Beilagen zum fuͤnften Zeitraum. 463
zu bewachen hatten, verschlossen (1229) die drei heiligen Hostien in einer bleiernen
Kapsel zwischen zwei runden Pergamentzettelchen, wickelten diese Kapsel mit
vielen andern Reliquien in den Brautrock der heil. Elisabeth und vergruben
das Ganze in einer mit Eisen wohlbeschlagenen Kiste neben dem Altare in
der Niklaskapelle, welche Berthold I, Graf von Andechs, im Jahr 1132
ganz nahe bei der Burg Andechs erbaut hatte. Bald darauf erschienen die feindlichen
Truppen und brannten die ganze Burg nieder (1230). Der bayerische
Herzog Ludwig I der Strenge (1253—1294) baute in der Folge an der
Stelle, wo die Schloßkapelle gestanden, eine Kapelle zu Ehren der hl. Katharina,
welche anfänglich dem Kloster Seeon, dann (13127—1388) dem Kloster der
Benediktiner zu Ebersberg, und seit 1388 dem Franziskanerkloster in
München zur Obhut anvertraut war. Als am 25. May 1388 der Franziskanermönch
Jakob Dachauer, welcher zu Andechs als Kaplan wirkte, in
der Niklaskapelle das heil. Meßopfer feierte, gewahrte er auf den Stufen des
Altars ein Mäuschen, welches einen Zettel fallen ließ und in der Nähe des
Altars verschwand. Nach Beendigung des Gottesdienstes untersuchte Peter
Dachauer das kleine Zettelchen und fand, daß solches von Pergament war,
auf dem Reliquien verzeichnet standen. Er berichtete dies den herzöglichen
Brüdern Stephan III, Friedrich und Johann II von Bayern, welche
alsbald nach Andechs kamen und in ihrer Gegenwart nachgraben ließen. Man
stieß nach kurzem Suchen auf die 159 Jahre lang vergrabene Kiste, welche
die ihr anvertrauten Schätze unversehrt in sich barg. Seit dieser Zeit wurde
die Anhöhe, auf welcher die Kapelle stand, der „heilige Berg“ genannt, den bald
nachher eine mit der Katharinenkapelle in Verbindung stehende Kirche zum
hl. Niklas zierte. Die Heiligthümer, die nach ihrer Auffindung nach München
überbracht und in der Hofkapelle (im alten Hofe) beigesetzt wurden, kamen
erst 1429 unter dem Herzog Ernst von Bayern-München (1397—1438),
einem Sohne des Herzogs Johann II, wieder nach Andechs zurück und
wurden in zwei gesonderten Kapellen, in der „Reliquienkapelle"“ und in
der „heili *7 Kapelle“ untergebracht"). Das Stift für Augustiner-Chorherren,
welches Herzog Erust 1438 zu Andechs gründete, wandelte dessen
Sohn, Albrecht III der Fromme (1438—14460), im Jahre 1453 in ein
Kloster um und übergab es am 23. April 1455 sieben Priestern aus dem
Orden des heil. Benedikt zu Tegernsee. Im Jahre 1669 zündete der Blitz
auf dem heil. Berge und brannte das Kloster und die Kirche nieder, nut
der an die nördliche Kirchenwand anstoßende Kapellentract, in welchem die
Heiligthümer verschlossen lagen, blieb durch ein Wunder verschont, indem sich
die Flammen an einem über das Mauerwerk vorstehenden Balken zerschlugen.
Mit dem Wiederaufbau der Kirche und des Klosters wurde ein Jahr nach dem
Brande unter dem Abte Maurus Ranpeckh (1665.— 1686) begonnen.
Die Zeit, wann der Bau vollendet worden, ist unbestimmt. Im Jahre 1755
nahm der Abt Bernhard Schyz (1746 — 1759) im Innern der Kirche
eine gründliche Umänderung vor und gab derselben die Gestalt, welche sie gegenwärtig
noch hat. Das Kloster und die Kirche mit dem unverändert erhaltenen
Kapellentract an der Nordseite blieben ungestört in den Händen des Benediktiner-Ordens,
bis dieser im Jahre 1803 gleich den übrigen Orden Bayerns
aufgehoben wurde. König Ludwig I (1825 — 1848) brachte das nach der
Säcularisation veräußerte Klostergebäude zu Andechs im Jahre 1846 käuflich
an sich und schenkte es der durch Urkunde vom 4. Novbr. 1850 gegründeten
Benediktiner-Abtei St. Bonifaz in München.
* Bei dem zu Anfang des fünfzehnten Jahrhunderts begonnenen Bau der
Niklas-Kirche war an die östliche Wand der Katharinenkapelle eine neue, die
Seefelderkapelle, angebaut und auf jener die „Reliquienkapelle“, auf
dieser die „Heilige Kapelle“ aufgesetzt worden.