  unter  die  nase  reiben
Adelung,  es  ihm  derb  zu  verstehen  geben;  frei  etwas
unter  die  nase  sagen  Lessing  Dram.  15;  seine  nase
in  etwas  stecken,  witternd,  ausspürend:  so  riecht  sie
der  feind,  sobald  er  die  nase  ins  dorf  streckt  Hebel
2,  173;  ich  .  mag  mein  näschen  nicht  in  alles  stecken
Lessing  Nath.  4,  1;  in  jeden  quark  begräbt  er  seine
nase  Goethe  Faust,  Prol.  im  Himmel.  c)  in  andern
Verbindungen  und  Redensarten;  vom  Recht  wird  gesagt,
  es  habe  eine  wächserne  nase;  das  recht  hat  ein
wächsin  nasen  Egenolff  Sprichw.  342;  davon  her
einem  eine  nase  drehen,  Unrecht  in  Recht  verkehren,
betrügen,  irre  führen:  wir  lieszen  von  ihrer  maske  uns
keine  nase  drehn  Wieland  Am.  11,  31;  ihr  wollt  mir
ein  kleines  näschen  drehn  Urteil  des  Paris  536;
ich  drebte  ihm  zum  spasz  eine  nase  Keller  Werke
3,  75;  dafür:  wer  leichtlich  glauben  giebt,  kriegt  mehr
als  eine  nase  Günther  1019;  einem  würmer  aus  der
nase  ziehen,  herausholen,  was  einen  im  Innern  belastet
oder  was  als  Gebeimuis  verborgen  ist,  unverstandene  Erinnerung
  an  ein  Stückchen  der  Quacksalber  des  17.  18.  Ih.,
die  auf  ihren  Schaugerüsten  Leute,  die  sie  als  krank  oder
schwermütig  vorstellten,  kurierten,  indem  sie  ihnen  den
Grund  ihrer  Krankheit,  einen  Wurm  im  Gehirn  (wurm