Full text : Das Staatsrecht des Deutschen Reiches. Dritter Band. (3)

$  82.  Die  Arbeiterversorgung.  Invalidenversicherung.  339

verständlich  den  vollen  Betrag  der  von  ihnen  zu  zahlenden  Beiträge
  ($  1440).  Dasselbe  gilt  von  Arbeitern,  Gehilfen  usw.,  welche
vorübergehend  nicht  gegen  Lohn  oder  Gehalt  beschäftigt  werden,  das
Versicherungsverhältnis  aber  freiwillig  fortsetzen  (Weiterversicherung).

c)  Für  diejenigen  Personen,  auf  welche  der  Bundesrat  die  Versicherungspflicht
  erstreckt  (Kleinbetriebe  und  Hausgewerbetreibende),
wird  auch  die  Erhebung  der  Beiträge  durch  Beschluß  des  Bundesrats
  geregelt  ($  1456).

d)  Die  Einziehung  der  Beiträge  kann  für  alle  versicherungspflichtigen
  Personen  oder  für  bestimmte  Klassen  derselben  —  dagegen  nicht
für  die  freiwillige  Versicherung  —  den  Arbeitgebern  und  Versicherten
abgenommen  und  bestimmten  Kassen  oder  Einziehungsstellen  übertragen
  werden.  Eine  solche  Anordnung  kann  erlassen  werden  von
der  obersten  Verwaltungsbehörde,  ferner  mit  Genehmigung  derselben
durch  das  Statut  einer  Versicherungsanstalt  oder  mit  Genehmigung
der  höheren  Verwaltungsbehörde  durch  statutarische  Anordnung  einer
Gemeinde  oder  eines  Kommunalverbandes.  Die  Einziehung  kann
übertragen  werden  den  Krankenkassen,  Knappschaftskassen,  Gemeindebehörden
  oder  von  der  Landeszentralbehörde  bezeichneten  oder  von
der  Versicherungsanstalt  eingerichteten  Hebestellen  ($  1447—1457).

9.  Die  Höhe  der  Beiträge  bestimmt  sich  nach  dem  Jahresarbeitsverdienst
  der  Versicherten  ').  SiesindinfünfLohnklassen,
bis  zu  350,  550,  850,  1150,  mehr  als  1150  Mark  jährlichen  Arbeitsverdienstes,
  eingeteilt.

Für  die  Zugehörigkeit  des  einzelnen  Versicherten  zu  einer  Lohnklasse
  ist  nicht  die  Höhe  des  tatsächlichen  Arbeitsverdienstes,  sondern
ein  Durchschnittsbetrag  maßgebend.  Der  Mindestbetrag  ist  der  dreihundertfache
  Betrag  des  ortsüblichen  Tagelohns  gewöhnlicher  Tagearbeiter
  (Ortslohns);  für  Mitglieder  der  Krankenkassen  tritt  an  dessen
Stelle  der  dreihundertfache  Betrag  des  für  ihre  Krankenkassenbeiträge
maßgebenden  durchschnittlichen  Grundlohns  (8  1245).  Besondere  Bestimmungen
  gelten  für  die  in  der  Land-  und  Forstwirtschaft  beschäftigten
  Personen,  Seeleute,  Lehrer  und  Erzieher,  Personen,  mit
festen  Gehältern  und  für  freiwillig  versicherte  Personen  ($&  1246,
1440,  Abs.  1).  In  den  verschiedenen  Lohnklassen  sind  die  Beiträge  für
die  einzelnen  Versicherten  gleich  zu  bemessen  und  lediglich  nach
dem  Durchschnittsbetrage  der  in  den  Lohnklassen  zu  gewährenden
Renten  abzustufen;  Gefahrenklassen  dürfen  nicht  gebildet  werden  ?).

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1)  Der  Versicherte  kann  die  Versicherung  in  einer  höheren  als  derjenigen
Lohnklasse,  welche  nach  den  vorstehenden  Bestimmungen  für  ihn  maßgebend  sein
würde,  beanspruchen;  er  muß  in  diesem  Falle  aber  auch  die  Erhöhung  des  Beitrags
  übernehmen.  $  1248.  Die  Versicherung  in  einer  niedrigeren  Lohnklasse
als  der  gesetzlichen  ist  unstatthaft.

2)  In  dieser  Beziehung  weicht  das  Invalidengesetz  von  1899  und  die  Reichsversicherungsordnung
  von  dem  ursprünglichen  Gesetz  von  1889  sehr  erheblich  ab  und