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gesuchte deutungen Garg. 34; übergegangen zu der
Bed. leichtfertig, übermütig, zu Frevel geneigt: mätwillig
sein. proterefre Dasypodius; und so geblieben,
mit tadelndem Beisinn: et was mutwillig zerstören, mutwillige
beschädigung fremden eigentums; (wer die Tiere)
muthwillig beunruhigt Hebel 2, 25; ohne solchen, — ungebunden
fröhlich, ausgelassen: muthwillge sommervögel!
Goethe Faust 1; lhre gegenwart, welche eine
muthwillige scene abkürzte Freytag Journ. 3; murh-Willige
redensarten und einfälle Keller Seldw. 1, 111;
verhüllend — schlüpfrig, unzüchtig: vorrath von muthwilligen
erzählungen und auekdoten Wieland gold.
muten — Mutter.
p. 1, 10.
Muten, Verlangen haben, begehren, ahd. muoton
und muoten, mhd. muoten; in älterer Spr. in der Verbindung
etwas an einen muten (val. auch anmuten 1):
ich wil gar nichts unzimlichs an euch müten oder begeren
Wickram Nachb. 455; auch etwas zu einem
muten, jetzt noch in zumuten (s. d.); in der Spr. des
Lehnwesens lehen muten, Ubertragung desselben begehren;
im Bergwesen, den Betrieb oder Bau verlangen;
(der) auf eisenstein muthete Goethe 60, 168; bei den
Handwerkern früher die Erlaubnis des Meisterstücks und
damit das Meisterrecht nachsuchen. Uber weitere Entfaltung
der Bed. vgl. anmuten 2. — mutig, Mut
habend, ahd. muotag, muotig, mhd. muotee; nach der
ältesten westgerm. Bed. von mut — gestimmt, in Zusammensetzungen,
meist mit der umgelauteten Form
mutig (edel-, ein-, grosz-, klein-, lang-, sch wermutig.
u. a., miszmutig und mütig); in gesteigerter Bed.
freudig, munter: mötig, frölich und göter dingen werden
Maaler:; ein kranken mutiger und getröster machen
Garg. 13; noch jetzt von Tieren, namentlich mutige
rosse, Pferde; vor mir stand der muthge rapp Freiligrath
1, 131; gewöhnlicher aber, schon mhd. wie jetzt, beberzt
in Wagnis und Gefahr: under helme muotic friĩ
Helbling 13, 53; dardurch ward sie so muthig.. und
fasset ein menlich herz 2. Macc. 7, 21; wenn im kampf
die muthigsten verzagen Schiller Jungfr., Prolog 1;
in raschen, muthigen momenten Goethe nat. Tocht.
1, 5; adverbial: eine sache mutig angreifen Stieler;
frisch also! muthig ans werk! Schiller Räub. 1, 1;
getrost:
— Mumntung, k. Handlung des Mutens, Begehrens, uhd.
muotunge; im Lehn-, Berg= und Handwerkswesen noch
gekannt; mutung eines bergwerkts Bismarck Reden
16, 202.
Mutter, k. Gebärerin; gemeingerm. und gemeinindogerm.
Wort, goth. unbezeugt, altnord. möbir, altengl.
mödor, altsächs. mödar, ahd. mhd. muoter; urverwandt
zu sanskr. mätr, griech. metèr, lat. mäter,
altirisch matbir, slav. mati; einer Wurzel mit muhme
(s. d.); die Bed. der Wurzel, germanisch mô, indogerm.
ma ist als zumessen, austeilen aufgefaßt und mutter
als verteilende Vorsteherin des Hauswaltes angenommen
worden, doch ist dies nicht sicher. Die ältere mitteldeutsche
Form ma#ter ist die Vorläuferin des im Vocal
gekürzten mutter, das sich seit 15. Ih. ausbreitet und
im 16. in der Schriftspr. allein Boden gewinnt; Plur.
seit dem Mhd. mit Umlaut. Die Flexion ist, wenn das
Wort mehr titelhaft steht, wie die eines Eigennamens und
dem verwandten Substantivs, Gen. mutters, Dat. Acc.
muttern, letztere Form wenigstens in norddeutscher traulicher
Rede: als ich sasz auf mutters schosz HHeine
1, 61; er kehrt um und kriecht wieder bei muttern
unter Bismarck Reden 16, 202; in solchen Fällen fehlt
auch im Nom. der Artikel: wenns mutter ihm gebot
Wieland Perv. 1, 117; Dim. in älterer, jetzt noch in
gehobener oder altertümlicher Spr., schmeichelnd und
kosend, mutterlein; schlaf muterlin Garg. 45; in neuerer
Rede mutterchen, in Mitteldeutschland auch ohne Um-M.
