Welf V. auf seiten des Kaisers. 15
Immer enger schloß sich Welf, der ja auch in diesem Kampfe gegen Anhänger
Konrads gefochten hatte, an Kaiser Heinrich an. Er führte ihm seine
Söhne Welf V. und Heinrich (den Schwarzen) zu und söhnte auch sie mit
ihm aus; dafür erhielt er die Versicherung, daß sein Herzogtum nach seinem
Tode auf einen von ihnen übergehen solle. Es gelang ihm noch, seine schwäbischen
Erbgüter durch das Hausgut des Grafen Otto von Buchhorn und die
Besitzungen des Grafen Liudolf von Achalm zu vermehren. — Als Welf so
die Zukunft seiner Familie gesichert hatte, wandte er sich immer mehr von
den Werken dieser Welt ab und suchte die Vergebung seiner zahlreichen Sünden
in vielen Schenkungen an Kirchen und endlich in einer Wallfahrt nach
Palästina, auf der er sein wechselvolles Leben endete.
Welf V. trat die Erbschaft seines Vaters an. Er war ein hochgewachsener,
korpulenter Mann, prachtliebend, im Grunde gutmütig und milde, aber, einmal
im Zorne, laut und unbändig. Wegen seines gewöhnlich freundlichen
Charakters und des Glanzes seiner Hofhaltung war er rings bei den Fürsten
und Großen beliebt, die ihre Söhne als Edelknaben an seinen Hof entsandten.
Nur mit seinen Oheimen von Este, die sich fast alles, von Welf IV. ihnen Entrissene
wieder zugeeignet hatten, stand er schlecht und zwang sie in wiederholten
harten Kämpfen, ihm seine Rechte von neuem zuzugestehen. — Welf
blieb trotz der lockenden Anerbietungen des Papstes Paschal II. treu auf
seiten Kaiser Heinrichs V., dessen Sache er sowohl gegen die Kirche wie
gegen die aufrührerischen Sachsen mit aller Macht unterstützte. Er gehörte
mit zu den Fürsten, die den vom König vorgeschlagenen allgemeinen Landfrieden
zu Mainz beschworen. Als die königlichen Gesandten zu Chalons mit
Papst Paschal II. über die Investiturfrage verhandelten, zeichnete sich der
Herzog Welf durch seinen lauten Unwillen über die Forderungen der Kurie
aus. „Nicht hier,“ so riefen er und seine Freunde, „in Rom wird der Streit
mit den Schwertern entschieden werden!“ So begleitete Welf den König
auch auf dessen glänzender Romfahrt und vermittelte zwischen ihm und dem
von ihm gefangen gehaltenen Papste die berühmte Konvention in betreff
der vollständigen Trennung von Kirche und Staat. Bei dem bald darauf
sich wieder erhebenden Streite zwischen Papst und Kaiser war es besonders
die Treue des Welfen, die den Kaiser vor Unglücksschlägen, wie sie seinen
Vater getroffen, bewahrten. Als dann der Kampf zwischen Heimrich und den
Sachsen unter Lothar von Supplinburg ausbrach, leistete Welf jenem tapfere
Hilfe, so daß der Kaiser ihn als den besten unter seinen Getreuen pries; und
als Heinrich in der Schlacht am Welfesholz geschlagen worden, verhandelte
Welf in Gemeinschaft mit dem Bischof Erlung von Würzburg im Namen
des Kaisers mit den siegreichen Sachsen über den Frieden. Auch mit dem
päpstlichen Legaten Kuno von Präneste trat er in Unterhandlungen ein, um
ihn zum Frieden mit dem Kaiser zu bewegen: freilich vergebens. — So erscheint
Welf V. noch einmal als Anhänger der Partei, die für die Einheit
Deutschlands nach innen und seine Unabhängigkeit von der Kirche nach außen
13. Nov.
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