Full text: Anschaulich-ausführliches Realienbuch.

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von dem Sprechenden entfernt ist. Ist die Entfernung geringer, so entsteht ein Nachhall. 
Bei der Roßtrappe hat man ein siebenfaches, an der Lorelei sogar ein siebzehnfaches Echo. 
590. Der Ton. a. Nimm eine Geige und streiche über eine Saite mit dem Bogen 
hinweg! Es entsteht ein Schall von bestimmter Höhe oder Tiefe, Ton genannt. Wie ver- 
ändert sich der Ton, wenn wir die Saite straffer spannen oder durch Niederdrücken auf 
dem Griffbrette verkürzen oder eine dünnere Saite ertönen lassen? Der Ton einer 
Saite ist um so höher, je straffer sie gespannt und je kür zer und dünner sie 
ist. — b. Betrachte eine Weidenflöte! (Wie ist sie eingerichtet? —) Der obere Pflock, der 
die Pfeife bis auf einen engen Spalt ausfüllt, läßt beim Hineinblasen einen schmalen Luft- 
strom hindurch. Dieser trifft auf die sogenannte Lippe und teilt sich dadurch in 2 Teile. 
Der eine Teil entweicht in die Luft und der andre, der durch die Reibung an der Lippe 
in Schwingungen versetzt worden ist, bleibt in der Pfeife und erzeugt hier den Ton. 
Ahnlich wird der Ton auf einer Querflöte, einer hölzernen Kinderpfeife u. s. w. erzeugt. Man 
nennt diese Pfeifen „Lippenpfeifen“ und unterscheidet sie von den „Zungenpfeifen“ (Klari- 
nette, Kindertrompete, Hoboe, Fagott). Bei den Zungenpfeifen wird durch Hineinblasen erst 
ein elastisches Blättchen (Zunge) in Bewegung gesetzt, wodurch alsdann die Luftsäule in der 
Röhre in Schwingungen gerät. Je länger die schwingende Luftsäule, desto tiefer der Ton. 
Wie läßt sich dies an der Weidenpfeife nachweisen? Wozu dienen die Grifflöcher an der 
Klarinette? — (Die menschliche Stimme wird durch den Kehlkopf (S. 290)] hervorgebracht.) — 
c. Von den Blasinstrumenten unterscheiden wir die Flächeninstrumente (Trommel, Schelle, 
Glocke). Bei ihnen wird der Ton durch Schwingungen einer Fläche hervorgebracht. 
C. Die Wärme. 
51. Erregung. a. Im Sonnenschein ist es wärmer als im Schatten. 
Sammelt man die Sonnenstrahlen in einem Brennglase, so entzünden sie leicht 
brennbare Stoffe, z. B. Schwamm und Schwefel. Durch Sonnenstrahlen 
wird Wärme erzeugt. Je häöher die Sonne am Himmel steht, desto mehr 
Strahlen treffen die Erde, desto steiler fallen sie auf und desto größer ist daher 
ihre Wärme. Daher ist es mittags wärmer als morgens, im Sommer wärmer 
als im Winter und am Agquator heißer als an den Polen. 
b. Wenn man Gabel und Messer längere Zeit auf dem Putzbrette reibt, so 
werden sie zuletzt warm. Sägen und Bohrer fühlen sich nach dem Gebrauche heiß 
an. Wagenachsen geraten zuweilen in Brand, wenn nicht durch Einschmieren mit 
Ol u. dgl. die Reibung zwischen Rad und Achse vermindert wird. Streichhölzer 
entzünden sich durch Reiben. Wilde Völker wissen sich sogar durch Reibung zweier 
Holzstücke Feuer zu verschaffen. Der Stahl giebt beim Anschlagen an einem 
Feuersteine Funken. Durch Reiben und Schlagen wird Wärme erzeugt. 
c. Um uns im Winter vor Kälte zu schützen, zünden wir im Ofen Holz 
oder Kohlen an. Beim Verbrennen dieser Stoffe verbindet sich der Sauerstoff 
der Luft chemisch (s. S. 331) mit dem Holze oder der Kohle, wodurch eine be- 
hagliche Wärme im Zimmer erzeugt wird. Taucht man ungelöschten Kalk in 
Wasser und hält ihn in der Hand, so spürt man bald ein Brennen in der Hand. 
Wird Heu in zu feuchtem Zustande auf dem Heuboden aucsgeschichtet, so verliert 
es seine Farbe und entzündet sich zuweilen. Es geht beim Holze, Kalke und 
Heu eine chemische Veränderung vor. Durch chemische Vorgänge, be- 
sonders durch Verbrennung, wird Wärme erzeugt. 
d. Der Blitz entzündet brennbare Stoffe und bringt schmelzbare Stoffe zum 
Schmelzen. Auch durch Elektricität wird Wärme erzeugt. 
52. Leitung. a. Hält man eine Stricknadel mit dem einen Ende in eine 
Flamme, so wird auch das andre Ende bald heiß. Hält man dagegen einen 
Holzspan mit dem einen Ende in die Flamme, so verspürt man am andern Ende 
keine Wärme. Die Stricknadel besitzt also die Fähigkeit, die Wärme sehr schnell 
von einem Teilchen zum andern fortzuleiten, das Holz nicht. Man unterscheidet 
demnach gute und schlechte Wärmeleiter. Zu den guten gehören alle Metalle, zu