Das Denische Reith und seine einzelnen Glieder. (Juni Ende — Juli 4.) 113
„Euere Exzellenz ersuche ich ergebenst, zu der Einberufung von Hilfsarbeitern,
welche dazu bestimmt sind, demnächst in die Stelle eines vortragenden
Rates innerhalb Ihres Ressorts einzurücken, zuvor meine Genehmigung
einzuholen.
Mit dem Antrage auf Erteilung dieser Genehmigung bitte ich eine
Darlegung der Dienstlaufbahn des einzuberufenden Hilfsarbeiters und ein
Urteil über seine bisherige politische und wirtschaftspolitische Haltung zu
verbinden.“
Ende Juni. Der deutsche Gesandte in Paris, Graf Münster,
macht dem französischen Minister Ribot vorläufige mündliche Mitteilungen
über die Absicht einer Weltausstellung in Berlin.
Anf. Juli. v. Vollmar schreibt an die „Revue politique
et littraire“ einen Brief, worin es heißt:
„Auch ich bin der Ansicht, daß die sozialistische Partei keinen Grund
hat, mit ganz besonderer Erbitterung die Idee vom Staatssozialismus selbst
zu bekämpfen. Unsere Partei hat im Gegenteil in ihr Programm eine ganze
Reihe Bestimmungen aufgenommen, die die stufenweise Vorbereitung einer
besseren sozialen Organisation zum Zwecke haben, und die man wohl als
eine Annäherung an den Staatssozialismus betrachten kann. Auch bei der
neuen Redaktion unseres Programmes 1891 zu Erfurt haben wir uns geweigert,
einen Artikel aufzunehmen, wie man uns vorgeschlagen hatte, der
sich gegen den Staatssozialismus richtet...
Der „Vorwärts“ greift Vollmar deshalb heftig an.
Anf. Juli. Der Gesandte bei der Kurie, v. Schlözer, wird
abberufen und durch Herrn v. Bülow ersetzt.
4. Juli. Der „Reichsanzeiger“ veröffentlicht folgenden Notenwechsel
zwischen dem Deutschen Reich und Portugal-:
Der Kaiserlich deutsche Gesandte in Lissabon hat unter dem 14. v. M.
an die Königlich portugiesische Regierung mit Bezug auf das den Dienst
der fremden Anleihen regelnde portugiesische Dekret eine Note gerichtet, deren
Text wir ebenso wie die darauf erfolgte Antwort der portugiesischen Regierung
vom 23. v. M. nachstehend in Uebersetzung wiedergeben:
„Herr Minister, das heutige Amtsblatt („Diario do Governo“) veröffentlicht
ein Dekret der poriugiesiichen Regierung, inhaltlich dessen das in
Paris zwischen den Komitees der auswärtigen Inhaber portugiesischer Wertpapiere
und dem Herrn Staatsrat Serpa Pimentel als Vertreter der portugiesischen
Regierung abgeschlossene Uebereinkommen durch den Ministerrat
verworfen wird und die Interessen der gedachten Schuldinhaber, und zwar
im Widerspruch mit dem von der Nationalvertretung des Landes angenommenen
Gesetz vom 26. Februar 1892, noch weiter geschmälert werden.
Mit Bezug hierauf beehre ich mich zu bemerken, daß während der über diese
wichtige Angelegenheit zuerst in Lissabon und später in Paris geführten
Verhandlungen die deutschen Gläubiger bis zuletzt unzweifelhafte Beweise
ihres Billigkeitsgefühls, sowie ihres guten Willens, den finanziellen Schwierigkeiten,
unter denen augenblicklich Portugal leidet, Rechnung zu tragen, geliefert
haben. Diese entgegenkommende Haltung hat indessen, wie die Kaiserliche
Regierung mit Bedauern konstatieren muß, nicht diejenige Anerkennung
efunden, die zu erwarten man berechtigt war; vielmehr hat die portugie-Assche
Regierung, weit entfernt, die Mäßigung der deutschen Gläubiger nach
Europ. Geschichtskalender BVd. XXKXIII 8