Die Hochzeit. 11
daß sie den Mittelpunkt einer so gewaltigen Kundgebung
bildete. Aber nach der ersten holden Verwirrung, so erzählte
mir nachher einer, der dabei gestanden hatte, in der das
liebliche Gesicht sanft errötete, sagte sie unbefangen mit
ihrer klangvollen Stimme: „Ich danke Ihnen, Herr Oberbürgermeister,
von ganzem Herzen für die Aufnahme, die
ich gefunden habe. Ich bin tief gerührt von dem großartigen
Empfang. Ich werde des heutigen Tages gedenken und
werde bestrebt sein, die Liebe, die mir in so reichem Maße
entgegengebracht wird, meinerseits zu erwidern, um von der
Berliner Bevölkerung ganz zu den Ihrigen gezählt zu werden.“
Ach, sie ahnte nicht, wie sie dies Berlin einst verlassen
sollte! Hinter dem Wagen der Braut kam nöch eine große
Zahl sechs= und vierspänniger Wagen. Aber niemand achtete
viel darauf. Aller Augen folgten nur dem Wagen der Braut,
so lange man ihn noch sehen konnte, wie er durch eine
jubelnde Menge von vielen Tausenden dem Koöniglichen
Schlosse zufuhr.
Am nächsten Tage, es war der Sonntag Estomihi, fand
die Trauung in der Schloßkapelle statt. Ich gehörte zu
den wenigen gewöhnlichen Sterblichen, die an der Feier teilnehmen
durften. Die Schloßkapelle ist ein herrlicher Raum,
geweiht nicht nur als gottesdienstliche Stätte, sondern auch
durch die größten Erinnerungen des brandenburgischen Hauses.
Aber bei der Menge der fürstlichen Gäste mit ihrem Gefolge
konnten nur sehr wenige andere Zutritt erhalten. Mir hatte
Graf Perponcher einen Platz droben auf der Galerie verschafft.
Da konnte ich alles aufs beste sehen und hören.
Als der Brautzug vom Weißen Saale her die Kapelle betrat,