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den schlechten: Holz, Papier, Stroh, Wolle, Pelz, Federn, Wasser und Luft. In
der Mitte zwischen beiden stehen die Halbleiter: Steine, Glas, Leinwand u. a.
b. Das Eisen eines Beiles, das im Winter draußen liegt, fühlt sich kälter
an als der hölzerne Stiel. Beide Teile entziehen nämlich der Hand beim Be—
rühren Wärme. Das Eisen aber nimmt als guter Leiter die Wärme schneller
auf als das Holz und erzeugt daher in der Hand auch ein stärkeres Kältegefühl.
Legen wir Eisen und Holz auf den heißen Ofen, so fühlt sich das Eisen nachher
heißer an als das Holz. Beide haben dieselbe Hitze in sich aufgenommen, aber
das Eisen giebt die Hitze schneller an unsre Hand ab als das Holz. Daher das
größere Wärmegefühl. Gute Wärmeleiter nehmen die Wärme schneller
auf und geben sie schneller ab als schlechte Wärmeleiter.
c. Gute Wärmeleiter wendet man da an, wo man die Wärme schnell ver-
breiten will, also z. B. beim Kochen und Heizen. Wo man die Wärme abhalten
oder lange festhalten will, da wendet man schlechte Wärmeleiter an. Daher ver-
sieht man Feuerhaken und eiserne Ofenthüren mit hölzernen Griffen, und in
heißen Ländern verhängt man die Fenster mit Strohdecken. Im Winter kleiden
wir uns in Wolle und Pelze. Diese führen nicht etwa — wie man oft meint —
dem Körper Wärme zu, sondern sie verhindern nur als schlechte Wärmeleiter
die Ausströmung der Körperwärme. Das gilt auch von den Federbetten. Pumpen
umgiebt man im Winter mit Stroh, Kellerlöcher werden mit Mist verstopft, die
Saaten durch eine Schneedecke vor dem Erfrieren geschützt. Warum? Warum
werden eiserne Ofen schneller warm als Kachelöfen?
53. Wärmestrahlung. a. Hält man die Hand in die Nähe eines heißen Ofens, so
empfindet man sofort eine stechende Hitze. Hält man zwischen die Hand und den Ofen ein
Blatt Papier, so empfindet die Hand alsbald eine viel geringere Wärme. Die Luft kann
also nicht der Leiter der Wärme sein. Sie läßt sie vielmehr durch sich hindurch, ohne sich
ihre Temperatur sehr bemerkbar anzueignen. Diese Art Fortpflanzung der Wärme heißt
Wärmestrahlung. Durch Strahlung gelangt auch die Sonnenwärme zu uns. Darum wird
uns im Sommer die Sonne dort viel lästiger, wo uns ihre Strahlen unmittelbar treffen
können, als da, wo wir z. B. durch einen Baum gegen ihre Strahlen geschützt sind. Die
Wärme der Luft selbst ist im Sonnenscheine nicht viel größer als im Schatten.
b. Stellen sich mehrere Menschen rings um ein Feuer oder um einen Ofen, so em-
pfangen sie alle zusammen Wärme. Stehen sie dabei so, daß sie nach dem Feuer hinsehen,
so gelangen die Wärmestrahlen nur an ihre vordere Seite, nicht auch an den Rücken. Die
Wärmestrahlen verbreiten sich nach allen Richtungen, aber nur in geraden
Linien. So erklärt es sich, daß man sich gegen die lästige Hitze eines eisernen Ofens durch
einen Ofenschirm und gegen die Sonnenstrahlen durch einen Sonnenschirm schützen kann.
c. Die Erde strahlt einen Teil der am Tage empfangenen Wärme nachts gegen den
kalten Weltenraum wieder aus, falls sie nicht durch Bäume, Wolken u. s. w. daran ver-
hindert wird. (S. Tau S. 3121) Daher überdeckt der Gärtner seine jungen Pflanzen, um
ihnen die Erdwärme zu erhalten, mit Glasfenstern oder Töpfen. — Auch Wände und Mauern,
die von der Sonne beschienen sind, strahlen die Wärme wieder aus. — Daher ist es auch an
heißen Tagen z. B. an der Sonnenseite der Gartenmauern heißer als im freien Felde.
54. Ausdehnung der Körper durch Wärme. a. Enganschließende Hand-
schuhe lassen sich bequemer aus= und anziehen, wenn die Hände kalt sind, als
wenn sie warm sind. Ahnlich verhält es sich mit engsitzenden Stiefeln bei kalten
und warmen Füßen. Um die Ursache derartiger Erscheinungen leichter zu finden,
nehmen wir einen eisernen Ring und eine Metallkugel. Die Kugel sei so groß,
daß sie eben nur noch durch den Ring geht. Erwärmen wir sie nun über einer
Spiritusflamme, so geht sie nicht mehr durch den Ring. Die Kugel ist durch
die Wärme größer geworden, sie hat sich ausgedehnt. Sobald sich die Kugel ab-
gekühlt hat, läßt der Ring sie wieder hindurch. Sie ist durch die Abkühlung
kleiner geworden, hat sich wieder zusammengezogen. Wärme dehnt feste Körper
aus, bei abnehmender Wärme ziehen sie sich zusammen. Will daher
der Schmied einen eisernen Reif um das Rad legen, so macht er ihn vorher