140 Ausführung bes Friedens. — Streit mit Pfalz-Neuburg.
langt werden, man mußte die endliche definitive Ordnung der seit 1609 offenen
Frage über den Besitz der Rheinlande betreiben, man mußte die Ansprüche auf
das Erbe des 1621 geächteten Markgrafen von Jägerndorf im Auge behalten,
man mußte die Einwirkungen Polens in Preußen, der Niederlande in Cleve beseitigen,
und zu all diesen umfassenden Aufgaben der äußeren Politik kam die
eigentliche Aufgabe, für die jene nur ein Mittel sein konnten, die Wiederbelebung
des Landes selbst, dessen Wohlstand, dessen physische und moralische Genesung.
Mit aller Energie betrieb der Kurfürst die Zahlung des auf ihn fallenden
Teiles der an Schweden zugesagten Entschädigungssumme von über 800000 Thaler,
und hatte die Genugthuung, sie zuerst voll bezahlt zu haben. Gleichwohl kam
er mit den Schweden zu keinem Resultat. Aus Minden und Halberstadt zogen
16/9 sie erst Ende 1649 ab, und in Pommern erhoben sie unerwartet den Anspruch
auf weitere Gebiete am rechten Oderufer, auf die Hafenzölle vom brandenburgischen
Hinterpommern. In Nürnberg wurde der Hauptexekutionrezeß ohne
Rücksicht auf Brandenburg geschlossen, und unter der steten Sorge eines Bruches
mußte man noch Jahre verhandeln, ehe es zur endlichen Feststellung der Grenzen
kam. Aber konnte Polen, konnten die Generalstaaten zugeben, daß Schweden
immer kühner sich ausbreitete, in dem Kampfe, den es gegen Polen nun plaute, daß
es die Ostsee, „die Mutter alles Handels“, zu einem schwedischen Binnensee machte?
Polen, unter dem trägen König Johann Kasimir durch innere Zwistigkeiten und
das Vordrängen Rußlands, in dessen Schutz die polnischen Kosacken damals traten,
geschwächt und gelähmt, bot keinen Rückhalt. Der Kurfürst rechnete auf di
Niederlande, wie er denn immer die Gleichartigkeit und das Zusammentreffen der
Interessen dieses Staates mit den seinigen annahm. Und damals schienen die
Niederlande jede Hilfe, die sich ihnen bot, mit Dank annehmen zu müssen, denn
mit Erfolg gingen die Spanier gegen die Franzosen in Belgien vor, und der
Pfalzgraf von Neuburg benutzte die allgemeine Kombination, in welcher unter
diesen Umständen dem katholisch-spanischen Wesen neue Hoffnung winkte, um sich
von dem Provisional-Vertrage, in dem ihn der Kurfürst 1647 zur Schonung
seiner protestantischen Unterthanen gezwungen hatte, frei zu machen. Entgegen
den Bestimmungen dieses Vertrages wollte der Pfalzgraf für die religiösen Zustände
nicht das Jahr 1612 als Normaljahr mehr anerkennen. sondern das im
westfälischen Frieden festgesetzte Jahr 1624 auch auf die in seinem Besitz befindlichen
Linder Jülich und Berg ausdehnen. Schmachvoll bedrückte und knechtete
er daher die etwa 62 000 Protestanten daselbst, und nur die Abreise des Kurfürsten
nach Preußen erwartete er, so ließ Friedrich Wilhelm dem Kaiser melden,
um die brandenburgischen Länder am Rhein zu besetzen. So beschloß der Kurfürst
den Angriff, ließ im Juni eine kleine Truppenzahl in das Herzogtum Berg
einrücken. Mit Münster und Osnabrück, mit Köln und Trier suchte der Pfalzgraf
ein Bündnis und berief die Truppen des verjagten Herzogs von Lothringen
ins Land. Die Spanier, nach Mazarins Sturz im Frieden mit Frankreich und
in gutem Einvernehmen. mit Cromwell, dem Protektor von England, konnten
jeden Augenblick ins Land fallen, stellten vorläufig dem Pfalzgrafen drei
Regimenter zur Verfügung, und im Rücken des Kurfürsten war der König von
Polen, als Schwager des Pfalzgrafen zu dessen Unterstützung wohl geneigt, ja
kar Papst war bereit, ihm für sein Unternehmen Geldsummen zur Verfügung
zu stellen.