Heyne, Deutsches Wörterbuch, 11.
wir können mutbig einen lorbeer zeigen,
der auf dem deutschen Pindus selbst gegrünt an Goethe
Mutter. 898
laut mutterchen. Bed. 1) im eigentlichen Sinne, mutter,
im Verhältnis zu vater, kind, sohn, tochter; du solt
deinen vater und deine mutter ehren 2. Mos. 20, 12;
leibliche mutter, im Gegensatz zur stiefmutter (neue
mutter Schiller Karl. 1, 1), pflegemutter; die mutter
empfängt (Ps. 51, 7), gebiert (Hohel. S, 5), säugt. stillt,
nährt, erzieht ihr kind; mit Bezug auf bevorstehendes
Gebären sich mutter wissen, fühlen, mutter werden;
als sie sich mutter fuhlte Schiller Karl. 3, 4; der
mutter brust, leib, schosz, vgl. unten mutterbrust,
leib, schosz; im Titel: frau mutter; das hab ich von
meiner frau mutter geerbt Bürger Kaiser u. Abt; herr
vater, frau mutter, dasz gott cuch behut Geibel 1, 49;
jetzt nur noch in höflichen Wendungen, wie lhre frau
mutter, sonst altväterisch; nach biblischer Rede meiner
mutter söne Richt. d, 15, deiner mutter kinder 1. Mos.
27, 29 — Geschwister; deiner mutter sohn (dein Bruder)
Goethe Faust neckisch auch meiner mutter sohn — ich
Wieland Perv. 2, 102; — übertragen auf die Ahne,
Vorfahrin: Hera das sie eine mutter ist aller
lebendigen 1. Mos. 3, 20. 2) in weiterem Sinne, Vorsteherin
eines Haushaltes, hausmutter; landschaftlich als
Titel für die bäuerliche Ehefrau Seitens des Gesindes,
auch des Bauers; in Herbergen die Frau des Leiters,
herbergsmutter; auch sonst Wirtin, Frau, in gehobener
Rede: die des hauses mutter war Schiller Glocke 261;
die mutter (Wirtin zum Löwen) Goethe Herm. u.
Dor. 1; Titel für Vorsteherinnen geistlicher Stifter; —
übertragen auf ältere, ärmere Weiber, besonders in
niedrig traulicher Anrede: he mutter, seid so gut,
schreit Sehera:smin sie an Wieland Ob. 4, 36; das
Dim. matterehen klingt hier gewählter, die alte Frau
schlechthin bezeichnend, mit spöttelndem Beisinn: eingeschnurrte
mütterchen Sc iller Räub. 2, 3; das
blödeste alte mutterchen in Abdera Wieland Abd.
5, 4; von einer älteren Ehefrau: indem dich dein
mütterchen im besitz eines groszen vermögens liesz
Goethe Wahlverw. 1, 1; — mit Rücksicht auf die
Tugenden einer Mutter als Pflegerin, von einer redlichen
Sorgenden: sie ist ihm eine wahre mutter, auch
mit Beziehung auf die leibliche, eine 2weite mutter; in
diesem Sinne selbst vom Manne: hand des junglings,
welcher von nun an vater und mutter dir ist Voß Luise
3, 1, 363; von einer Fürstin, landesmutter. 3) mutiter
goties, von der Jungfrau Maria (Matth. 2, 11): gottes
mutter Luther 8, 1333; die larvre erhabner üubermenschlicher
entsagung der mutter gottes nachgemahlt
Schiller 5, 116; im Ausruf: hilf heilige mutter
gottes! Räub. 5, 1; von ihren bildlichen Darstellungen
(muttergottesbild): vor dem altar hieng eine mutter
gottes Schiller Picc. 3, 3; am pfad in einer blende
stcht die mutter mit dem kinde Freiligrath 1, 7.
4) auch dem Teufel wird eine mutter, groszmutter beigelegt:
der teufel oder sein mutter Luther 5, 10b5;
Sie wären tollkuhn genug, mit dem teufel und seiner
groszmutter anzuk inden Wieland Sylv. 3, 1. 5) Darstellerin
einer Mutter, schauspielerisch Bezeichnung eines
Nollenfachs: sie ist in das fach der mütter übergegangen;
men sucht (für das Mannheimer Theater) besonders
einen vater, eine mutter, einen liebbaber Lessing
Brief 1776. 6) von Tieren: vogelnest mit jungen
oder mit eiern, und das die mutter auf den jungen
odor auf den eiern sitzt 5. Mos. 22, 7; das lamm hüpft
um die mutter her Herder z. Litt. 3, 45; vgl. dazu
mutterschwein, -schaf, pferd u. a. von entsprechenden
Tieren mit Jungen; ausgedehnt auf andere, die man
zur Zucht aufzieht, mutterfullen, -kalb, lamm; — von
Pflanzen, Hauptstamm, Hauptstengel, mutterstamm;
eine Blume, die zum Samentragen stehen gelassen wird,
heißt mutterblume; pflanzen, welche auf der mutterplanze
. stchen Goethe 58, 65. 7) bildlich: in die
erden . die unscer aller mutter ist Sir. 10, 1; mutter
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