LEHNSRECHT 75
frei veräusserlich war, während das (recipirte) longobardische
Recht Einwilligung des Vasallen fordert.
Wird die Lehnsherrlichkeit zu Lehen gegeben, so
heisst das odinfeudatio; das Lehen selbst heisst Afterlehen
(subfeudum), der Vasall subvasallus, der Oberlehnsherr
dominus Primus, die in der Mitte stehende
Person in ihrem Verhältnisse zum Oberlehnsherrn vasallus
primus, zum Subvasallen suddominus.
Die Ausübung der Lehnsherrlichkeit geschieht entweder
durch den Lehnsherrn selbst oder einen Stellvertreter
(Mandatar). Diese Stellvertretung heisst, wenn
der Stellvertreter ein Recht darauf hat, Prodominion
(prod, sublime des Regenten bei Staatslehen — prod.
simplex in den sonstigen Fällen, z. B. des Repräsentanten
einer juristischen Person).
B. PERSÖNLICHE RECHTE DES LEHNSHERRN
α. LEHNSTREUE UND LEHNDIENSTE. Die eidlich angelobte
Lehnstreue des Vasallen bestand ursprünglich
in dem allgemeinen Hingeben der Persönlichkeit an
die Herrschaft des Lehnsherrn, wie sie das heutige
öffentliche Recht nicht mehr kennt. Ein Ausfluss der
Lehnstreue ist Verpflichtung zu Ehrerbietung und zum
Beistand in der Noth. Bruch der Lehnstreue heisst
Felonie (Lehnsfehler, z. B. Beischlaf mit Verwandten
des Herrn, Erhebung einer beschimpfenden Klage). Diejenigen
Handlungen, welche gegenwärtig durch öffentliche
staatsbürgerliche Pflicht geboten werden, können
nicht Felonie sein (z. B. Ablegung eines Zeugnisses
gegen den Lehnsherrn). Die Lehnstreue äussert sich
regelmässig auch materiell in Lehnsdiensten, die entweder
in Leistungen von Geld oder Geldeswerth (Beutel-,