Die Arbeiterfrage. 531
Gang unermüdlich und unerbittlich war. Auch die Arbeitstbeilung bildete
sich immer weiter aus, so dass der einzelne Arbeiter zwar immer mehr
Werthe erzeugte aber auch immer nur kleinere Bestandtheile des Ganzen,
und er selbst jede Selbstständigkeit verlor. Dazu kam schliesslich die
Erfahrung oder das Nachdenken, dass mit der Ausdehnung eines Gewerbeunternehmens
die allgemeinen Kosten nicht in demselben Verhältnisse
wachsen, eine solche vielmehr einen wohlfeileren Verkauf der Waaren gestatte,
was denn einerseits die Herbeizieliung immer grösserer Kapitale
und zahlreicherer Ansammlungen von Arbeitern zu demselben Geschäfte zur
Folge hatte, auf der anderen Seite aber die kleineren selbstständigen
Gewerbe zu Grunde richtete und einfachen Arbeitern fast jede Möglichkeit
nahm, ein eigenes Geschäft zu begründen. Gleichen Schritt mit diesen
üblen Zuständen hielten denn aber auch die Folgen derselben. In den
engedrängten und so ungünstig gestellten Menschenmassen entwickelten
sich allmählig wirthschaftliche, sittliche, gesellschaftliche und
politische Verhältnisse von eben so ungeheuerer Ausdehnung als innerer
Entsetzlichkeit. Anfänglich mit Unterwerfung und als ein hereingebrochenes
Fatum dumpf getragen, traten sie bald genug in das klare Bewusstsein der
Arbeitermassen. Zuerst wurde der klägliche Wunsch, dann die gebieterische
Forderung einer Abhülfe laut; wohlmeinende und übelgesinnte Stimmführer,
Wühler und Organisatoren stellten sich an die Spitze: und nun war allerdings
die itzige Arbeiterfrage schnell genug formulirt. Aber die Veranlassung
zu ihr bestand längst.
Die frühere Unthätigkeit ist aber um so auffallender und um so weniger
entschuldbar, als cs wahrlich an Veranlassungen zur Aufmerksamkeit und
an ernstlichen Warnungen verschiedener Art nicht gefehlt hat.
Einerseits treten nämlich von Zeit zu Zeit Thatsachen zu Tage, welche
in erschreckender Weise Kunde geben von cinem mächtigen Arbeiten unheimlicher
und geheimnissvoller Kräfte unter der glatten Oberfläche des
gewerblichen and gesellschaftlichen Lebens. Theilweise sind es allerdings
nor Versuche, entweder missglückte Verschwörungen, wie z. B. die von
Babeeuf schon am Ende des vorigen Jahrhunderts geleitete, oder minder
ungesetzliche Versammlungen, iu welchen die Forderungen gestellt, Organisationen
der Arbeiter ausgebildet wurden; theilweise trat aber die rohe
Gewalt offen auf. Mit Zwang durchgeführte, nicht selten mit schweren
Verbrechen gegen Widerspänstige begleitete Arbeitseinstellungen baben vor
einem halben Jahrhundert allmälılig begonnen und sich immer häufiger und
in weiteren Ausdehnungen verbreitet, trotz des unsäglichen Elendes, in
weiches sie, gewöhnlich nutzlos, viele Tausende stürzten; itzt ist davon die
Rede, sie jedesmal gleichzeitig über alle Culturländer zu gleicher Zeit auszudehnen.
Es sind aber auch furchtbare Empörungen plötzlich ausgebrochen.
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