Full text : Der neue Kurs.

Verstärkung  der  deutschen  Wehrkraft  zum  Schutze  der  Küsten  und
Flußmündungen  in  der  Nordsee  bedeute.  In  deutschen  Händen
werde  Helgoland,  das  feindlichen  Flotten  in  den  Kriegen  stets  einen
gewissen  Schutz  geboten  habe,  die  Verteidigung  der  Nordseeküsten
wie  unseres  deutschen  Meeres  erleichtern,  eine  feindliche  Blockade
aber  mindestens  sehr  erschweren.  Schon  Ende  1883  hatte  die

Kaiserliche  Admiralität  —  General  v.  Caprivi  war  im  Frühjahr
desselben  Jahres  an  ihre  Spitze  getreten  —  darauf  hingewiesen,

daß  der  Nordostseekanal  erst  durch  ein  deutsches  Helgoland  seinen
vollen  Wert  für  den  Kriegsfall  erlangen  könne.

Aber  was  halfen  die  besten  Gründe!  Gleich  nach  der  Veröffentlichung
  des  Abkommens  ergriff  alle  kolonialpolitischen  Kreise,
mit  Ausnahme  einiger  praktischer  Köpfe  in  der  Deutsch-Ostafrikanischen
  Gesellschaft,  helle  Entrüstung  über  den  schmählichen  Handel,
bei  dem  angeblich  der  „Schlüssel“  für  ganz  Afrika  (Sansibar)  hingegeben
  worden  war,  für  den  „Hosenknopf“  Helgoland.  Allerdings
  war  bisher  auf  der  Insel  Sansibar  der  ganze  Außenverkehr
des  Festlandes  bis  zum  Seengebiet  konzentriert,  aber  doch  nur
deshalb,  weil  hier  die  Herrschaft  von  Insel  und  Küste  ihren  Sitz
hatte.  Unter  verschiedenen  Besitzern  konnte  derjenige  der  Küste
und  der  Verkehrswege  nach  dem  Innern  gewiß  nicht  im  Nachteil
sein  gegen  denjenigen  der  Insel.  Das  eben  war  der  andere  wesentliche
  Vorteil,  den  uns  das  Abkommen  verschaffte,  daß  nämlich
England  das  Besitzrecht  des  Sultans  von  Sansibar  an  dem  vor
dem  deutschen  Gebiet  sich  binziehenden  Küstenstreifen  preisgab.

Die  Entrüstung  steigerte  sich  natürlich  noch,  als  sich  zeigte,
daß  auch  Fürst  Bismarck,  wenngleich  ohne  besonderen  Eifer  und
mit  diplomatischer  Vorsicht,  auf  der  Seite  der  Gegner  des  deutschenglischen
  Abkommens  stand.  Die  Hamburger  Nachrichten  billigten
zwar  die  gute  Absicht,  die  Beziehungen  zu  England  zu  pflegen,
versicherten  aber  auch,  daß  Fürst  Bismarck  den  Vertrag  so  wie
geschehen  nicht  abgeschlossen  hätte.  Im  Februar  1891  folgte  dann
die  spitze  Bemerkung,  daß  den  Zeitungspolitikern,  die  den  Verzicht
  auf  Sansibar  mit  einem  früheren  Abkommen  über  die  Rechte
des  Sultans  rechtfertigen  wollten,  ein  Haupterfordernis  erfolg-20